Der Urheber

und Ursprung aller Dinge




WER IST GOTT? Wie soll man Ihn nennen? Untersuchen wir nun im Folgenden, wer dieses einzig-artige Wesen ist, das am Ursprung aller Dinge steht. Wir werden in der heiligen Schrift Bilder suchen, die so aussagekräftig wie nur möglich sind, um dieses Thema zu veranschaulichen.

Freilich: woher Gott kommt und wie er beschaffen ist, das können wir nicht sagen. Auch die Bibel gibt uns darüber keine Auskunft. Doch fühlen wir uns darum nicht beunruhigt. Es gibt Grenzen für unser Forschungsbedürfnis, die wir einfach nicht zu überschreiten vermögen. Je eher wir das einsehen, um so besser für uns. Wir glauben, daß Gott von jeher existiert, daß er weder Anfang noch Ende hat, und es genügt uns, ihn in seinen Werken zu erkennen, in den geistigen wie in den materiellen. Im übrigen macht die Bibel deutlich, daß es Gott nicht so gibt, wie es die Menschen und die Dinge gibt. Ihr Grundzeugnis lautet: „Gott ist“. Und sie bezeugt weiter: „Es gibt keinen Gott außer ihm.“ -Jes. 45:21,22

„Wer Gott naht, muß glauben, daß er ist, und denen, die ihn suchen, ein Belohner ist.“ (Heb. 11:6) Es gibt nur einen Gott, und dieses Sein bezeugt die heilige Schrift, indem sie von der Hinwendung Gottes zu uns Menschen spricht, von seinem Handeln und Reden, das er Menschen zukommen läßt. Einen Beweis für Gottes Sein braucht sie nicht. Gott will nicht unsere Logik befriedigen, sondern setzt durch Offenbarung in Wort und Tat ein Verhältnis zu uns Menschen. Damit stiftet er eine Beziehung, und auf diese kommt es an.

Noch ein weiteres ist zu beachten. wenn von Gott als Person gesprochen wird, von seinem Willen, seinem Reden, seinem Handeln, seiner Macht, so ist nicht zu vermeiden, daß menschliche Vorstellungen assoziiert werden. Man denkt sich Gott in Menschengestalt, etwa wie ihn Michaelangelo auf den Deckengemälden der Sixtinischen Kapelle im Vatikan dargestellt hat. Doch muß betont werden, daß keine solche Vor-stellung der Wirklichkeit Gottes entspricht. Jede ge-staltmäßige Darstellung Gottes macht seine Allmacht unmöglich und widerspricht auch der Aussage Jesu: „Gott ist Geist.“ (Joh. 4:24) Wir dürfen von ihm nur deshalb in antropomorpher Weise reden, weil die Bibel es tut und uns dadurch Gott nach seinem Willen vertraut werden lassen will.

Der Schöpfer

Die Frage, wo wir uns Gott denken dürfen, wird in der Bibel auf mehrfache Art beantwortet, wobei jedoch auch hier das Geheimnis bewahrt bleibt. Sie macht als erstes deutlich, daß Gott da war, bevor er die Welt erschuf. „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.“ (1. Mos.1:1) Gott war da, bevor er die Schöpfung nach seinem Plan vollbrachte - als der Allmächtige, der allein etwas aus dem Nichts zu erschaffen vermag. (Ps. 90:2)

Durch die Worte „Im Anfang“, läßt die Heilige Schrift die Frage offen, wann dies geschah. Ihre Erklärung ist daher unanfechtbar, ganz gleich, welches Alter Wissenschaftler für das Universum annehmen mögen. Die Erschaffung der materiellen Himmel und der Erde mag Milliarden Jahre zurück- liegen, doch die Tatsache bleibt bestehen, daß das Sichtbare einen Anfang hatte.

