Das Gericht


 

IM GESPRÄCH über„die letzten Dinge“ mit Menschen unseres christlichen Kulturraumes begegnet man häufig großer Unsicherheit und Angst vor dem „jüngsten Gericht“. Die seit Jahrhunderten überlieferten Lehren von Hölle und Fegefeuer und einem rächenden Gott sitzen bei vielen so fest, daß sie sich nicht von ihnen befreien können. Andererseits aber ist -trotz Furcht - mit Nachdruck die Überzeugung vertreten: „Alles rächt sich im Leben“, und „wenn nicht hier, dann dort“ - im Gericht nach dem Tode.

Man hat einmal gelesen oder gehört, daß in der Heiligen Schrift geschrieben steht: „Die Rache ist mein, ich will vergelten“, und: „Es ist furchtbar, in die Hand des lebendigen Gottes zu fallen.“ Meistens heißt es dann in diesen Gesprächen auch: „Wenn jeder ungestraft tun könnte, was er will, dann gäbe es ja keine Gerechtigkeit.“ Und dann - als Abschluß sozusagen: „I c h tue ja nichts Böses; ich raube nicht, ich betrüge nicht, ich morde nicht... usw.“

Was sagt Gottes Wort zu dem Thema „Gericht?“

Aus den oben angedeuteten Gesprächsfragmenten ist zu ersehen, daß über Gerechtigkeit und Gericht sehr ungenaue Anschauungen herrschen. Von einem fundierten Wissen gerade über diese lebenswichtigen Dinge, denen jeder einzelne unweigerlich einmal gegenübergestellt sein wird, ist nicht gar viel zu finden. Gerechtigkeit wird gefordert, gewiß; aber - denkt man dabei nicht vielleicht zuerst an die Ungerechtigkeit anderer, die so augenscheinlich Böses verüben?

Wenn wir Menschen einander richten müßten in eben diesen „letzten Dingen“ - es wäre ein grausames, ein sehr ungerechtes Gericht. Wir kennen ja einander nur nach dem, was wir am anderen sehen oder über ihn sagen hören. Von G o t t e s Gericht indessen steht geschrieben: „Er wird nicht richten nach dem Sehen seiner Augen, und nicht Recht sprechen nach dem Hören seiner Ohren; und er wird die Geringen richten in Gerechtigkeit, und den Sanftmütigen des Landes Recht sprechen in Geradheit.“ - Jes. 11:3,4
„,Denn ER kennt die Geheimnisse des Herzens.“ - Ps. 44:21

W i r kennen sie nicht. Darum auch heißt es: „Mein ist die Rache, i c h will vergelten.“ Und wir können darauf vertrauen, daß es eine gerechte Vergeltung sein wird - des Guten als auch des Bösen.

Was bedeutet ,,Gericht?“

Gericht ist immer eine Zeitspanne der Entscheidung. Der Angeklagte steht vor Gericht in der Entscheidung auf Strafe oder Freispruch. Das Urteil wird erst gefällt, nachdem Schuld oder Unschuld erwiesen sind. Überfällt uns eine schwere Krankheit, wird es in deren Verlauf eine K r i s i s geben, d.h. eine Entscheidung auf Leben oder Tod. „Krisis“ ist das griechische Wort für „Gericht“. Das Hebräische gebraucht verschiedene Worte für den Begriff Gericht, doch beinhalten sie alle den Sinn von „Entscheidung“.

Ebenso aber enthält „Gericht“ den Gedanken des richtungsgebenden Z u r e c h t r ü c k e n s, wie geschrieben steht: „Und wenn ihr zur Rechten oder wenn ihr zur Linken abbieget, so werden deine Ohren ein Wort hinter dir her hören: D i e s ist der Weg, wandelt darauf!“ (Jes. 30:21) „Gericht“ bedeutet aber auch Prüfung auf Standhaftigkeit, und schließlich: „Rechtsspruch“, „Urteil“, „Scheidung.“

Der Landmann scheidet bei der Ernte die guten Früchte von den schlechten; der Hirte macht eine Scheidung zwischen gesundem Vieh und schwächlichem, kranken; letztlich aber v e r b r e n n t der Bauer das gejätete Unkraut, Disteln und Dornen; das gute Getreide aber bringt er in die Scheune. Auch das ist „Gericht“, wenngleich in diesem Zusammenhang der Ausdruck nicht gebräuchlich ist. Beispiele aus dem täglichen Lebensablauf des Menschen! Die biblische Sprache gebraucht diese als Symbole für das Geistige, für die Substanz der Gedankenwelt, für die Gesinnung des menschlichen Herzens.

Als nächstes sollten wir fragen:

Wer und was wird im „Gericht“ gerichtet?

An dieser Frage scheiden sich sozusagen die Geister des Verständnisses der vielen verschiedenen christlichen Denominationen.

Die seit Jahrhunderten gelehrte Ansicht, daß der Mensch eine Seele besitze, die nach dem Tode des Leibes sich vor Gottes Richterstuhl zu verantworten habe, für jedes unnütze Wort, für jede böse Tat, ja, sogar für jede Unterlassung des Guten, die der Mensch auf Erden begangen, ist schon einmal die Grundlage für die Furcht vor „dem Gott der Rache“. Daß dieser Gott dann sein Urteil fällt und jede „Seele“ - je nach dem Grad ihrer Sündhaftigkeit - entweder in das Fegefeuer oder in die Hölle verweist, wo sie bis zum endgültigen Gericht ihre noch anhaftenden Mängel abbüßt oder aber unter unsäglichen Qualen ewig dahinleidet - solcherlei Lehre hat dem Kirchgänger keine Ursache gegeben, einen gerechten und liebenden Gott zu verehren.

Nun sind allerdings die biblischen Aussagen über das Gericht von s c h e i n b a r großer Widersprüchlichkeit. Für einen Menschen, der nicht selbst sucht, prüft und erwägt, sondern unbesehen annimmt, was ihm vorgesetzt wird, sind sie nicht zu verstehen. Das An-den-richtigen-Platz-Stellen einer jeden dieser Aussagen ist von grundlegender Wichtigkeit, wie das schon oft angeführte Wort des Apostels Paulus an Timotheus bestätigt. „Befleißige dich, dich selbst Gott bewährt darzustellen“, lesen wir in 2. Tim. 2:16-18, „als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit r e c h t teilt. Die ungöttlichen, eitlen Geschwätze aber vermeide; denn sie werden zu weiterer Gottlosigkeit fortschreiten, und ihr Wort wird um sich fressen wie ein Krebs“. Nun wendet sich Paulus bestimmten Personen zu, von denen er sagt, daß sie von der Wahrheit abgeirrt seien, „indem sie sagen, daß die Auferstehung schon geschehen sei“, und damit den Glauben etlicher zerstören.

Demnach scheinen schon damals unschriftgemäße Auslegungen über Tod und Auferstehung um sich gegriffen zu haben

Um die Frage nach dem Gegenstand des Gerichts zu beantworten, indem wir das Wort der Wahrheit recht teilen, müssen wir zunächst die so unterschiedliche Auffassung über die Schöpfung „Mensch“ an den richtigen Platz stellen.

Was ist der Mensch?

Ist der Mensch ein organisches Zusammenwirken von Materie und Geist, oder - hat er eine Seele, die in dem Körper wohnt? Wenn ja, was ist die Seele?

Wenn wir diese Fragen vom Standpunkt der Bibel aus untersuchen, finden wir, daß der Mensch einen Leib hat und einen Geist hat, aber eine Seele i s t. Ein jeder mag sich die maßgebende Schriftstelle aus 1. Mos. 2:7 noch einmal vornehmen. Gott schuf den Körper des Menschen aus den Elementen der Erde in all seiner komplizierten Feinheit; aber erst durch den „Odem“ oder die Lebenskraft wurde dieser Körper lebendig und funktionstüchtig. Die uns unbegreifliche und unerklärbare Kraft Gottes bewirkte, daß die Organe zu arbeiten begannen. Vor allem aber das Gehirn, dieses Wunder der Schöpfung, fing an zu „denken“, um alle Empfindungen und Fähigkeiten, die in den feinnervigen Organismus hineingelegt waren, zu steuern. So bilden Leib und Lebenskraft zusammen d i e lebendige Seele „Mensch“.

Die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele hat ihren Ursprung in der griechischen Philosophie, nicht aber im Worte Gottes. Weder glaubten die Juden an ein dem Menschen innewohnendes unsterbliches Etwas, noch verkündete Jesus eine derartige Lehre. Und wenn der Apostel Paulus davon spricht, daß „dieses Verwesliche Unverweslichkeit“ und „dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird“, so sollte vor allem unterschieden werden, an wen diese Worte gerichtet sind. Wenn zudem der Apostel ausdrücklich sagt, daß dieses Sterbliche Unsterblichkeit a n z i e h e n müsse oder werde, so ist die Unsterblichkeit logischerweise vorher nicht vorhanden.

Adam w u r d e eine lebendige Seele. Diese lebendige Seele war vollkommen, gerecht und ohne Fehl: sie war „sehr gut“. Doch die sehr gute, g e r e c h t e, lebendige Seele sündigte, wurde ungerecht und starb. Der göttliche Richterspruch war und ist bis auf den heutigen Tag: „D i e Seele, welche sündigt, die soll sterben.“ - Hes. 18:4.

