Wer war

Jesus von Nazareth?

Teil II


 


„Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, und des Menschen Sohn, daß du auf ihn achthast?
Denn ein wenig hast du ihn unter die Engel erniedrigt; und mit Herrlichkeit und Pracht hast du ihn gekrönt.
Du hast ihn zum Herrscher gemacht über die Werke deiner Hände; alles hast du unter seine Füße gestellt: Schafe Rinder allesamt und auch die Tiere des Feldes, die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres, was die Pfade der Meere durchwandert.“ -Ps. 8:4-8

 

ETWA VIERTAUSEND Jahre waren vergangen, seit Adam, der vollkommene Menschensohn Gottes, im Garten Eden den Auftrag empfing. „Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alles Getier, das sich auf der Erde regt!“ (1. Mos. 1:28) Adam und seine Frau Eva waren in ihrer Vollkommenheit mit „Herrlichkeit und Pracht gekrönt.“ Obwohl ein wenig geringer gemacht als die Engelsöhne des allmächtigen Jhwh, war die Herrlichkeit ihrer menschlichen Natur ohne den geringsten Fehl. Denn: „Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ -1. Mos. 1:31

Als Adam sündigte, verlor er nicht nur seine unsträfliche Gerechtigkeit, sondern mit ihr auch das Anrecht auf ewiges Leben in der Harmonie mit seinem Schöpfer. „Sterbend wirst du sterben“, wie die genaue Übersetzung von 1. Mos. 2:17 lautet, ging er nach 930 Jahren in die völlige Abgeschiedenheit von Gott, in den ewigen Tod. „Vom Staube genommen“, war er zum Staube zurückgekehrt. Nichts ist von ihm geblieben als das, was die Heilige Schrift als Erinnerung an ihn überliefert. Nirgendwo in der ganzen Bibel ist auch nur ein Wort zu finden darüber, daß Adams „Seele“ an irgendeinem anderen Ort oder in irgendeinem anderen Stadium am Leben erhalten blieb, geschweige denn, daß der Mensch im allgemeinen für den Himmel bestimmt sei.

Adams Nachkommen konnten nicht mehr die einstige Herrlichkeit ihres Urvaters erben. Tot sind sie allesamt in den Augen Gottes: Söhne und Erben ihres ungerecht gewordenen, aus der Harmonie mit Gott gefallenen Erzeugers, wie geschrieben steht: „Der Lohn der Sünde ist der Tod.“ (Röm. 6:23a) Keiner hatte seitdem auch nur den Hauch eines Anrechts auf ewiges Leben besessen, denn: „Alle sind sie abgewichen, sie sind allesamt verderbt; da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer.“ (Ps. 14:3) Und nun fragt der Psalmist: „Was ist ein Mensch, daß du seiner gedenkst? Ein Menschensohn, daß du dich fürsorglich seiner annimmst?“ -s. Fußn. Elberf. Übers. von Ps. 8:4

Ist das nicht ein Widerspruch?

Gottes Wort kennt keine Widersprüche, kann keine Widersprüche kennen. es liegt an uns selbst, wenn wir die Aussprüche Gottes nicht recht einzuordnen wissen. Gottes Plan hat seine bestimmten Zeiten und lüftet dem demütigen gebetsvollen Erforscher Schritt für Schritt seine Geheimnisse. (s. Spr. 4:18) Es ist ein „roter Faden“ der tröstlichen Verheißungen, der die Heilige Schrift von ihren ersten Blättern an durchzieht. Die fast unzähligen Hinweise und Zusagen, die der große Gott in seiner Liebe den verlorenen Kindern Adams als Trost und Hoffnung mit auf ihren kurzen Lebensweg (Oder besser: Todesweg) gegeben hat, werden letztendlich in einer Erfüllung enden, die so herrlich, so wunderbar ist, daß der Prophet ausrufen konnte: „Und die Losgekauften Jhwh's werden zurückkehren . . . mit Jubel, und ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; sie werden Wonne und Freude erlangen, und Kummer und Seufzen werden entfliehen.“ -Jes. 35:10

Und das will der Psalmist mit jenen Worten ausdrücken. Er will nicht damit sagen, daß Adam und alle seine Nachkommen nicht tot seien. Er sagt nicht, daß ihre „Seelen“ irgendwo aufbewahrt werden, um irgendwann in einem schrecklichen Gericht noch einmal abgeurteilt zu werden. Aber er will ausdrücken, wie sehr doch Gott seine menschliche Schöpfung liebt, und daß er trotz ihres abtrünnigen und abscheulichen Verhaltens ihm gegenüber dennoch stets ihrer gedenkt und sich ihrer in seinem herrlichen Erlösungsratschluß fürsorglich annimmt.