Trägt man alles zusammen, was uns die Bibel in dieser Beziehung sagt, so ergibt sich folgende Sicht: Außer der sichtbaren Welt (Makro- u. Mikrokosmos), daß einen Anfang hatte, gibt es eine unsichtbare Welt, das mit Gott ewiglich existiert, zu dem wir Menschen keinen Zugang haben, von der wir aber wissen dürfen und an die wir uns im Glauben halten sollen. Der Apostel Paulus schreibt in 2. Kor. 4:18: „Indem wir nicht das anschauen, was man sieht, sondern das, was man nicht sieht; denn das, was man sieht, ist zeitlich, das aber, was man nicht sieht, ewig.“

Gottes Wohnstätte - der unsichtbare Himmel


Der Stoff aus dem das Unsichtbare besteht ist uns Menschen unvorstellbar. Dies Unsichtbare ist die dem Menschen nicht sichtbare Wirklichkeit, in der Gott lebt; sie ist - wie Gott - ungeschaffen und ewig. Daß wir auf etwas Unsichtbares sehen sollen, ist biblisches Paradoxon. Es läßt uns erkennen, daß menschliche Sprache Gottes Geheimnisse nicht immer veranschaulichen kann. Doch hilft uns hier wiederum die Bibel mit ihrer Bildersymbolik weiter, um in etwa eine Vorstellung zu bekommen. Sie spricht von einem „unzugänglichen Licht“ das ER „bewohnt, den keiner der Menschen gesehen hat noch sehen kann.“ -1. Tim. 6:16; 2. Mos. 33:20

Die heilige Schrift zeigt uns deutlich, daß sich im Unsichtbaren das Reich des Lichts, der Himmel, befindet, in dem mit Gott auch Jesus Christus, der Auferstandene, und die Myriarden von Engeln als die guten Geister sind. Im Unsichtbaren ist auch das Reich der Finsternis mit Satan dem Teufel und den Dämonen als den bösen Geistwesen. -Ps. 115:3; Luk. 24:51; Matth. 18:10; Hiob 1:6

Meist wird die sogenannte Sockwerksvor- stellung - Himmel, Erde und Hölle übereinander liegend - als Weltbild der Bibel bezeichnet. Das ist aber nicht richtig. Der Allmächtige, der die Welt geschaffen hat, weiß, wie die Welt aussieht, und gibt uns in seiner Offenbarung keine Sicht, die von der Wissenschaft widerlegt werden konnte. Sein Wort ist wahr. Es ist weder ein Übereinander noch ein Umeinander, wie Menschen sich das oft in Weltbildern vorgestellt haben. Die Weltsicht der biblischen Offenbarung für das Ganze der Wirklichkeit, auf die wir Menschen bezogen sind, ist vielmehr ein I n e i n a n d e r der beiden Wirklichkeiten. Die unsichtbare Welt durchdringt die sichtbare überall. (1. Kön. 8:27; Ps 139:7,8) Auch die Berichte von der Erscheinung der Engel (1. Mo. 18:2; Jos. 5:13) und des Auferstandenen (Joh. 20:19,26) vermitteln den Eindruck, daß der Himmel Gottes unmittelbar in unsere Wirklichkeit hineinreicht. Das ist anschaulich nicht mehr zu vollziehen. Beide Wirklichkeiten lassen sich unterscheiden, aber n i c h t scheiden. Sie liegen ungetrennt und unvermischt ineinander. Ungetrennt bedeutet: völlig miteinander verwoben: Unvermischt besagt: völlig voneinander geschieden. Nur so ist das wirkliche Weltbild der Bibel zu beschreiben.

Man erhält diese Sicht bereits zu Beginn der Bibel als etwas Selbstverständliches, wenn man bedenkt, daß Gott in das immer vorhandene (ewige) Unsichtbare hinein durch die Schöpfung das Sichtbare, das Weltall, setzt. Denn das Geschaffene hat zweifellos nicht die Fähigkeit, das ewige Unsichtbare zu verdrängen. Es wird vielmehr vom Unsichtbaren, das unendlich weit über das endlich ausgedehnte Sichtbare hinausreicht, durchdrungen. Das ist die Sicht, die in verborgener Weise der Offenbarung Gottes innewohnt und die die Bibel immer wieder bezeugt.

Von dieser, seiner alles überragenden Stellung aus schaut Gott gewissermaßen auf den pyhisischen Himmel und auf die Erde herab. „Von der Stätte seiner Wohnung schaut er auf alle Bewohner der Erde“ (Ps. 33:14; 103:19-21; Jes. 63:15), erklären uns die Psalmen und, „er sieht a l l e Menschenkinder.“ -Ps.33:13

Sein Name


Dem regelmäßigen Leser der Heiligen Schrift fällt sicher irgendeinmal auf, daß in biblischer Zeit der Namengebung weit mehr Bedeutung zukam, als dies heute der Fall ist. Die meisten von uns tragen einen Namen, der ganz zufällig ihren Eltern am besten gefallen hat, ohne daß sie sich um dessen Bedeutung gekümmert hätten. Weit bedeutungsvoller aber war in früheren Zeiten der I n h a l t des Namens, in dem die Eltern ihre Gemütsbewegung ausdrückten oder Erwartungen und Hoffnungen, die sie in das Kind setzten, zum Ausdruck brachten. Ein Beispiel sei kurz herausgegriffen.