Der Stammvater aller Menschen hatte nach dem Sündenfall keine Fehlerlosigkeit mehr zu vererben; nicht mehr war G e r e c h t i g k e i t der Grundstock seines ureigensten Wesens, die er hätte an seine Nachkommen weitergeben können. In Gottes Augen war er ein „Ungerechter“ geworden. Und somit bewahrheitet sich das Gotteswort: „Da ist (unter den Menschen) kein Gerechter, auch nicht einer.“ (Röm. 3:10) Seit unserer ersten Eltern Ungehorsam gegen Gott liegt das Todesurteil auf dem Menschengeschlecht. Die Menschheit i s t gerichtet. Welche Logik läge in einem neuerlichen Gericht, einer nochmaligen Verurteilung der „Seele“, die bereits verurteilt ist und mit dem Tod ihre Strafe abgegolten hat, die außerdem - lt. biblischem Zeugnis, wenn sie gestorben ist - tatsächlich tot, ohne Bewußtsein und ohne Leben ist? Gesündigt hat zuerst der Geist, d e r G e d a n k e, ehe er den Ungehorsam in die Tat umsetzte. Sollte ausgerechnet das Bewußte im Menschen Unsterblichkeit besitzen - das, was die Sünde gebar?

„Denn die Lebenden wissen, daß sie sterben werden; die Toten aber wissen gar nichts.“ „Alles, was du zu tun vermagst mit deiner Kraft, das tue; denn es gibt weder Tun, noch Überlegung, noch Kenntnis, noch Weisheit im Scheol (Todeszustand), wohin du gehst.“ - Pred. 9:5; 10

Das Gericht Adams

Die heilige Schrift kennt mehrere Gerichte (Entscheidungen), und diese wiederum stehen unter verschiedenen Aspekten. Wichtig ist, daß wir jede Aussage der Schrift gewissenhaft prüfen, an welchen Platz in Gottes Plan sie zu setzen ist. Das Durcheinander-Werfen verschiedener Aussagen des Herrn, der Apostel und der Propheten haben zu heillosen Irrtümern und Mißverständnissen geführt, die so viele Christen in Furcht und Schrecken leben ließen und möglicherweise heute noch immer beunruhigen. „Denn für jede Sache gibt es eine Zeit und eine richterliche Entscheidung“, sagt der weise Prediger Salomo. (Pred. 8:6) Man muß nur wissen, w e 1 c h e Sache in w e 1 c h e r Zeit (oder welchem Zeitalter) ihre Entscheidung findet. Denn „alles hat eine b e s t i m m t e Zeit, und jedes Vornehmen unter dem Himmel hat seine Zeit.“ - Pred. 3:1

Das erste große Gericht als Probe und Urteilsspruch fand am Anfang der Menschheitsgeschichte statt, als i n Adam das ganze noch zu zeugende Menschengeschlecht von Gott auf Vertrauen und Treue geprüft wurde. Das Ergebnis dieser Prüfung war - nach dem vollkommenen göttlichen Gesetz der Gerechtigkeit und Liebe gemessen - der Rechtsspruch:

Ungenügend, des ewigen Lebens unwürdig, unbrauchbar! Außerhalb der Harmonie mit Gott ist fortdauerndes Leben unmöglich. Darum lautete das Urteil: „ . . . wirst du gewißlich sterben.“ (1. Mos. 2:17) Oder - lt. Röm. 6:23 - „Der Lohn der Sünde ist der Tod.“ Der Tod ist demnach eine Auslöschung der „Seele Mensch“.

Jene Probezeit in Eden war das erste Gericht der Menschenwelt. Die Entscheidung unseres obersten Richters ist seitdem fort und fort in Wirksamkeit gewesen. Der Apostel Paulus schreibt über dieses erste Menschendrama folgendermaßen: „Demnach verhält es sich so: Durch einen Menschen (Adam) ist die Sünde in die Welt gekommen, und durch die Sünde der Tod. Darum ist der Tod zu allen Menschen gelangt, weil alle gesündigt haben.“ - Röm. 5:12

Adam stand also in der Entscheidung auf ewiges, andauerndes, vollkommenes Leben in geistiger und körperlicher Gesundheit, Friede und Freude, in Harmonie mit seinem Schöpfer - oder auf ewige, andauernde Abschneidung vom Leben und Gottes Gunst: dem Tod, der Vernichtung.
Der K e i m des Todes kommt in jedem Neugeborenen wieder auf die Welt.

Das Gericht Israels

Ein anderes großes Gericht brachte für Gottes auserwähltes Volk Israel eine in der Tat folgenschwere Entscheidung. Seit langen Jahrhunderten durch das Gesetz und die Propheten auf den Erretter vorbereitet, stand die jüdische Nation bei Jesu Kommen in diese Welt in der Entscheidung, diesen Jesus von Nazareth als den von Gott verordneten Messias anzunehmen - oder nicht. Die Annahme Jesu von seiten der Juden hätte Israel die Erfüllung der überaus großen Verheißungen gebracht, die in dem Bund mit dem tiefgläubigen Abraham - sogar durch den persönlichen Eidschwur Gottes versiegelt - verborgen liegen.

Aber die Israeliten sahen in dem Zimmermannssohn (wie sie meinten - s. Lk. 3:23), dem an irdischen Gütern armen und bescheidenen Menschen, nicht den, der i h r e r Vorstellung von einem Erretter Israels entsprach. Nur ein verhältnismäßig kleiner Teil hatte ein hörendes Ohr für die gewaltige, alles umwälzende Lehre des Gottessohnes, der redete, wie nie ein Mensch zuvor geredet und wie einer, der Gewalt (Vollmacht) hat. (s. Joh. 7:46; Mar. 1:22) Und es erfüllte sich das Schriftwort aus Luk. 2:34: „Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird“; eine etwas dunkle Rede, die wiederum eine tiefgreifende Entscheidung beinhaltet, über die wir später noch sprechen werden.

Israel als Volk jedenfalls verwarf den, der da sprach: „Ich bin als Licht in die Welt gekommen“, und wählte das V e r b 1 e i b e n in der geistigen Finsternis des Hochmuts und der Eigensucht dieses Weltzeitlaufs, die seit dem Sündenfall das Denken der Menschen mehr und mehr gegen Gottes Güte und Allmacht verblendet hatte.

„Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Kücklein versammelt unter ihre Flügel, und i h r h a b t n i c h t g e w o l l t! Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen.“ (Matt. 23:37) Als Jesus dies gesagt hatte, sprach er zu seinen Jüngern, indem er auf den Tempelbezirk deutete: „Sehet ihr nicht alles dieses? Wahrlich, ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.“ - Matt. 24:2

In den Jahren 70-73 n. Chr. belagerten die Römer Jerusalem, brannten Stadt und Tempel nieder und führten viele Juden mit sich in die Gefangenschaft. Dies war das Ende einer N a t io n, die - auserwählt in Abraham, geboren in Jakob, aus der Knechtschaft Ägyptens hinausgeführt durch Mose - während so vieler Jahrhunderte unter der behütenden und bestrafenden Obhut Gottes gestanden hatte. Das „Ihr habt nicht gewollt“ war die Ursache ihres nationalen Verderbens - und ihr Gericht. Sie hatten „die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse“. - s. Joh. 3:19

Ist aus diesem Gerichtsurteil zu schließen, daß alle Juden, die Jesus nicht als ihren Erlöser annehmen noch angenommen haben, zu einer „ewigen Verdammnis“ verurteilt sind?

Kehren wir noch einmal zurück zu Jesu Ausruf in Matt. 23:38: „Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen; denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, BIS ihr sprechet: Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn.“

Schon allein aus diesen Worten sehen wir, daß jenes Gericht nicht eine Entscheidung auf ewiges Leben oder ewigen Tod bedeuten konnte. Das „bis“ läßt erkennen, daß Israels n a t i o n a 1 e r Untergang eine zeitlich begrenzte Vergeltung war, die Gott als Abwendung seiner Gunst ihnen gegenüber bekundete. Denn sowohl altes als neues Testament bezeugen in vielen prophetischen Aussagen, daß mit Gewißheit die Zeit kommt, da ganz Israel errettet und Gott und dem Herrn einmütig dienen wird. „Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, auf daß er die Welt richte, sondern, auf daß die Welt durch ihn errettet werde.“

Und so bleiben die Juden - ebenso wie die übrige Welt - unter dem in Adam gefällten Rechtsspruch: „Die Seele, welche sündigt, die soll sterben“ (Hes. 18:4), bis Gottes BIS herbeigekommen ist.

„Denn für jede Sache gibt es eine (bestimmte) Zeit und eine richterliche Entscheidung.“

Die Wende

Wir haben jetzt zwei zeitlich und inhaltlich verschieden geartete Gerichte Gottes betrachtet. Die Heilige Schrift belehrt uns noch über einige mehr; doch wollen wir ja zu unserem eigentlichen Thema kommen - zu dem „jüngsten Gericht“. Wer wird nun gerichtet in diesem „jüngsten“ oder letzten Gericht? In welche Entscheidung werden die zu Richtenden gestellt? Haben wir nicht bisher gelernt, daß die Toten wirklich tot sind, daß es keine „unsterblichen Seelen“ zu verurteilen gibt, und daß die gesamte Menschheit bereits im Garten Eden gerichtet wurde? Hier möchten wir das herrlichste Wort der Heiligen Schrift anführen, auf dem Gottes ganzer Erlösungsratschluß ruht:

„Denn also liebt Gott die Welt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß j e d e r, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe.“ - Joh. 3:16

Dies war die Wende im Geschick der Menschen.