Wer die göttlichen Verheißungen auf eine Erlösung aus dem Zustand der Sünde und des Todes von Anfang der Bibel an aufmerksam verfolgt, erreicht schließlich eine „Tür“. Diese Tür trägt eine Inschrift: „Laßt euch versöhnen mit Gott!“ wer durch sie eingeht, findet den Weg zurück zum Leben: zum Anrecht auf ewiges Leben, zur Versöhnung mit Gott, zur Rückkehr in die immerwährendes Leben gebende und erhaltende Liebe des Himmlischen Vaters. Noch ist die Tür verschlossen. Wer wird sie öffnen? Ein einziger ist es, der sie zu öffnen vermag. Und es ist jener Jesus von Nazareth, der das spricht:
„Ich bin die Tür.“ (Joh. 10:9)
„Ich bin der Weg.“ (Joh. 14:6)
„Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“ -ebenf. Vs. 6

Beabsichtigte Gott, durch ihn das Todesurteil zurückzunehmen? Dies ist unmöglich. Gott kann nicht sein eigenes Urteil kraftlos machen. Das hieße ja, daß er sich geirrt habe. Gott irrt niemals. Was würde unter den „himmlischen Heerscharen“ geschehen, wenn der allmächtige Schöpfer und Herrscher Himmels und der Erde seiner eigenen Gerechtigkeit zuwiderhandelte? Welch ein Triumph für Satan! Welch ein alles umstürzendes Chaos würde dadurch im ganzen Universum hervorgerufen werden! Nein! Das Todesurteil über Adam und seine Nachkommen konnte in keiner Weise zurückgenommen werden. Auf welcher Basis der Gerechtigkeit aber würde Gott seine Verheißungen auf Erlösung in Erfüllung gehen lassen? Unsere Betrachtung der vorhergehenden Seiten schloß mit der Behauptung, Jesus von Nazareth sei ein vollkommener Mensch gewesen wie Adam vor dem Sündenfall: kein überkleideter Gott; nicht Gott und Mensch zugleich, sondern nichts anderes, als ein gleichwertiges Gegenstück zu dem ersten menschlichen Geschöpf, das als materielles Ebenbild des Wesens Gottes aus den Elementen der Erde erschaffen war. Wie kommt es zu dieser Feststellung?

Die Forderung göttlicher Gerechtigkeit


Wenn einer von uns Menschen in schwere Schuld gerät und diese Schuld nicht bezahlen kann, kommt er ins Gefängnis. Findet er aber einen Freund, einen Bürgen, der dessen Schuld bezahlt, wird er freigesprochen. Da menschliche Beispiele aber immer hinken, weil in unserer Gesellschaft eben nichts absolut gerade und gerecht ist, wollen wir lieber das Gesetz vom Sinai als Maßstab nehmen. Jenes Gesetz ist ein vollkommenes, ein göttliches Gesetz. Seine gerechte Forderung finden wir aufgezeichnet in 2. Mos. 21:23, wo es heißt: „Wenn aber Schaden geschieht, so sollst du geben: Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn . . .“

Die Wiederaussöhnung des Menschen mit seinem göttlichen Richter hing also ab von der Darbringung eines für die Gerechtigkeit Gottes annehmbaren Sühneopfers. Großer Schaden war geschehen: Der erste Mensch hatte durch Übertretung des göttlichen Gebotes seine Gott ebenbildliche Gerechtigkeit eingebüßt, dadurch sein Anrecht auf ewiges Leben verloren, und mußte sterben. (1. Mos. 2:17) Seine Erben konnten also nichts anderes empfangen als das, was er hinterlassen hatte: ein verwirktes Anrecht auf ewiges Leben. Wenn nun einer käme, der Adams Ungerechtigkeit mit seiner eigenen Gerechtigkeit bedeckte und also Adams Schuld bezahlte, wäre Adam wieder gerechtfertigt. Freigemacht von dem Fluch der Sünde, könnte er aus dem Gefängnis des Todes entlassen werden, und Gott könnte ihm - ohne seine eigene Gerechtigkeit zu verletzen - neues Anrecht auf ewiges Leben anbieten.

Wer konnte Bürge sein?


Das Wort „Lösegeld“ (griech: lutron) kommt im Neuen Testament nur zweimal vor. Es bedeutet in Verbindung mit dem Wörtchen „anti“ (anstatt, anstelle von, dementsprechend) einen entsprechenden, einen gleichwertigen Loskaufpreis. Das Wort hat genau die Bedeutung, die in 2. Mos. Kap. 21:22 als Grundlage der gerechten Forderung niedergeschrieben ist: „Leben um leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn usw.“ In Matt. 5:38 finden wir die Bestätigung für die Richtigkeit diese Angabe. Dort sagt Jesus selbst: „Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn.“ Hier steht für „um“ im griechischen Text das Wörtchen „anti“. Also: „Auge anstatt Auge und Zahn anstatt Zahn.“ eine genaue Aufrechnung. Ein glatter Preis. Nicht mehr und nicht weniger.

