Doch allmählich änderte sich dies. Die Wachtturm-, Bibel- und Traktatgesellschaft fing an, sich über die damals unabhängigen Versammlungen, als oberste Institution zu stellen. Viele Versammlungen lehnten es jedoch ab ihre christliche Freiheit an die neue Wachturmgesellschaft abzugeben und von da an begann die Zeit der Trennung.
Nach Deutschland kam die Bewegung vor etwa 100 Jahren. Während die Bewegung in den USA schon bald nach dem Tod von Pastor Russell sich mit etlichen Spaltungen konfrontiert sah, blieb die Bewegung in Deutschland bis in die 20er Jahre relativ homogen.
Im Jahre 1925 wurden in den Versammlungen Bedenken laut, die sich gegen die Anweisungen und Grundsätze der zentralen Leitung der Wachtturm-Gesellschaft unter ihrem neuen Präsidenten Rutherford richteten. Unterschiedliche Standpunkte und Lehrauffassungen der WT-Gesellschaft, die mit der Bibel nicht in Einklang zu bringen waren, und das autoritäre, diktatorische Auftreten Rutherfords führten deshalb 1931 zur Trennung.
Die ausgeschiedenen Mitglieder der IBV schlossen sich daraufhin zu einer Vereinigung zusammen, die sich als "Freie Bibelforscher-Vereinigung" bezeichnete. So entstanden in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts eigenständige Bibelstudiengruppen und Gemeinden. Wegweisend dabei war die Freie Bibelgemeinde in Kirchlengern bei Herford.
Nach den Wirren der Kriegszeit etablierten sich im deutschsprachigen Raum drei Gruppierungen der Bibelforscherbewegung.
Die erstere und bekannteste sind die "Zeugen Jehovas", dann die sogenannten "Ernsten Bibelforscher", die an den ursprünglichen Lehren Russell´s festhalten, und drittens schließlich die "Freien Bibelforscher" mit Gemeinden in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Zeugen
Jehovas
Diese
exklusive Gruppierung der Bibelforscherbewegung hat viele Kennzeichen einer
totalitären Gemeinschaft bekommen: eine diktatorische Führerschaft; Lehrgehorsamkeit
zur Wachtturmauslegung; eigene Meinungen oder Bibelverständnisse einzelner
Zeugen sind tabu. Die Leitung der WT-Gesellschaft behauptet, der einzig wahre
Kanal, und das Sprachrohr Gottes zu sein. Zurückgezogenheit gegenüber
Andersgläubigen; es ist für viele schwer sich von der Gruppe wieder
zu lösen usw. Das ist alles typisch für eine Sekte! Aber
es gibt keine andere Gruppe, die so stolz darauf ist, keine Sekte zu sein.
Ernste
Bibelforscher
Diese Glaubensgemeinschaft betrachtet sich als Bewahrer der Lehren von Charles Taze Russell und hält an seiner Bibelauslegung und seiner Chronologie fest und gibt auch heute noch seine Schriften heraus. Die Ernsten Bibelforscher, üben in Amerika einen gewissen Einfluß aus. Im deutschsprachigen Raum ist diese Gemeinschaft gegenwärtig zahlenmäßig etwas kleiner geworden.
Freie
Bibelforscher
Wir, die Gemeinschaft der Freien Bibelforscher, verstehen uns als bibeltreue urchristliche Gemeinde, darum haben wir die Lehren der WT-Gesellschft einer strengen Prüfung unterzogen und vieles reformiert. Chronologische Berechnungen haben wir gänzlich verworfen. Im Wesentlichen geht es uns als Bibelforscher darum, die Tiefen der kostbaren biblischen Wahrheiten zu erkennen, das große Geheimnis, Christus und die Gemeinde zu erfassen (Eph. 5:32), den Wert der himmlischen Berufung zu begreifen (Hebr. 3:1; Phil. 3:14) und letztlich in der Heiligung, die Berufung und Erwählung festzumachen (1. Thess. 4:3; 2. Pet. 1:10). Weiter sollen den Menschen in der Verkündigung des Evangeliums, das Wesen und der Wille Gottes und die Hoheit Jesu Christi vor Augen geführt werden mit dem Ziel: "Laßt euch versöhnen mit Gott!" Dabei haben wir keine Schwierigkeiten, uns Gläubigen aus anderen Gemeinschaften zu öffnen. Allerdings stimmen wir den ökumenischen Bestrebungen, die in unserer Zeit in vollem Gang ist, nicht zu.