Gottes LIEBE sandte seinen Sohn, der als freiwilliger Bürge an die Stelle des Sünders trat und sprach: Ich will dich lösen von der Verdammnis des Todes. Jesus gab sein gerechtes, dem vollkommenen Adam gleichwertiges Menschenleben in den Tod, und erwarb durch diesen Preis (Leben um Leben) bei Gottes Gerechtigkeit die Lösung Adams aus der Verurteilung zum Tode. Diese unaussprechlich große Liebestat von seiten des himmlischen Vaters - wie auch von seiten des geliebten Sohnes - erwirkt für Adam die Rückkehr ins Leben. Und - „Gleichwie in Adam alle sterben (und gestorben sind), also werden in Christo alle lebendig gemacht w e r d e n.“ (1. Kor. 15:22) Auch hier gilt das Wort: „Alles hat eine bestimmte Zeit, und jedes Vornehmen unter dem Himmel hat seine Zeit.“

Doch irren wir uns nicht: Jesus Christus starb den Opfertod nicht, um nun einem jeden Menschen Unsterblichkeit (womöglich im Himmel) zu garantieren. Das Lösegeldopfer Jesu dient zur Öffnung der Tür aus der Gefangenschaft des Todes und zu einer G e 1 e g e n h e i t, ewiges Leben zu erwerben. Jesu Tod garantiert die Auferweckung aus dem Zustand des Todes, wie er selbst versicherte: „Wundert euch darüber nicht, denn es kommt eine Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden.“ (Joh. 6:28) Die Grundbedingung des ewigen Lebens aber liegt in den Worten: „. . . auf daß jeder, der an ihn g 1 a u b t, ewiges Leben habe.“

„Und es ist in keinem anderen das Heil; denn auch kein anderer Name ist unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in welchem wir errettet werden müssen.“ - Apg. 4:12

Jesus kam, um z u e r s t die Menschheit vom Todesurteil zu lösen, d. i. zu „erretten“; danach aber, um sie zu heilen. Denn das Menschengeschlecht ist durch die Sünde krank, wobei die geistige Krankheit, das Nicht-Sehen und Nicht-Erkennen der Liebesabsichten Gottes die tödlichste aller Krankheiten ist. Jesus wird die Heilung bringen.

Wie wird Jesus heilen?

Um zu sehen, braucht der Mensch zunächst Licht. Jesus ist das Licht. Aber die Welt ist noch blind und kann dieses Licht, das Leben gibt, nicht erkennen. Zu einer Entscheidung aber gehört Erkenntnis. Nicht kann ich an einer Wegscheide stehen und die eine Richtung vor der anderen wählen, wenn ich nicht weiß, wohin die Wege führen. Ich kann auch nicht einen Herrn wählen, dem ich dienen will, wenn ich die Absichten und Richtlinien dieses Herrn nicht kenne; und niemals werde ich mir einen Menschen zum Freund nehmen, von dem ich nicht weiß, ob ich ihm vertrauen kann oder nicht.

Zu allen Entscheidungen im Leben brauche ich das „Licht“ einer gewissen Erkenntnis.

Warum gehen wir in die Schule? Damit wir etwas lernen und Einsicht gewinnen. Kein Lehrer wird einen unwissenden, ungelehrten Schüler zum Examen heranziehen. Ein jeder Beruf bedarf einer gewissen Zeit des Studiums und des Erwerbs von Kenntnissen. Erst mit einer festen Grundlage an Wissen werde ich zur Prüfung zugelassen. Wieviel mehr wird unser gerechter Richter, Jesus Christus, einem jeden einzelnen seiner mit so viel Leid erkauften Menschenkinder zuerst den Weg des Heils erkennen lassen, bevor er es auf Herz und Nieren prüft, ob es des ewigen Lebens würdig ist!

Nur Erkenntnis des Willens Gottes und der aus ihr erwachsende Glaube - das restlose Vertrauen in die Wahrhaftigkeit unseres Schöpfers - bringt in die Nähe Gottes. Einzig eine völlige, vertrauensvolle, liebende und treue Übergabe in die Hand des Allmächtigen führt zur Versöhnung mit Gott - und somit ins ewige Leben, „ . . . auf daß jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe.“ Dies ist der Weg und die Bedingung zur Erlangung ewigen Lebens. Das Sehen dieses Weges sowohl als auch die Erkenntnis des göttlichen Willens und Handelns mit den Menschenkindem wird der bringen, der da sprach: „Ich bin das Licht der Welt.“ Ihn allein vergleicht das Wort Gottes mit der „Sonne der Gerechtigkeit“, die Heilung bringen wird „in ihren Flügeln“. Und nur auf diese Weise ist das Wort unseres Herrn zu verstehen: „Dies aber ist das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesum Christum, ERKENNEN!“

Hat die W e l t Gott erkannt? K e n n t die Welt den, welchen Gott gesandt hat, um sie zu retten und zu heilen? Es ist erschütternd, die Antworten zu hören, die bei gelegentlichen Umfragen im Rundfunk über Glaubensfragen gegeben werden. Wie wenig weiß der „Christ“ über den Einzigen, der Leben zu geben vermag, und nach dessen Namen er sich nennt! Wiederum bewahrheitet sich, was Prophetenmund durch die Inspiration des Geistes Gottes bezeugte, daß ein „Schleier“ alle Völker verschleiere und eine „Decke“ über alle Nationen gedeckt sei. (s. Jes. 25:7) „Und sie werden einhergehen wie die Blinden“. - Zeph. 1:17

Welcher gerechte Richter wird einen Blinden zum Tode verurteilen, weil er nicht sieht? Und einen Tauben, weil er nicht hört?

„Wenn jemand meine Worte hört und nicht bewahrt, so richte ich ihn (jetzt) n i c h t, denn ich bin nicht gekommen, auf daß ich die Welt richte, sondern, auf daß ich die Welt errette. Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, hat den, der ihn richtet: D a s Wo r t, das ich geredet habe, das wird ihn richten an dem letzten Tage.“ - Joh. 12:47, 48

„Und a n j e n e m Tage werden die Tauben die Worte des Buches hören, und aus Dunkel und Finsternis hervor werden die Augen der Blinden sehen. . . Und die verirrten Geistes sind, werden Verständnis erlangen, und Murrende werden Lehre annehmen.“ (Jes. 29:18, 24) „Und die Nationen werden wissen, daß ich Jhwh bin.“ - Hes. 37:28; 39:7

Denn Gott „w i l l, daß alle Menschen errettet werden und zur E r k e n n t n i s der Wahrheit kommen.“ - 2. Tim. 2:4

Das Gericht der Kirche

,,Denn die Zeit ist da, da das Gericht seinen Anfang nimmt beim Hause Gottes“, schreibt der Apostel in 1. Pet. 4 :17.

„Haus Gottes“ - was ist das? Wer ist das? Die Antwort gibt Joh. 1:12: „Allen, die ihn aufnahmen, gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden.“ Kinder wohnen im Hause des Vaters; sie sind in Gemeinschaft mit ihm, und wenn es eine intakte Familie ist, dann ist diese Gemeinschaft eine innige, liebende, achtungsvolle Gemeinschaft. Das Kind leistet Gehorsam dem, den es liebt und dem es vertraut.

Das Haus Gottes i s t eine intakte Gemeinschaft, und sie wird es erst recht in ihrer Vollendung sein, wenn alle ihre Glieder aus der Menschheit gesammelt sind und ihre Verwandlung zur göttlichen Natur erfahren haben, wie der Apostel Petrus bezeugt. - s. 2. Pet. 1:4

Das Haus Gottes ist die Kirche, die herausgerufene Gemeinde Jesu Christi. Nicht alles, was sich „Kirche“ nennt, ist Kirche. „Eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben (in Gottes nächste Gemeinschaft) führt“, betont unser Herr, „und w e n i g e sind es, die ihn finden.“ (Matt. 7 :14) „KLEINE Herde“ nennt Jesus die Seinen. - Luk. 12 : 32

Es ist ein besonderer Weg, der zu einem außergewöhnlichen Ziel führt. Die Einladung zu diesem Weg lautet: „W e n n jemand mir nachkommen w i l l, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Matt. 16:24) Eine Aufforderung, kein Zwang!

Menschen, die glaubend ihrem Erlöser Jesus Christus folgen, wohin immer er sie führt, betreten diesen Weg. Sie sind Sünder wie alle anderen auch; aber Gott rechnet ihnen ihren Glauben an das vom Todesurteil lösende Blut Christi zur Gerechtigkeit zu und vergibt ihnen ihre ererbte Sünde. Sie weihen ihr Leben Jhwh Gott, dem Vater im Himmel, geben ihren Willen ganz in seine Hand und geloben mit all ihren schwachen Kräften, den göttlichen Geboten nachzuleben. Nicht, indem sie aus der Welt in die Einsamkeit flüchten, sondern innerhalb dieser Welt des Bösen. Das bedeutet: Spott und Schmach ertragen, die eigene Ungerechtigkeit überwinden, opfern um Jesu willen. Ein schmaler Weg in der Tat; wenige sind es, die ihn betreten. Denn der himmlische Vater fordert - w e n n du schon ja gesagt hast - dein g a n z e s Herz.

„Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und Aufstehen vieler in Israel, und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird.“ (Luk. 2 : 34) In der Person Jesu Christi scheiden sich die Geister. Seitdem das Evangelium über die Grenzen Israels hinausgetragen wurde, geht dieses Wort alle an, die mit ihm in Berührung kommen. Die einen nehmen den Sohn Gottes in ihre Herzen auf, die anderen lehnen ihn ab, oder gehen mehr oder weniger gleichgültig an ihm vorüber. So viele ihn aber aufnehmen, denen gibt er das Recht, Kinder Gottes zu werden.