Eva gab ihrem dritten Sohn den Namen „Seth“, was „Ersatz“ bedeutet. „Denn Gott hat mir einen anderen Samen gesetzt anstelle Abels, weil Kain ihn erschlagen hat.“ - 1. Mos. 4:25

Häufig begegnen wir auch Namen, die in einer Beziehung zu Gott (hebr.: el, eloah, elohim) stehen, wie etwa „Elisa“, was bedeutet: „Mein Gott ist Heil“; oder „Samuel“ das heißt „Von Gott erhört“. Aus diesen Beispielen, die ja beliebig vermehrt werden könnten, ersehen wir übrigens deutlich die Eigenart der hebräischen Sprache, die wohl in einem Maße wie keine andere Möglichkeiten zu Wortzusammen- setzungen bietet, die etwas ausdrücken, wofür wir in unserer Sprache ganze Sätze benötigen.

Ohne Zweifel kommt jenen Namen besondere Bedeutung zu, die Gott einem Menschen zugedacht hatte - sei es durch Bestimmung bei oder vor der Geburt, wie z. B. bei „Ismael“ (1. Mos. 16:11), was verdeutscht heißt: „Gott hört“. Eine prophetische Bedeutung wohnt neben der Namensgebung auch der durch Gott angebotenen Namensänderung inne. „Abram“ wurde zu „Abraham“; „Sarai“ zu „Sara“; „Jakob“ zu „Israel“. Abraham z. B. bedeutet: „Zum Vater einer Menge sollst du werden.“ Der Name Israel (Gotteskämpfer) wird für Jakob, den „Fersenhalter“, sogar zu einer ganz offensichtlichen Anerkennung von seiten Gottes.

Es scheint hier wichtig zu sein, darauf hinzuweisen, daß hier der Name und dessen Träger zu einer unlösbaren Verbindung verschmelzen. Der Name einer Person wird zu einem B e g r i f f d e s W e s e n s oder Charakters mit allen seinen Größen und Schwächen, mit allen seinen positiven und negativen Eigenschaften.

So müssen wir wohl dem Umstand, daß Gott, der Schöpfer des Universums, sich selbst einen Namen zugelegt hat, größte Bedeutung beimessen.

Als Gott sich Mose zu erkennen gab, wie stellte er sich vor? Wir lesen in 2. Mos. 3:13- 15: „Und Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Kindern Israel komme und zu ihnen spreche: der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie zu mir sagen werden: Wie ist sein Name? Was soll ich ihnen sagen?“

„Da sprach Gott zu Mose: So sollst du zu den Kindern Israel sagen: Ich werde dasein, als der ich dasein werde. Und er sprach: Also sollst du zu den Kindern Israel sagen. Ich werde da sein hat mich zu euch gesandt. Und Gott sprach weiter zu Mose: So sollst du zu den Kindern Israels sagen: Jhwh, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name in Ewigkeit und das ist mein Gedenken von Geschlecht zu Geschlecht.“

Es ist bekannt, daß die hebräische Schrift keine Vokale (Selbstlaute a, e, i, o u) hat. Geschrieben werden nur die Konsonanten, indessen der Leser die Vokale einfügt. Die Sprache selbst steht in keiner Beziehung zu den europäischen Sprachen. Ursprünglich den Lauten der Natur nachempfunden, ist sie zudem eine Sprache der Intuition, des Einfühlungsvermögens, der tiefen Sinngebung und des guten Gehörs. Keine Sprache des starren Buchstabens also, wenn man dies recht verstehen will.

In 2. Mos. 3:15 begegnen wir nun den vier stummen Buchstaben Jhwh , in denen sich der Name Gottes verbirgt, mit dem ER sich Mose und Israel offenbarte und sich schließlich der ganzen Welt offenbaren wird. (Jer. 16:21, Hes. 39:7, Sach. 14:9) Diese vier Buchstaben geben aus der Hand Gottes Seinen Namen - Jhwh - dem Volk Israel und allen Völkerschaften bekannt. Sie werden das Tetragramm (od. Tetragrammaton) genannt und sind seit mehr als 3500 Jahre bis zum heutigen Tage im hebräischen Teil der Bibel unverändert geblieben.