Der Vollständigkeit halber soll hier noch hervorgehoben werden, daß die „große Volksmenge“ aus 0ff. 7:9 ebenfalls zum „Hause Gottes“ gehört. Auch sie ist von Gottes Geist gezeugt, auch sie geht den schmalen Weg der Nachfolge Christi und ist denen zuzuordnen, die auf geistige Stufe auferweckt werden. Wenn wir hier und im folgenden vom „Haus Gottes“ sprechen, wollen wir uns jedoch - um der Einfachheit willen -auf die „kleine Herde“ beschränken, da sie die Hauptträgerin der Segensverheißungen Gottes ist.

„Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft.“ (1. Kor. 1:18) Mit diesem Wort des Apostels Paulus möchte so mancher beweisen, daß jeder Ungläubige nach dem Tode in die ewige Verdammnis gehe. Dabei ist der Ausspruch doch so einfach zu verstehen, wenn man ihn - wie es in der Heiligen Schrift üblich ist - an menschlichen Beispielen messen wollen. Wer von uns wünschte auch nur irgendeine Person in die eigene Haus und Interessengemeinschaft aufzunehmen, die entweder völlig desinteressiert ist, oder aber unserer Lebensauffassung ablehnend gegenübersteht. Würde im Hause Gottes nicht d e r absolut fehl am Platze sein, dessen Interessen rein weltlicher Art sind? Oder einer, der das Wort Gottes als Menschenmachwerk ablehnt? (Es mag auch Heuchler geben.) Und wie viele krause Eigengedanken gerade philosophischer Art zum Thema „Gott und Christus“ beschäftigen die klügsten Köpfe der christliche Welt? Jeder dieser sich widersprechenden Thesen wird mehr Aufmersamkeit geschenkt als der einfachen Lehre des Evangeliums Jesu Christi.

Aber auch gewisse christliche Lehren, die in ihrer Konsequenz das Lösegeld Jesu leugnen, führen nicht in die göttliche Gemeinschaft. „Denn d i e s ist das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, u n d den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen: Gott, den Vater, und Jesus Christus, den Sohn, dessen einmaliges Erlösungswerk, allein von ihm erbracht, die Auferstehung aller Menschen garantiert.

Ist nicht ein Haus ein geschützter Ort der Geborgenheit, in dem ich wohnen darf? Gottes Haus ist nicht mit Händen gemacht (Apg. 7:48; 2. Kor. 5:1); es ist ein geistiges Haus - ein Haus der Besinnung des Herzens, ein Haus der Gedanken und des Nachsinnens. Kurz: die Wohnung meines Wesens, meines Vertrauens meiner Liebe in der Gemeinschaft des Vaters und des Sohnes - hier im Glauben, dort in verwirklichter Herrlichkeit.

Darum: wem das „Wort vom Kreuz“ (das Loskaufopfer Jesu Christi) eine Torheit ist - was will er im Hause Gottes? Für das große Anerbieten, das Gott in und durch Jesus Christus nur in diesem Zeitalter zu vergeben vorgesehen hat, ist er „verloren“. Man kann diese Gabe Gottes nehmen, und man kann sie lassen. Gott zwingt nicht. Doch wer in diesem Leben zu den „Geretteten“ zählen will, kann nur über das „Kreuz“ zum Vater kommen. Das Opfer der unendlichen Liebe des Vaters und des Sohnes, das die ganze Menschheit von der Verurteilung zum Tode errettet, ist und bleibt der Schlüssel zum Leben - in jedem Falle! Aber es gibt z w e i Wege zum ewigen Leben.

Welche so außergewöhnliche Aufgabe ist es, die jene „Geretteten“ erwartet, wenn sie „bis zum Tode getreu“ durch die enge Pforte eingegangen sind? „Wisset ihr nicht, daß die Heiligen die Welt richten werden? ... Wisset ihr nicht, daß wir (sogar) Engel richten werden?“, schreibt Paulus an die Gläubigen in Korinth. (1. Kor. 6:2,3) Und was verheißt der Herr selbst seinen Getreuen?

„Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auch ihr werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen sitzen wird auf seinem Thron der Herrlichkeit, auf zwölf Thronen sitzen und richten die zwölf Stämme Israels.“ - Matt. 19:28

Der Apostel Johannes sah in einer Vision, die der Herr ihm gab, die bereits verherrlichte kleine Herde Jesu Christi, und die Stimmen, die er vernahm, gaben ihm Aufschluß über das hohe und wunderbare Amt, das jenen Getreuen zuteil werden soll: „ . . . und hast sie für Gott erkauft durch dein Blut aus jedem Stamm und Sprache und Volk und Nation, und hast sie unserem Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen. . . Diese sind aus den Menschen erkauft worden a l s E r s t l i n g e Gott und dem Lamme.“ Und „sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen tausend Jahre.“

„Und ich sah Throne, und sie saßen darauf, und es wurde ihnen gegeben, Gericht zu halten; ... und sie lebten und herrschten mit dem Christus tausend Jahre.“

Dies ist die e r s te Auferstehung! - Off. 5:9; 14:4; 20:6; 20:4,5

Kehren wir noch einmal kurz zurück in dieses Leben und in dieses Zeitalter. Die Gläubigen, von denen wir hier reden, leben nicht von Brot allein, wie der Herr sagt, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes ausgeht. (s. Matt. 4:4) Sie finden ihr Lehen und den Sinn ihres Lebens in den Zeugnissen der Schrift: sie sind v o n G o t t gelehrt. Gott gibt ihnen Erkenntnis und Verständis. Und das ist ihre Verantwortung.

Doch mit der Tiefe dieser Erkenntnis wächst auch die Größe der Verantwortung. Darum ist j e t z t ihr Gericht! Ihre Prüfung auf unbedingte Treue in liebendem Gehorsam dem Willen Gottes gegenüber bereitet sie zu, dereinst gerechte und barmherzige und verständnisvolle Richter zu werden.

Das letzte Gericht

„Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten! Denn was irgendein Mensch sät, das wird er auch ernten.“ - Gal. 6:7

Dieses Wort, wenn auch zunächst an die Nachfolger Christi gerichtet, wirkt sich nichtsdestotrotz auf die ganze von Menschen aufgestellte Weltordnung aus. Es ist ein Naturgesetz: das Gesetz von Ursache und Wirkung.

Alle Naturgesetze sind von Gott. Gott hat es zugelassen, daß der Mensch ihnen zuwiderhandelt. Er schuf den Menschen als ein Wesen mit freier Willensentscheidung. Weil nun das Gesetz von Ursache und Wirkung sich nicht immer schlagartig erfüllt, verlor das Geschöpf die Ehrfurcht vor dem Schöpfer und handelte mehr und mehr nach e i g e n e r Auffassung von Recht und Gerechtigkeit, indem es dachte: „Wer sieht uns, und wer kennt uns?“ - Jes. 29:15

„Weil das Urteil (Gericht) über böse Taten nicht schnell vollzogen wird, darum ist das Herz der Menschenkinder in ihnen voll, Böses zu tun weil ein Sünder hundertmal Böses tut, und doch seine Tage verlängert.“ (Pred. 8 :11,12) Aber der Prophet ruft in Gottes Autorität aus: „O über eure Verkehrtheit! Soll denn der Töpfer dem Ton gleichgemacht werden? Daß das Werk von seinem Meister spreche: Er hat mich nicht gemacht! Und das Bild von seinem Bildner spreche: Er hat mich nicht ersonnen!?“ - Jes. 29:16

Deutlicher als in allen Zeitaltern zuvor erfüllt sich dieser Ausspruch in unseren Tagen. An den Universitäten dieser Welt kennt man keine Grenzen durch die „Weisheit“ der Evolutionslehre, die göttliche Wahrheit von Schöpfer und Geschöpf zu untergraben. Eine unserer besten Zeitschriften brachte kürzlich eine Notiz, die a l s A b s u r d u m von Interesse sein dürfte:

„Die Vorläufer des homo sapiens, die vor zwei Millionen Jahren in den Savannen Afrikas gelebt haben, waren Aasfresser. Zu diesem Schluß kommt wenigstens eine Gruppe von Anthropologen der Universitäten von Harvard und Berkeley ....“ „Mit dem Elektronenmikroskop b e s t ä t i g t e P. Sh. von der Hopkins Universität in Baltimore die Vermutung, daß die ersten Menschen Aas aßen. Auf 1,7 Millionen Jahren alten Knochen fanden sich sowohl Abdrücke eines Raubtiergebisses als auch Schabspuren menschlicher Werkzeuge. Die Hackordnung beweist: erst kam das Tier, und dann der Mensch ans Aas.“ Mit was sich kluge Leute beschäftigen!

Wer aber ließ die Menschen unserer Zeit Kenntnisse gewinnen auf allen Gebieten in weit größerem Maße als jemals zuvor? (s. Dan. 12:4) Großartige Dinge wurden erfunden aufgrund der Naturgesetze, denen - WER? - unseren Planeten Erde untergeordnet hat.

Doch so sehr auch der Mensch den Menschen bewundert was nutzt ihm letzten Endes die Anbetung der Produkte seiner Hände? Für kurze Zeit nur dienen diese Dinge zu seiner Bequemlichkeit, seinem „Fortschritt“. Da sie zwar aufgrund der Naturgesetze gefunden und geschaffen, mangels Ehrfurcht vor dem Schöpfer aller Dinge jedoch in Selbstsucht, Hochmut und Unkenntnis Gottes verwendet werden, sind diese im Grunde bewundernswerten Erfindungen unserer Zeit ein Bumerang, der ins eigene Auge geht. Unsere Gewässer werden immer ungenießbarer, der Erdboden ist vergiftet, die Luft verpestet; wenn die Wälder absterben, wird alles Leben an Sauerstoffmangel eingehen.

In Anbetracht dieser Torheiten, die die Menschheit in ihrer selbstsüchtigen, unvernünftigen Überheblichkeit s i c h selbst geschaffen hat, gibt es noch Stimmen genug, die Gott anklagen, indem sie sagen: „Warum läßt Gott dies alles zu?“ Würde Gott sie jedoch daran hindern, ihre Torheiten auszuüben, würden sie erst recht protestieren.

Die Bibel ist das älteste Buch der Welt. Heute ist sie - was ihre Verbreitung anbelangt - ein Bestseller. Aber benutzt wird sie nicht. Als Jhwh dem Volke Israel durch Mose das Gesetz gab, gebot ER: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (3. Mos. 19:8) Jesus kam, der Sohn des lebendigen Gottes, und predigte Liebe, Güte, Duldsamkeit und Erbarmen, kurz: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Diese ihm von Gott gegebene Lehre ging seitdem durch die ganze Welt. -Matt.19 :19; 22:39; Mar. 12:30-33; Luk.10 :27; Röm.13 :9; Gal.5:14

Sie ist das königliche Gesetz des Lebens! Jak. 2:8; Luk.10:28

Aber die Welt hat nicht vermocht, dieses Gebot der Gerechtigkeit und der Liebe in die Tat umzusetzen. O, es g i b t Ausnahmen! Es gibt selbstlose, liebende, barmherzig helfende Hände, gewiß. Doch - gerechnet an den Strömen von Blut, die zum großen Teil sogar im Namen Christi vergossen wurden, gerechnet an Neid, Machtgelüsten, Rücksichtslosigkeiten, boshaften Quälereien, Ausbeutung, Folterungen, Unterdrückung und vielem anderem mehr, das die einst in der Ebenbildlichkeit Gottes Erschaffenen sich einander zufügen, sind es nur wenige. Deshalb, schreibt der Apostel Paulus an die Gläubigen in Rom, „wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit in Ungerechtigkeit niederhalten, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist; denn Gott h a t es ihnen geoffenbart. Denn das Unsichtbare von ihm, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, die von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten wahrgenommen werden, wird geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien, weil sie - Gott erkannt habend - ihn weder als Gott verherrlichen noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen, und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde. Indem sie sich für weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden. . . Die Wahrheit Gottes haben sie in Lüge verwandelt und dem Geschöpf mit Verehrung und Dienst dargebracht als dem Schöpfer, welcher gepriesen ist in Ewigkeit. Amen.“ - Röm. 1:18-22; 25

„Weil ihnen nichts daran lag, die Erkenntnis Gottes festzuhalten, hat sie Gott einer verwerflichen Sinnesweise preisgegeben, so daß sie schmähliche Dinge treiben. Sie sind erfüllt mit aller Ungerechtigkeit, Bosheit, Habsucht und Schlechtigkeit. Sie sind voller Neid, Mord, Streit, Trug und Tücke. Sie verleumden heimlich und öffentlich. Sie sind gottlose Frevler, übermütige Prahler, erfinderisch im Bösen. Sie sind den Eltern ungehorsam, sie sind unverständig, wortbrüchig, lieblos und unbarmherzig. Sie wissen ganz genau, daß nach dem Gesetze Gottes alle solche Frevler Tod verdienen. Trotzdem aber begnügen sie sich nicht damit, selbst dergleichen Sünden zu begehen; nein, sie rühmen auch noch ganz offfen die andern, die solche schändlichen Dinge treiben.“ - Vse. 28-32 nach Albrecht Übersetz.

Heute gehen Tag für Tag tausende und abertausende von Männern und Frauen in die Fabriken, um ihr tägliches Brot mit der Herstellung todbringender Waffen zu verdienen. Millionen stehen im Dienst chemischer Werke, deren Abgase die Umwelt vergiften.

Wir können uns eine utopische Frage stellen: Was würde geschehen, wenn die Regierungen - in einem ohnmächtigen Versuch, diese Welt zu retten - sich einigten, beispielsweise die Rüstung zu stoppen, Fabrikation chemischer Waschmittel und anderer Schadstoffe abzustellen, den Treibstoffverkauf zu verbieten? Die Antwort ist einfach. Die zusammenbrechende Finanzpolitik der Staaten würde die bis jetzt noch bestehende Ordnung und Existenz unseres Weltwirtschaftssystems in ein Chaos verwandeln. Wir leben heute - dank des technischen „Fortschritts“ und seiner Industrialisierung - nun einmal von der Zerstörung,
weil das ganze System auf Ungerechtigkeit aufgebaut ist. Eine unserer großen Tageszeitungen brachte kürzlich einen treffenden Ausspruch zur Weltlage: „Wir alle sitzen in einem Gefängnis; wir alle sind Geiseln.“ Und der Prophet ruft aus: „Wehe ihrer Seele, denn s i c h s e 1 b s t bereiten sie Böses.“ - Jes. 3:9

Der Einsichtige wird verstehen, daß der Gott der Liebe und der Gerechtigkeit kein Wohlgefallen haben kann an dem Tun seiner Geschöpfe, und daß sein gerechter „Zorn“ (Ausdruck des göttlichen Mißfallens) auf der irdischen Schöpfung bleibt, bis . . .

Bis wann?

„Gott der Rache*), Jhwh, Gott der Rache, strahle hervor!
Erhebe dich, Richter der Erde, vergilt den Hoffärtigen ihr Tun!

Bis wann werden die Gesetzlosen, Jhwh, bis wann werden die Gesetzlosen frohlocken? Werden übersprudeln, Freches reden, sich rühmen alle, die Frevel tun?

Dein Volk, Jhwh, zertreten und dein Erbteil bedrücken sie. Sie töten Witwen und den Fremdling, und sie ermorden Waisen.
Und sagen: Jah sieht es nicht, und der Gott Jakobs merkt es nicht.

Habet Einsicht, ihr Unvernünftigen unter dem Volke!
Und ihr Toren, wann werdet ihr verständig werden?
Der das Ohr gepflanzt hat, sollte er nicht hören?
Der das Auge gebildet, sollte er nicht sehen?
Der die Nationen züchtigt, sollte er nicht strafen,
Er, der Erkenntnis lehrt den Menschen?

Gott kennt die Gedanken des Menschen, daß sie Eitelkeit (= Hauch, Nichts) sind.

Glückselig der Mann, den du in Zucht nimmst, Jhwh, und den du belehrst aus deinem Gesetz, um ihm Ruhe zu geben vor den bösen Tagen, BIS dem Gesetzlosen die Grube gegraben wird!“ - Ps. 94

*) eig.: „Gott der Vergeltungs-Vollstreckungen“

Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten!

Was muß geschehen?

„Denn er (Gott) hat einen Tag*) bestimmt, wo er den Erdkreis richten will in Gerechtigkeit, und zwar durch einen Mann, den er dazu verordnet hat, und an den zu glauben er a l l e n möglich macht, weil er ihn auferweckt hat aus den Toten.“ - Apg. 17:31

*) eine von Gott bestimmte Zeitperiode

„Wer aber wird den Tag seines Kommens ertragen“, fragt der Prophet, „und wer wird bestehen bei seinem Erscheinen? Denn er wird das Feuer des Schmelzers sein und wie die Lauge der Wäscher.“ (Mal. 3:2) „Der Hochmut des Menschen wird gebeugt, und die Hoffahrt des Mannes erniedrigt werden; und Jhwh wird hocherhaben sein, er allein an jenem Tage.... An jenem Tage wird der Mensch seine Götzen von Silber und seine Götzen von Gold, die man ihm zum Anbeten gemacht hat, den Maulwürfen und den Fledermäusen hinwerfen, um sich in die Spalten der Felsen und in die Felsenklüfte zu verkriechen vor dem Schrecken Jhwhs und der Pracht seiner Majestät, wenn er sich aufmacht, die Erde zu schrecken.“ - Jes. 2 :17,20

„Denn siehe, der Tag kommt, brennend wie ein Ofen; und es werden alle Übermütigen und jeder Täter der Gesetzlosigkeit zu Stoppeln werden; und der kommende Tag wird sie verbrennen, spricht Jhwh Heerscharen, so daß er ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen wird.“ - Mal.3:17

(Denken wir daran, daß diese Darstellungen Bilder sind: Symbole für Vernichtung und W a n d l u n g geistiger Dinge: der Gesinnung. „Feuer“ ist das Symhol der Reinigung von allem, was vor Gott keinen Bestand hat.: Vernichtung der Gesetzlosigkeit = Widergöttlichkeit. Die ungerechte Gesinnungsart muß „verbrannt“ werden.)


Nebukadnezar, der König von Babylon, hatte einst einen beunruhigenden Traum. Ein prächtiges Monument, herrlich anzusehen und doch erschreckend, das Haupt von Gold, die mächtige Brust von Silber, Bauch und Lenden von Kupfer, die Schenkel von Eisen, die Füße teils von Eisen, teils von Ton, erschien ihm Nacht für Nacht vor Augen. Was den König wohl am meisten in Unruhe und Angst versetzte, war ein Stein: ein Stein, der ohne Zutun von Menschenhand mit einer solchen Wucht gegen die Füße des Standbildes prallte, daß dieses in sich zusammenfiel. Seine Trümmer wurden „wie Spreu auf Sommertennen“ vom Wind hinweggetragen, und von der Pracht des Denkmals blieb nicht das geringste Stäubchen über, als ob es nie gewesen wäre.