Aussprache des Namens Gottes


Im Gegensatz zu der unantastbaren Schreibweise des Tetragramms, ist die Aussprache desselben nicht mehr eindeutig zu bestimmen. In dem folgenden Abschnitt wird auf die Ursache dieses Mangels eingegangen. Auch die im 6.-7. Jahrhundert n. Chr. den Konsonanten der hebräischen Bibel mittels Zeichen, über, zwischen oder unter den Konsonanten beigefügten Vokale konnten diesen Mangel nicht beseitigen. Doch sei dankbar festgestellt, daß durch diese weise Art der Zufügung von Vokalen die Grundform des Tetragramms JHWH unangetastet blieb.

Die uneinheitliche Aussprache von JHWH spiegelt auch die Ausgabe der hebräischen Bibel von R. Kittel (Biblia Hebräica) wieder. Beim mehrfachen Durchblättern fanden sich in der Biblia Hebräica für den Namen Gottes folgende Lesearten: Vorwiegend „JeHWaH“, recht oft in Verbindung mit Adonai (hebr.: Herr), die Lesart „JeHoWiH“, aber auch öfter, besonders in den Psalmen, die Lesart: „JeHoWaH“. Nach Auffassung der meisten Gelehrten soll der Name Gottes mit „JaHWeH“ ausgesprochen werden. Man hat sich heute im allgemeinen zur Wahl auf zwei Lesarten beschränkt. „Jehovah“ und „Jahwe“. Wir möchten hier die Lesart „Jehovah“ aus bestimmten Gründen auf die wir später noch genauer eingehen werden, den Vorzug geben. Im Übrigen überlassen wir es dem Leser welche Leseart er bevorzugen will.

Manch einer könnte jetzt geneigt sein zu glauben: „Wenn die Aussprache des Gottesnamens nicht sicher ist, dann will ich ihn doch lieber „Gott“ nennen.“ Doch nirgends in der heiligen Schrift liest man eine Aussage des allmächtigen Gottes, daß Sein Name „Gott“ sei. Begriffe wie „Gott“, „Herr“, „Schöpfer“, „Allmächtiger“ usw. sind nichts weiter als verschiedene Titel die IHN begreiflich machen. Doch „Jhwh“ ist der Eigenname des großen Gottes, den ER sich für alle Ewigkeiten selbst gegeben hat. Im Vergleich zu den Titeln Gottes erscheint der heilige Name Jhwh bei weitem am meisten in der Bibel, und zwar etwa 6900 mal im Alten Testament einschließlich der Kurzform Jah, die etwa 50 mal zu finden ist; z. B. in Ps. 89:8 „Jhwh, Gott der Heerscharen, wer ist mächtig wie du, o Jah?“. Wenn der göttliche Name so oft in der Heiligen Schrift vorkommt und erwähnt wird, sollten wir ihn dann nicht auch kennen und ihn in ehrfurchtsvoller Weise gebrauchen dürfen?

Hätte der allweise Gott es nicht verhindern können, daß sich Gelehrte seit Jahrhunderten mit der Frage der Aussprache des Namens Gottes beschäftigten? Gewiß hätte Gott es tun können! Im Folgenden aber wird deutlich, wie auch Menschen am Werk waren, ja wie selbst religiöse Gefühle ob der Heiligkeit des hochheiligen Namens Gottes Jhwh mit in die Waagschale geworfen wurden.

In biblischer Zeit war den Knechten Gottes und dem Volk Israel die Aussprache des Namens Gottes von Anbeginn wohl bekannt. Sie vernahmen ja den Namen selbst aus dem Munde Gottes (1. Mos. 15:7; 28:13). Auch Mose hörte, wie Gott Seinen Namen aussprach. Mehr als tausendmal sprach Gott vor den Ohren der Propheten: „So spricht Jhwh“, damit sie sich mit diesem Ausspuch an das Volk wandten, um demselben dann den Willen Gottes kund zu tun. Damit war die Aussprache in den Jahrhunderten nicht nur mündlich überliefert, sondern stets wieder aus dem Munde Gottes bestätigt, so daß die Aussprache des Namens Gottes - Jhwh - ein fest verankertes Gut des Volkes Israel wurde.