Der Stein aber, der es an seine Füße getroffen hatte, wuchs und wuchs und breitete sich aus, und bedeckte endlich die ganze Erde.

Keiner der Weisen von Babel konnte diesen Traum deuten. Die entsetzlichen Strafen, die der König jenen unfähigen devot-buckelnden Gelehrten androhte, geben ein beredtes Zeugnis von der Ungerechtigkeit und Grausamkeit einer Weltzeit - „Ordnung“, „wo der Mensch über die Menschen herrscht zu ihrem Unglück.“ - Pred. 8:9

Diese Erzählung, die in Daniel Kap. 2 nachgelesen werden kann, mutet an wie ein Märchen. Daß sie kein Märchen ist, beweist die Geschichte der Vergangenheit, beweisen die Zustände in unserer Welt von heute, und - wird die nächste Zukunft erweisen.

Fahren wir fort: Daniel, ein Weggeführter aus Juda während der Zeit der 70jährigen Gefangenschaft der Israeliten in Babylon, war einer der Seltenen, die mit ihrem ganzen Herzen Gott lieben und dienen. Er, dem von Gott der Blick in die ganze fernere Zeitgeschichte der Menschheit anvertraut wurde, damit sie in der „Zeit des Endes“ von den Verständigen verstanden werde (Dan. 12 : 4), erhielt auch die Erlaubnis und die Fähigkeit von Gott, das Geheimnis des königlichen Traumes auszudeuten. -Dan. 2:28

Das Standhild, vier Weltreiche darstellend, als da waren: Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom, ist ein Bild der menschlichen Herrschermacht schlechthin unter dem geistigen Einfluß Satans, des Widersachers Gottes. Seit dem ausgedehnten Machtbereich des römischen Reiches, des letzten der vier vorbezeichneten Weltreiche, hat es keine ihm gleichende Regierungsgewalt mehr gegeben. Seine „Füße und Zehen“ teils aus Eisen, teils aus Ton, sind Sinnbild seiner geteilten Macht, die in der Herrschaft des päpstlichen Roms, gekoppelt mit den weltlichen Regierungen, bis in unsere Zeit hinein fortdauert.

Und nun wollen wir Daniel selbst sprechen lassen. Wir lesen Kap. 2 Vs. 44: „Und in den Tagen jener Könige, (der letzten Regierungen dieser Welt), wird der Gott des Himmels ein Reich erstehen lassen, das unzerstörbar bleibt und dessen Königtum (Herrschaft) auf kein anderes Volk übergehen wird. Es wird alle jene Reiche zerschmettern und vernichten, selbst aber ewig bestehen, wie du denn gesehen hast, daß ein Stein ohne Zutun von Menschenhand vom Berge losbrach und Ton, Eisen, Erz, Silber und Gold zermalmte. Ein großer Gott hat dem König kundgetan, was in Zukunft geschehen wird. Der Traum ist wahr, und zuverlässig seine Deutung.“

„Abbrechen hat seine Zeit,
und Bauen hat seine Zeit“ - Pred. 3:3

Was aus diesen bildhaften Darstellungen hervorgeht, ist der völlige Umsturz einer sog. sozialen Weltordnung, die - außer der Erfahrung mit dem Bösen - nichts Positives und nichts Bleibendes hervorgebracht hat. Sie sprechen: „Friede, Friede! Und da ist doch kein Friede. Sie werden b e s c h ä m t werden, weil sie Greuel verübt haben.“ - Jer. 6 :14,15

Das Gericht über die Nationen ist ein Abbrechen der Herrschaft des Bösen über diese Welt. Die ganze „alte“ Erde wird „verzehrt“ werden. Dieses Gericht muß stattfinden als natürliche Folge dessen, was ausgesät wurde, um der Menschheit die Sinnlosigkeit ihres Bemühens auf verkehrtem Wege vor Augen zu führen. Zum anderen aber, um die Macht des Bösen offenbar zu machen zur Erfahrung und Belehrung aller, die je gelebt haben. Darum hat Gott es zugelassen, „daß Völker fürs Feuer sich abmühen, und Völkerschaften vergebens sich plagen.“ - Hab. 2:13; Jer. 51:58

„Denn alsdann wird große Drangsal sein, dergleichen von Anfang der Welt bis jetzthin nicht gewesen ist, n o c h j e sein wird ; und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um die Auserwählten w e r d e n jene Tage verkürzt werden.“ - Matt. 24:21,22
Die vergeltende Urteilsvollstreckung für eine Welt, die sich ihr Gericht selbst gesprochen und ihre Grube selbst gegraben hat, ist aber auch zugleich ihre E r 1 ö s u n g von der bis dahin unsichtbar und unerkannt gebliebenen Macht des Bösen, die sie seit Menschengedenken beherrscht hat. „Denn hierzu ist der Sohn Gottes geoffenbart worden“, zeugt der Apostel Johannes, „auf daß er die Werke des Teufels vernichte.“ - 1. Joh.2:8

Wiederum ist es der Apostel Paulus, der, fast zweitausend Jahre vorausschauend, die Unausbleiblichkeit dieser Befreiung vom Bösen vorhebt, wenn er sagt: „Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes, . . . daß auch selbst die Schöpfung freigemacht werden wird von der Knechtschaft des Verderbnisses zu der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt - bis jetzt.“ - Röm. 8:19,21,22

Was soll geboren werden?

„Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde; und der früheren wird man nicht mehr gedenken, und sie werden nicht mehr in den Sinn kommen.“ (Jes. 65 :17) Welche Worte der Apostel Petrus bestätigt, indem er sagt: „Wir erwarten aber nach seiner (Gottes) Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt.“ - 2. Pet. 3:13

Neue Himmel und eine neue Erde - wie sind diese Worte zu verstehen? Buchstäblich dürfen wir sie nicht auslegen; das wäre töricht. Was ist es denn, das einer Erneuerung bedarf? Wir haben im Vorhergehenden darüber gesprochen, und besser als der Apostel Paulus können wir die Antwort nicht formulieren: „Seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet v e r w a n d e l t durch die E r n e u e r u n g eures Sinnes (eurer Gesinnung), daß ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.“ (Röm. 12:2) Paulus spricht hier zwar die Nachfolger Christi dieses Zeitalters an, doch eine innere Wandlung durch die Erneuerung der Gesinnung wird im nächsten Zeitalter in einem j e d e n einzelnen Menschen Platz greifen müssen, wenn er ewiges Leben erwerben will.

Der Stein im Traume des Babylonier-Königs - er ist das Symbol für Christus und seine Kirche oder für das „Reich der Himmel“, wie Jesus es bezeichnet: das Bild für den „neuen Himmel“, den Gott während dieses ganzen Zeitalters heranbildet. Dieser „Stein“ schlägt an die Füße des Bildes irdisch-satanischer Macht und zertrümmert es, „auf daß er die Werke des Teufels vernichte.“

„Vertilgung ist festbeschlossen“, spricht die Stimme Gottes durch den Propheten, „sie b r i n g t einherflutend GERECHTIGKEIT. Denn der Herr, Jhwh der Heerscharen, vollführt Vernichtung und Festbeschlossenes inmitten der ganzen Erde.“ (A. Ü.: ,,Denn abschließende und entscheidende Abrechnung wird . . . usw.) - Jes. 10:22,23

Vertilgung bringt Gerechtigkeit; nein - nicht nur „bringt“. Wie bei einem Dammbruch die nachdrängenden Wasser alles überfluten, so sieht der Prophet die Gerechtigkeit des Reiches Christi sich über die Erde ergießen, nachdem die Mauern des Gefängnisses der Sünde niedergerissen sind.

Und der Stein, der das Bild geschlagen hatte, wurde zu einem Berge und füllte die ganze Erde.“ „Berge“ sind Symbol für Königreiche und Herrschaften. „Dein R e i c h komme, dein Wille geschehe auf Erden, wie er im Himmel geschieht“, lehrte Jesus seine Jünger beten.

Nahe an der Tür

Der Plan Gottes zur Erlösung von Sünde und Tod läuft präzise nach der Weisheit der göttlichen Weltenuhr. Vor zweitausend Jahren Iehrte unser Erlöser: „Ich bin nicht gekommen, auf daß ich die Welt richte, sondern auf daß ich die Welt errette.“ Die E r s t l i n g e der Errettung sind wie wir glauben - bald vollzählig. „Ändert euren Sinn, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen.“ Dieser Aufruf unseres Erretters und Erlösers erging im Anfang dieses Evangeliumszeitalters. Heute steht dieses Reich „nahe an der Tür“. (Matt. 24:33; Mar. 13:29) Die Zeichen der Zeit, auf die der Herr in seinem Wort hingewiesen hat, sprechen eine deutliche Sprache. Tag für Tag erfüllen sich die Greuel und Grausamkeiten dieser Endzeit, die unser großer Gott im Himmel schon vor Grundlegung der Welt voraussah und durch die warnende Stimme seiner Propheten kundtun ließ. Die Menschen erleben diese Greuel; Abscheu und Furcht erfüllt ihr Herz. Doch in den wenigsten Fällen sind sie sich dessen bewußt, daß hier dämonische Mächte am Werk sind. „Wehe der Erde und dem Meer! Denn der Teufel ist zu euch hinabgekommen und hat große Wut, da er weiß, daß er wenig Zeit hat.“ - Off. 12:12

„Wie (aber) kann jemand in das Haus des Starken eindringen und seinen Hausrat rauben“, sagte Jesus, „wenn er nicht zuvor den Starken bindet? Und alsdann wird er sein Haus berauben.“ Matt. 12:29; Mar. 3:27

Wir wissen nicht, welche Kräfte der Herr gebrauchen wird, um den Untergang allen Fleisches zu verhindern um den Einfluß des Bösen auszuschalten. Wir wissen aber, d a ß es geschieht. Sein Wort, das er geredet hat, ist Zeuge und Garant zugleich, wie geschrieben steht: „Und ich sah einen Engel aus dem Himmel herniederkommen, welcher den Schlüssel des Abgrundes und eine große Kette in seiner Hand hatte. Und er griff den Drachen, die alte Schlange, welche der Teufel und der Satan ist; und er band ihn tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund und schloß zu und versiegelte über ihm, auf daß er nicht mehr die Nationen verführe.“ Off. 20:1-3

Die Trennwand zwischen Mensch und Gott hat einen starken Riß erhalten: Der Urheber der Sünde ist an seiner Machtausübung verhindert. Der Weg zurück in die Gotteskindschaft ist frei, und ein Mittler, der in seiner großen Liebe sein Blut gab für das Leben der Welt, reicht allen Menschen - jedem einzelnen - die Hand, und spricht: Komm! Laß dich versöhnen mit Gott!

Israel zuerst
(Apg.13:46; 15:16,17; Röm.1:16; Sach. 8:23)

Endgeschehen, Wende, Errettung und das letzte Gericht stehen in engem Zusammenhang mit dem Volk Israel, das ja seit seinem Bestehen eine hervorragende Rolle in dem Heilsgeschehen einnimmt. Alle Propheten, wie auch die Apostel, reden auf verschiedene Weise von der Erst-Stellung Israels im Ratschlusse Gottes, die sich auf die eid-bekräftigte Verheißung an Erzvater Abraham stützt: „In dir und deinem Samen sollen g e s e g n e t werden a l l e Geschlechter der Erde.“

Und so erklärt denn der Apostel Paulus, daß nach Vollendung des „Leibes“ Christi, der Herauswabl aus den Nationcn, ganz Israel errettet werden wird, „wie geschrieben steht: Es wird aus Zion (hier: Symbol des Reiches der Himmel) der Erretter kommen; er wird die Gottlosigkeiten von Jakob (Israel) abwenden.“ (Röm. 11:26) Und der Prophet ruft aus:
„Z e r b r o c h e n hat Jhwh (durch den Christus) den Stab der Gesetzlosen, den H e r r s c h e r s t a b, welcher Völker schlug im Grimm mit Schlägen ohne Unterlaß, Nationen unterjochte im Zorn mit Verfolgung ohne Einhalt. Es r u h t, es r a s t e t die ganze Erde; man bricht in Jubel aus!“ - Jes. 14:5-7

„An jenem Tage wird der Mensch auf DEN hinschauen, der ihn gemacht hat, und seine Augen werden auf den Heiligen Israels blicken. ... Und an jenem Tage wird man sprechen: Siehe da, unser Gott, auf den wir harrten! Laßt uns frohlocken und freuen in seiner Rettung!“ - Jes.17:7; 25:9

Und nun wird man fragen: Was ist es nun mit dem jüngsten Gericht? Wann kommt endlich die Sprache darauf? Dabei sind wir in unserer Betrachtung ja schon inmitten dieses Gerichts des letzten Tages. Der Gerichtstag Gottes ist kein Schrecken - er ist eine Freude, ein Jubel für alle, die unter der Last der Ungerechtigkeit dieser Welt trauern und seufzen. „Brechet in J u b e 1 aus!“, singt der Psalmdichter. „Singt Jhwh ein neues Lied! Denn er hat Wunder getan; Rettung hat ihm verschafft seine Rechte und sein heiliger Arm (Christus). Jhwh hat kundgetan seine Rettung, vor den Augen der Nationen geoffenbart seine Gerechtigkeit. Er hat seiner Güte und Treue gedacht dem Hause Israel; alle Enden der Erde haben die Rettung unseres Gottes gesehen. Mögen die Ströme in die Hände klatschen, mögen jubeln die Berge allzumal vor Jhwh! Denn er kommt, die Erde zu richten: Er wird den Erdkreis richten in Gerechtigkeit und die Völker in Geradheit.“ - Ps. 98

Auferstehung auf Erden?

Seltsam ist, wie wenige sich mit der Vorstellung anfreunden können, nach dem Tode auf der E r d e als Mensch wieder auferweckt zu werden. Es muß wohl an religiösen Lehrern liegen, die versäumt haben, den Unterschied zwischen den beiden Errettungen zu beachten. Denn niemand kann leugnen, daß geschrieben steht: „ . . . daß eine Auferstehung sein wird, sowohl der Gerechten als der Ungerechten.“ (Apg. 24 :15) Und daß die einen zum Leben auferstehen, die anderen aber zum Gericht, sind Jesu eigene Worte aus Joh. 5 : 29. Auch erklärt unser Herr unmißverständlich, wer es ist, der n i c h t in das Gericht des letzten Tages kommt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer (jetzt) mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, hat (ein Angeld auf) ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht“ (mit der Welt - siehe 1. Kor. 11:32).

Die beiden Auferstehungen sind grundverschieden voneinander. Die erste Auferstehung führt zum Leben in geistiger Natur, während die Auferstehung zum Gericht eine rein irdische Verheißung ist, die zur Vollkommenheit menschlichen, ewig fortdauernden Lebens auf Erden führen wird, wenn der Auferstandene sich nach den Richtlinien des Gesetzes Gottes aufrichten lassen will. „Wundert euch darüber nicht, denn es kommt eine Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, . . . hervorkommen werden.“

„Das Wort, das ich geredet habe . . .“

Es gibt eine Menge eifriger Prediger, die den Leuten gewissermaßen die Pistole auf die Brust setzen, indem sie sagen: Wir haben euch das Wort Gottes verkündigt; wenn ihr es nicht annehmen wollt, geht ihr in die ewige Verdammnis oder in den zweiten Tod, oder wie sonst sie sich ausdrücken mögen. Sie richten, wie Paulus sagt, „vor der Zeit“. Wie aber können sie richten, wenn die Kirche Christi noch nicht vollendet, wenn Israel noch nicht errettet ist, und wenn die Auferstehung noch nicht begonnen hat? Haben sie Jesu Worte übersehen, die uns sagen: „Der Vater richtet auch niemanden, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohne gegeben.“? Sagt der Herr nicht: „Wer mich verwirft und meine Worte (jetzt) nicht annimmt, hat den, der ihn richtet: DAS WORT, das ich geredet habe, das wird ihn richten an dem letzten Tage.“? Befinden wir uns schon am „letzten Tage“?

Nun - über diese Frage kann man verschiedener Ansicht sein; ganz offensichtlich aber befinden wir uns noch nicht in der Zeitperiode, da das Wort, das unser Herr geredet hat, die Welt richtet - aus dem ganz einfachen Grund, weil die Menschheit heute noch genau so taub und blind sich diesem Wort gegenüber verhält wie vor zweitausend Jahren.

Wir haben im ersten Teil unserer Betrachtung dargelegt, daß die Menschheit zunächst g e h e i l t und nicht noch einmal verurteilt werden soll. Hat nicht unser großer, unser gütiger und gerechter Gott Jhwh geoffenbart, daß er seinen Sohn als L i c h t in die Welt gesandt habe, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht in der Finsternis (geistiger Unkenntnis) bleibe? (s. Joh. 12:46) Verkündet nicht der Prophet: „Ich (Gott) habe dich (Jesus Christus) auch zum Licht der Nationen gesetzt, um MEIN HEIL zu sein bis an die Enden der Erde.“? - Jes. 49:6

Was muß logischerweise die Folge dieser Verheißungen sein?

„Und an jenem Tage*) werden die Tauben die Worte des Buches (Schriftworte des Buches Gottes) hören, und aus Dunkel und Finsternis hervor werden die Augen der Blinden sehen ... Denn der Gewalttätige (Satan) hat ein Ende, und der Spötter verschwindet; und ausgerottet werden alle, die auf Unheil bedacht sind.“ (Jes. 28:18,20) „Und ein Thron wird durch Güte aufgerichtet werden; und auf ihm wird im Zelte Davids einer sitzen (Jesus Christus) in Wahrheit (s. Joh. 14:6), der da richtet und nach Recht trachtet und der Gerechtigkeit kundig ist.“ - Jes. 16:5

*) am ,,Tage“ der Auferstehung und des Gerichts

Denn „Moses hat schon gesagt: Einen Propheten wird euch der HERR, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken gleich mir; auf ihn sollt ihr hören in allem, was irgend er zu euch reden wird. Es wird aber geschehen, jede Seele, die irgend auf jenen Propheten nicht hören wird, soll aus dem Volke ausgerottet werden.“ (Apg. 3:22,23; 5. Mos. 18:15,18,19) Kein anderes Wort wird der Richter der Erde reden als das, welches im Buche Gottes niedergeschrieben ist.

Erwecken diese Worte schreckliche Vorstellungen? Wir sollten meinen: ganz im Gegenteil. Jeder Mensch, der nicht geradezu Böses liebt, wird aufatmen, daß da Einer auf dem Richterstuhl sitzt, der gerecht ist und keinen Fehler machen kann. Einer, der Mensch war, (wenn auch ohne Sünde), der Mitleid zu haben vermag mit den menschlichen Schwachheiten. Und wenn du dich davor fürchtest, daß das Wort, das er geredet hat, zu streng sein könnte, so denke an das Gebot der Nächstenliebe und an das Wort des Propheten Micha 6:8: „ER hat dir kundgetan, o Mensch was gut ist; und was fordert Jhwh (anderes) von dir, als Recht zu üben und Güte zu lieben und demütig zu wandeln mit deinem Gott?“ Ist diese Forderung zu schwer im Hinblick auf die Köstlichkeit, ewiges Leben in Gesundheit, Freude und Frieden erwerben zu dürfen?