An dieser dem ganzen Volk so vertrauten Aussprache des Namens Gottes Jhwh änderte sich nichts, bis nach der Teilung des Reiches das Volk Juda in die babylonische Gefangenschaft kam. Von dem Heimweh des Volkes dortselbst, von seiner Unterdrückung und der Aufforderung der Unterdrücker, ihnen ein Lied von Zion zu singen, aber auch von der standhaften Weigerung, dort ein Lied Jhwh´s zu singen, berichtet eindrucksvoll Psalm 137. Wie sollten fremde unbeschnittene Hörer auch den heiligen Namen Gottes aus dem Munde des Volkes Gottes hören dürfen? So kam es nach Meinung von Geschichtsforschern dazu, daß Priester und Volk den Namen Jhwh weder beim Lesen der Schriftrollen noch beim Anruf Gottes mehr aussprachen. Desweiteren kam noch, daß in überängstlicher Befolgung des dritten Gebotes (2. Mos. 20:7) die Konsonanten zwar geschrieben wurden, aber der Name nicht mehr ausgesprochen werden durfte. Sie ersetzten nun die Aussprache von „Jhwh“ durch „Adonai“ (hebr.: Herr). Dieser Brauch wurde dann durch die Schriftgelehrten zum Gesetz erhoben, das bis zum heutigen Tag bei den Juden ihre Gültigkeit hat. Bis zur Zeit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem sprach allein noch der Hohepriester dort einmal im Jahr den heiligen Namen Gottes aus. Dann aber hörte auch dieses auf. So war es unvermeidlich, daß die Aussprache des Namens im Wandel der Zeit verblasste und unsicher wurde.

Seine Bedeutung


Wenn nun schon im allgemeinen die hebräischen Namen in der Bibel so bedeutungsreich sind, wieviel mehr wird dann erst die Bedeutung des Namens Jhwh aufleuchten, den der allmächtige Schöpfer sich selbst gab.

In der Aussprache - Jehovah - selbst sind nun drei Zeitformen des hebräischen Verbes „sein“ zu finden:

JE = erste Silbe von Jehi = ER WIRD SEIN
HOV = erste Silbe von hoveh = ER IST
AH = letzte Silbe von hajah = ER WAR

So läßt sich die Bedeutung des Namens Gottes schon erahnen. Die hebräische Übersetzung des Wortes Jhwh ist: „DER EWIG DA SEIENDE“. Diese Wiedergabe gibt dem in 2. Mos. 3:14,15, geoffenbarten Namen Gottes die Tiefe des Inhaltlichen, die Ahnung des lebendigen, des stets da seienden, doch in keine menschliche Begriffsform einzäunbaren Gottes.

Gottes Aussprüche bleiben nie an der Oberfläche, vielmehr führen sie in die Tiefen seines für Menschen nicht erfaßbaren Wesens. Wie könnte bei all den Versuchen, in die Tiefe der Bedeutung des Namens Jhwh einzudringen, es anders geschehen, als nur in Beugung und im Bewußtsein menschlicher Unzulänglichkeit. In Jes. 55:9 sagt es Jhwh auch für unsere Ohren: „Denn wie der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“

Es sei hier darauf noch hingewiesen, daß in der Lesart - Jahwe - ebenfalls Teile der Zeitformen des hebräischen Verbes „sein“ zu finden sind, und zwar: ER WAR und ER IST. Es fehlt aber die Zeitform der Zukunft, wie sie in „Jehovah“ und in Jes. 41:4, 44:6, 48:12 zu finden ist.

Aber wie schon weiter oben angeführt, überlassen wir es dem Leser wie er das Tetragramm aussprechen möchte.

„Du sollst dir kein Bildnis machen“


Es liegt im Wesen des unsichtbaren Gottes, daß der Mensch Ihm nur auf gedanklichen Wege nahen kann. Und hier liegt die Ursache dafür, daß der unsichtbare Gott dem natürlichen Wesen des Menschen von jeher ferner gestanden hat als die sichtbaren „Götter“, die Mächtigen dieser Erde, alle Arten von Machtrepräsentanten (Könige, Fürsten, Diktatoren, Staat usw.). Hier liegt auch die Ursache, warum der Mensch sichtbare Bilder als Gegenstände der Anbetung forderte: Götzen aus Holz, Stein und Metall in Tier und Menschengestalt, denen er die über- menschlichen Kräfte zuschrieb, die ihm im Leben als meist feindliche zuweilen freundliche Einflüsse und Schicksalswendungen begegneten.