Wir glauben nicht. Denn unser Herr ist ja nicht nur ein gerechter Richter, sondern auch ein hilfreicher A u f r i c h t e r, wie geschrieben steht: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen; er wird der Wahrheit gemäß das Recht kundtun. Er wird nicht ermatten noch niedersinken, bis er Recht auf Erden gegründet hat“ - Jes. 42:3,4

,,Ünd die Augen der Sehenden werden nicht mehr verklebt sein die Ohren der Hörenden werden aufmerken, und das Herz der Unbesonnenen wird Erkenntnis erlangen. ... Und die verirrten Geistes sind den Verständnis erlangen, und Murrende werden Lehre annehmen.“ ,,Denn die Erde wird voll sein der Erkenntnis Jhwhs, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken.“ - Jes.32:3,4; 29:24; 11:9; Hab. 2:14

Die Kenntnis und Erkenntnis des göttlichen Willens ist die Voraussetzung für eine jede persönlich-verantwortliche Entscheidung. Nur auf dieser Basis kann sich die Vision des Propheten erfüllen: „Denn wenn deine Gerichte die Erde treffen, so lernen Gerechtigkeit die Bewohner des Erdkreises. Wird dem Gesetzlosen G n a d e erzeigt, so lernt er nicht Gerechtigkeit: im Lande der Geradheit handelt er unrecht und sieht nicht die Majestät Jhwhs.“ (Jes.26:9,10) Denn der Herr wird „das Recht zur Richtschnur machen, und die Gerechtigkeit zum Senkblei.“ - Jes. 28:17

Wunderbar und schier unerschöpflich sind die wiederbelebenden Verheißungen über diesen „letzten Tag“ des Gerichts. Doch nicht zu verhehlen sind auch die absoluten und strengen Richtlinien, nach denen gerichtet wird. Eine Fr e u d e werden sie sein für alle, deren Herzen gutwillig und gütig sind, und deren Wünsche mit dem Gebot der Liebe Gottes in Einklang stehen. Sie werden sich aufrichtig schämen all ihrer Ungerechtigkeiten, die sie einst gedacht und getan haben. „Das wird sich an dem Tage herausstellen, an welchem Gott das in den Herzen der Menschen Verborgene richten wird, und zwar nach der Heilsbotschaft, wie ich sie verkündige, durch Jesus Christus“, schreibt Paulus an die Gläubigen in Rom. - Röm. 2:16


Erschreckend und furchtbar wird allerdings jenes Gericht für die, die auf Arges sinnen und deren Inneres dem Gesetz des Christus widersteht. Vieles ist geschrieben über „ausrotten“, „verderben“ und „verbrennen“ des Gesetzlosen; klar und unmißverständlich ist gesagt, daß ein Gesetzloser kein ewiges Leben erwerben kann. Aber diese Aussagen bedeuten nicht in jedem Falle den ewigen, den „zweiten Tod“, s. Off. 20:15: die endgültige Abschneidung vom Leben. Denn „habe ich irgendwie Gefallen an dem Tode des Gesetzlosen, spricht der Herr Jhwh? Nicht vielmehr daran, daß er von seinen (bösen) Wegen umkehre und lebe? Wenn aber der Gesetzlose umkehrt von allen seinen Sünden, die er getan hat, und alle meine Satzungen und Recht und Gerechtigkeit übt, so soll er gewißlich leben, er soll n i c h t sterben. Aller seiner Übertretungen, die er begangen hat, soll ihm nicht gedacht werden; wegen seiner Gerechtigkeit, die er (dann) geübt hat, soll er leben.“ - Hes.18:23,21,22

Diese Aussage wird von vielen auf das jetzige Leben angewendet, wobei sie ihre Auffassung damit zu unterstützen suchen, daß die Entscheidung auf ewiges Leben oder ewige „Verdammnis“ von einer Umkehr zu Gott in diesem Leben abhänge. Doch sollte Vs. 20 genauer gelesen werden. Hier ist ganz eindeutig von einer Zeit die Rede, da die Erbsünde nicht mehr in Kraft ist, sondern ein jeder Mensch für sich selbst voll verantwortlich sein wird.

Aus allen Zeugnissen der Heiligen Schrift, die jene Zeit der Wiederbringung, der Aufrichtung, der Heilung und des Richtens betreffen, ist zu erkennen, daß jeder einzelne Mensch - ob er nun in das neue Zeitalter hineinlebt, oder ob er aus dem Tode zurückkehrt - seinen Charakter mitbringen wird, den er sich in diesem Leben gebildet hat. Jedes „unnütze“, d.h. böse, schädigende Wort, das hier geredet wird, kommt aus der Gesinnung des Herzens. In dieser häuft sich der Mensch Positives oder Negatives auf. Hören wir, was Jesus dazu zu sagen hat. Wir bringen die Schriftstelle aus Matt. 20:36 in der Wiedergabe von Prof. Albrecht:

„Denn des Mundes Worte fließen aus des Herzens Quell. Ein guter Mensch entnimmt aus seiner guten Vorratskammer Gutes; ein böser Mensch entnimmt aus seiner bösen Vorratskammer Böses. Ich versichere euch aber: von jedem bösen Worte, das die Menschen reden, müssen sie am Tage des Gerichts Rechenschaft geben. Denn nach deinen Worten sollst du freigesprochen und nach deinen Worten sollst du verurteilt werden.“

Wir sind in eine Welt der Ungerechtigkeit und der menschlichen Schwachheiten hineingeboren worden, und viele dieser Schwachbeiten haben wir von unseren Vorfahren ererbt. Böse, ungerechte, verletzende Worte hören wir mehr oder weniger oft. An j e n e m „Tage“ aber werden die Verhältnisse ganz und gar anders sein. Nicht mehr ist Satan der Fürst der Welt; Jesus Christus ist es, der als König eingesetzt ist von Gott, dem Allmächtigen (Ps. 2:6), und sein „Thron“, seine Herrschaft, ist absolul recht. Noch wissen wir nicht, was absolute Gerechtigkeit bedeutet. Darum auch behält sich der Herr dieses Richteramt vor; wir aber haben weder zu verdammen noch zu begnadigen. Wir sollten unseren Nächsten nur lieben wie uns selbst.

Darum wird der „kommende Tag“ für viele ein hartes Abschiednehmen von liebgewonnenen Eigenschaften sein, die dem Herrn nicht wohlgefallen können. Sie müssen „verbrannt“, „ausgerottet“, „vernichtet“ werden. Kein häßlicher Gedanke, kein verletzendes Wort, keine ungerechte Handlung wird letztlich im Königreich Christi Bestand haben. Der Herr zwingt niemanden! Die Freiheit der persönlichen Entscheidung wird nicht angetastet - wie in diesem Leben nicht, so auch nicht im nächsten. „Wer da w i l l, nehme das Wasser des Lebens umsonst“, heißt es in Off. 22:17. Doch - wer Gottes Gesetz nicht annehmen will, wird kein ewiges Leben empfangen. „Es wird aber geschehen, jede Seele, die jenen Propheten nicht hören wird, soll aus dem Volke ausgerottet werden.“ „Dieses ist der zweite Tod.“

„Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten an dem letzten Tage.“

Ausblick

Erfüllen wird sich alsdann auch das Schriftwort aus Hebr. 12:26,27: „Noch einmal werde ich nicht nur die Erde erschüttern, sondern auch den Himmel. Dieses Wort „noch einmal“ deutet an, daß das, was erschüttert wird - und zwar, weil es der vergänglichen Schöpfung angehört - v e r w a n d e l t werden soll, damit für immer bleibe, was nicht erschüttert werden kann.“

„Denn wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich schaffe, vor mir Bestand haben werden, so lautet der Ausspruch des HERRN, so soll auch eure Nachkommenschaft und euer Name Bestand (vor mir) haben.“ „Denn siehe, ich wandle Jerusalem in Frohlocken um, und sein Volk in Freude,. .. und die Stimme des Weinens und die Stimme des Wehklagens wird nicht mehr (darin) gehört werden.“ - Jes.66:22; 65:18,18

„Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, die Hütte (Wohnung) Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Throne saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu... Ich will dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens gehen umsonst. Wer überwindet (das Widergöttliche in sich selbst mit Hilfe des Christus), wird dieses ererben, und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein.“ - Off. 21:3-7a

Der Mensch ist wieder versöhnt mit seinem Schöpfer; die zerstörte Gottesebenbildlichkeit ist wiederhergestellt. Das ist das Ende des Gerichts. Auch der irdische Mensch ist nun wieder ein Kind Gottes geworden und wird über die Erde herrschen in die Zeitalter der Zeitalter hinein, wie es Gottes Wille von Anfang gewesen ist. „Und keinerlei Fluch wird mehr sein.“ - Off.22:3, s. a. Off. 22:5; 1.Mos.1:28

Wie unergründlich tief ist Gottes
Gnadenfülle, Weisheit und Erkenntnis!
Wie unausforschlich sind seine Gerichte,
wie unbegreiflich seine Wege! Denn:
Wer hat des HERRN Sinn verstanden?
Und wer hat ihn beraten?
Wer hätte Ihm etwas geschenkt,
was ihm vergolten werden müßte?
Von Ihm, durch Ihn, für Ihn sind alle Dinge.
Ihm sei Lobpreis in Ewigkeit! Amen.

Röm.11:33-36 Übersetzung nach Albrecht