Hinter allem Götzendienst aber stehen dürftige Gottesvorstellungen, denen keine Wahrheit innewohnt. Über die Vorstellung eines mächtigen Menschen kommt man kaum hinaus. Gott wird ins Menschliche herabgezogen, wenn es weit geht. Nun ist Gott aber keine Erfindung des Menschengeistes - Gott ist eine Erfahrung. Die Kenntnis des wahren Gottes Jhwh, des Schöpfers Himmels und der Erde, ist lange v o r den Zeiten der Nation Israel vorhanden gewesen. Diese Kenntnis ist so alt wie die Menschheit selbst.

Durch das Gesetz der zehn Gebote und das damit verbundene feierliche Bündnis mit Gott, schob einer Entartung der wahren Gotteserkenntnis den Riegel vor. Denn das erste Gebot lautete: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“ und ein anderes: „Du sollst dir kein geschnitztes Bild machen, irgendein Gleichnis dessen, was oben im Himmel und was unten auf der Erde und was in den Wassern unter der Erde ist. Du sollst dich nicht vor ihnen niederbeugen und ihnen nicht dienen; denn ich, Jhwh, dein Gott, bin ein eifender Gott, der die Ungerechtigkeit der Väter heimsucht an den Kindern, ja am dritten und vierten Gliede derer, die mich hassen; und der Güte erweist auf Tausende hin an denen, die mich lieben und meine Gebote beobachten.“ -5. Mos. 5:7-10

Wenn auch diese Barriere des Gesetzes oft durch-brochen worden ist, so hat Gott doch immer Getreue gehabt, die sich dem völligen Abgleiten in Götzendienst tapfer widersetzt und den Untergang der Wahrheit auf Erden mit Gottes Hilfe aufgehalten haben.

Geistige Symbole des unsichtbaren Gottes haben aber die Israeliten schon immer gehabt, und solche waren ja auch gar nicht verboten. Das Gefährliche liegt in dem vermaterialisierten Gottesbegriff. Der Prophet Jesaja gibt uns eine bildhafte Vision Gottes und Seines Thrones in Jesaja 6:1-7: „Ich sah den Jhwh sitzen auf hohem und erhabenem Throne, und seine Schleppen erfüllten den Tempel. Seraphim standen über ihm; ein jeder von ihnen hatte sechs Flügel: mit zweien bedeckte er sein angesicht, mit zweien bedeckte er seine Füße und mit zweien flog er. Und einer rief dem anderen zu und sprach: „Heilig, heilig, heilig ist Jhwh der Heerscharen, die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit! Und es erbebten die Grundfesten der Schwellen von der Stimme der Rufenden und das Haus wurde mit Rauch erfüllt.“

In viel breiterer Ausführung kehrt dieses Bild des göttlichen Thrones wieder beim Propheten Hesekiel. Wir erblicken hier den mit Rädern versehenen Thron Gottes. Die vier Räder laufen kreuzweise nach den vier Himmelsrichtungen, so daß sich der Thron ohne Achsdrehung nach vorn und rückwärts und nach beiden Seiten bewegen kann, aber auch in die Höhe und wieder in die Tiefe. -Hes. 1:4-28

Bei oder über diesen Rädern schweben vier Engel, die als „lebendige Wesen“ bezeichnet werden. Sie sehen im ganzen wie Menschen aus, doch haben sie Rinderfüße und vier Gesichter. Wenn man den Thron von vorne betrachtete, so sah man bei jedem lebendigen Wesen ein Menschenangesicht, von der rechten Seite her erblickte man bei allen ein Löwenangesicht, von der Linken her bei jedem einen Stierkopf, von hinten her bei jedem einen Adlerkopf. Nach jeder Himmelsrichtung hin blickt dasselbe Angesicht. Darum wird auch in der Offenbarung nichts davon gesagt, daß jedes lebendige Wesen vier Angesichter habe, weil von einunddemselben Standpunkte aus bei allen vier dasselbe Angesicht gesehen wird, und nur bei Wechsel des Standpunktes vier verschiedene Angesichter erblickt werden.

Die vier lebendigen Wesen haben je vier Flügel; mit je zwei bedecken sie den Leib, wie mit einem Gewand, mit den beiden anderen schweben sie über einem der vier Räder. Ihr Geist ist in den Rädern, d.h. daß die Räder sich immer in der Richtung bewegen, nach der das Vorderantlitz des Engels blickt. Es bewegt sich immer stracks geradeaus. Aber auch aufwärts und abwärts, wie der Cherub es will. Die Spitzen der ausgespannten Flügel berühren sich mit den Spitzen der beiden benachbarten Engel, so daß die acht Flügel ein Quadrat umschließen. Über diesem Viereck befindet sich eine durchsichtige Ebene, auf der der Thron Gottes steht.

Der Allmächtige ist in dieser Vision ein strahlendes Wesen von menschlicher Gestalt. Die von Gott ausgehenden Starhlen bilden einen prächtig leuchtenden Regenbogen. (Vs. 26-28) Die Felgen der Räder sind überall mit Augen besetzt. Nach dem Bild der Offenbarung befinden sich diese Augen an den Sechs Flügeln der lebendigen Wesen. (Off. 4:6) Unaufhörlich rufen die vier Cherube (so werden sie in Hes. 10:20 genannt): „Heilig, heilig, heilig, HERR Gott, Allmächtiger, der da war und der da ist und der da kommt“ (Off. 4:8), wodurch sie offenbar mit den Seraphim des Bildes von Jesaja Kap. 6 identifiziert werden.

Wir sehen also, daß sich die Propheten doch Bilder von Gott machten, aber eben rein geistige Bilder, die der Erhabenheit des Allmächtigen niemals Abbruch tun können, sondern die höchste geistige und seelische Erhebung des anbetenden Menschen voraussetzen, um überhaupt vorgestellt werden zu können. Nicht ohne die Hilfe des heiligen Geistes Gottes vermag der Sterbliche sich zu solcher Schau zu erheben oder gar die tiefe Symbolik der einzelnen Züge zu verstehen. Die Einzigkeit Gottes, Geistigkeit und Unsichtbarkeit werden b e t o n t durch solche Vergägenwärtigung des Allerhöchsten. Wie eine geheimnisvolle Bilderschrift ältester Zeit muten uns diese prophetischen Visionen an. Sie vertiefen unsere Ehrfurcht vor dem Allmächtigen, statt sie zu banalisieren, wie es Götzenbilder tun. Andererseits überzeugen sie uns mehr als bloße Worte und Namen von der W i r k l i c h k e i t Gottes.

Auch der Prophet Daniel gibt uns ein Bild von der himmlischen Wirklichkeit, indem er uns eine himmlische Gerichtsszene beschreibt: Auf dem himmlischen Thron erblicken wir einen „Alten an Tagen“. „Sein Gewand war weiß wie Schnee, und das Haar seines Hauptes wie reine Wolle; sein Thron Feuerflammen, dessen Räder wie loderndes Feuer. Ein Strom von Feuer floß und ging von ihm aus.“ -Dan. 7:9,10

Gottes Eigenschaften


Nach all diesem ist Gott eine Person. Er gleicht dem Menschen, der ja nach Gottes Bild erschaffen worden ist. Sein Wesen ist Energie, Kraft, Licht, verzehrendes Feuer, rasende Bewegung, in ständiger Wirkung begriffen, wie durch die von dem Throne ausgehenden Blitze veranschaulicht wird. Seine Geistnatur wird durch strahlende Edelsteine und glühendes Metall gezeigt, Seine autoritative, machtvolle Stimme durch das Rauschen tosender Wassermengen oder durch rollenden Donner vergegenwärtigt. Seine Allwissenheit beweisen die zahlreichen Augen an den Rädern des Thrones und an den Flügeln der „lebendigen Wesen“. Seine Allgegenwart wird durch die nach allen Richtungen hin und nach oben und unten beweglichen Räder des Thrones verständlich gemacht.

Dicht um den Thron herum stehen die vier „lebendigen Wesen“. Sie hören Tag und Nacht nicht auf, den Ewiglebenden, „der da war, der da ist und der da sein wird“ (oder „kommt“), zu preisen. Wer sind sie? Sie sind Gottes Eigenschaften oder Tugenden: Die Liebe (das Menschengesicht), die Allmacht (der Stierkopf), die Gerechtigkeit (der Löwenkopf) und die Allweisheit Gottes (der Adlerkopf). Jhwh Gott wird unablässig verherrlicht durch seine Tugenden.

Diese Eigenschaften Gottes werden als lebendige Wesen dargestellt, weil es sich eben nicht nur um Möglichkeiten der göttlichen Natur handelt, sondern um ständige Äußerungen des göttlichen Wesens. Nicht einige der Handlungen Gottes sind gerecht, sondern a l l e Seine Handlungen und ungerecht ist gar keine; nicht zuweilen ist Gottes Handeln weise, sondern i m m e r ist es weise; a l l e m Tun Gottes liegt Liebe zu Grunde, und allezeit ist Er machtvoll und richtet Sein Wort aus, wozu es gesandt ist. -Jes. 55:11

Und immer wirken die Eigenschaften Gotes in voller Harmonie miteinander in allem Seinem Wollen und Tun. Was ist Gerechtigkeit, wenn sie nicht mit Liebe gepaart ist? Was nützt Macht, wenn sie nicht mit Weisheit verwaltet wird? Was hilft Gerechtigkeit, wenn keine Macht dahinter steht?

Die Bibel erwähnt noch viele weitere Merkmale seiner Persönlichkeit. Aber Gottes Haupteigenschaften bleiben, Liebe (1. Joh. 4:8), Weisheit (Spr. 2:6; Röm. 11:33), Gerechtigkeit (5. Mos. 32:4; Röm. 1:17) und Macht (Hiob 37:33; Off. 19:1). Und wenn sein Wort von seiner Wohnstätte, seinem Thron im Himmel spricht (1. Kön. 8:49; Joh. 16:28; Hebr. 9:24, Jes. 66:1), so ist seine Macht und sein wissen so allumfassend, daß sie in jedes Teil des Universums dringen. „Alles ist bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben.“ (Hebr. 4:13) Und: Er ist der Eine, der von Anbeginn an das Ende kennt. (Jes. 46:1; siehe auch 1. Sam. 2:3)

Mögen wir beständig auf unseren Gott hinschauen, der ein Gott der Güte ist, wie einst Moses es tat, der ausrief:: „Jhwh, Jhwh, Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und groß an Güte und Wahrheit, der Güte bewahrt auf Tausende hin, der Ungerechtigkeit, Übertretung und Sünde vergibt.“ -2. Mos. 34:6,7

Die Mehrheit der Menschen ist noch nicht in der glücklichen Lage, Jhwh in seiner wahren Herrlichkeit zu erkennen. Doch zur bestimmten Zeit wird der große Schöpfer des gesamten Universums, in seiner liebenden Güte, in seiner Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit offenbar werden, wie Jeremia sagt: „Wer sich rühmt, rühme sich dessen: Einsicht zu haben und mich zu erkennen, daß ich Jhwh bin, der Güte, Recht und Gerechtigkeit übt auf der Erde.“ (Jer. 9:24) In unserer heutigen Welt sind die Menschen weit davon entfernt, Gottes Weisheit und Macht zu erkennen und vor allem, seine Gerechtigkeit und Liebe zu preisen. Die Menschen betrachten zwar das Universum, unser Sonnensystem, die Erde selbst mit allem darauf und auch das kleinste Atom mit einer gewissen Bewunderung. Aber es sind dabei sehr wenige, die darüber nachsinnen, daß alle diese wunderbaren Schöpfungswerke die große Erhabenheit Gottes, seine Weisheit, Macht, Liebe und Gerechtigkeit, widerspiegeln.

Wie herrlich ist alles gemacht worden: In allen Dingen finden wir überwältigende Beweise für die Eigenschaften unseres Schöpfers. Alle seine Werke zeigen seine Herrlichkeit und Majestät. „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und die Ausdehnung verkündet seiner Hände Werk.“ -Ps. 19:1 Gott zwingt niemals seinen Willen auf. Er hat keinen Gefallen am sklavischen Gehorsam. Er wünscht, daß die Geschöpfe seiner Hände ihn lieben, weil er der Liebe wert ist. Er will, daß sie ihm gehorchen, weil sie seine Weisheit, Gerechtigkeit und Großmut würdigen können. Wer eine richtige Vorstellung von diesen Eigenschaften hat, wird ihn lieben, weil er in Bewunderung seines Charakters zu ihm gezogen wird.

Die Ehre des Namens Gottes sollte also unser höchstes Ziel sein, was immer wir unserem großen Gott vortragen möchten. Ob in Gebeten, in Äußerungen oder Taten, des Christen erstes Verlangen sollte es sein, die Herrlichkeit Gottes zu bestätigen.

Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name.“ -Matt. 6:9; Luk. 11:2