Ein unvollkommener Menschensohn kam demnach als Bürge für Vater Adam nicht in Betracht, denn: „Da ist kein Gerechter, auch nicht einer.“ (Röm. 3:10) Und: „Keineswegs vermag jemand seinen Bruder zu lösen, nicht kann er Gott sein Lösegeld geben!“ (Ps. 49:7) Sicherlich hätte manch einer der Engelsöhne gerne den Willen des Himmlischen Vaters getan und sich als Lösegeld für den Menschen angeboten. Doch so wenig das Blut von Stieren und Böcken (die ja nur Vorbild waren) in Wirklichkeit die Sünden des Volkes bedecken konnte (Hebr. 10:3,4), weil ihr Leben eben geringer, weniger wert war als ein Menschenleben, so wenig konnte ein Engel den Sühnepreis bezahlen. Denn Engel - gleich welcher Herrlichkeitsstufe - haben eine andere Natur als der Mensch. Was durch die Sünde verwirkt wurde, war ein vollkommenes Menschenleben. Darum konnte die göttliche Gerechtigkeit als einzige Möglichkeit zur Errettung des Menschen auch nur den völlig gleichwertigen Gegenstand als Loskaufpreis annehmen.

Der Mensch Christus Jesus


„Darum, als er in die Welt kommt, spricht er: Schlachtopfer und Speiseopfer hast du nicht gewollt, einen Leib aber hast du mir bereitet; an Brandopfern und Opfern für die Sünde hast du kein Wohlgefallen gefunden. Da sprach ich: Siehe, ich komme (in der Rolle des Buches steht von mir geschrieben), um deinen Willen, o Gott, zu tun.“ -Hebr. 10:5-7

Derjenige, der Adam vom Todesurteil lösen wollte, mußte aus freiem Willen sein von Gott bestätigtes Lebensrecht dahingeben, um es an die Stelle (anti) des verwirkten Lebensrechtes Adams zu setzen. Er mußte freiwillig mit seiner ihm zugehörenden Gerechtigkeit die Ungerechtigkeit des Übertreters bedecken, damit jener wieder gerecht gemacht werden kann. Somit konnte also nur ein vollkommenes Menschenleben Adam loskaufen.

Um diesen einzigartigen Akt der Lösung und Erlösung, der das Fundament, der „Fels“ des ganzen herrlichen Ratschlusses Gottes ist, auch wirklich klar und verständlich darzulegen, mußten wir bis hierher sehr ausführlich werden. Wenn nämlich das, was durch Satans Aktivitäten an Irrlehren über das größte Opfer und die einmalige Erlösungstat aller Zeiten gelehrt und geglaubt wird, dem Zeugnis der Heiligen Schrift entspräche, wäre die Quelle, aus der wir unsere Erkenntnis schöpfen - die Bibel - eine Lüge; es wäre nicht wert, sich überhaupt mit ihr zu beschäftigen. Ein höhergestellter Geistlicher meinte einmal: „Ach, das Lösegeld wird einfach überbewertet.“ Was soll man dazu sagen? Ist Leben, vollkommenes Leben, nicht das Wertvollste, das der Schöpfer des Universums uns anzubieten hat? Was will man da von Überbewertung reden? Was wären wir ohne das Lösegeld Jesu Christi? Der aufrichtige Erforscher der Schrift muß erkennen, daß Jesus von Nazareth nichts anderes sein konnte als ein Mensch. Allerdings ein vollkommener Mensch: „Heilig, unschuldig, unbefleckt, abgesondert von den Sündern.“ -Hebr. 7:26

Was durch ihn gelöst wurde, war das zum Tode verurteilte Leben Adams. Wenn nun der Vater der ganzen Menschheit frei von Schuld ist, sind nicht logischerweise dann auch alle seine Kinder von dem unglückseligen Erbe befreit? Lesen wir, wie der Apostel Paulus diesen Gedanken verständlich macht: „Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen, und durch die Sünde der Tod. Darum ist der Tod zu allen Menschen gelangt, weil alle gesündigt haben . . . Drum: Wie eines Menschen Fehltritt für alle Menschen ein Strafurteil (des Todes) verschuldet hat, so bringt nun eines Menschen Gehorsamstat für alle Menschen einen Freispruch, der das Leben Schenkt. Denn wie durch eines Menschen Ungehorsam alle Menschen Sünder geworden sind, so sollen nun durch eines Menschen Gehorsam alle Menschen Gerechte werden.“ -Röm. 5:12,18,19 nach Albrecht

Den gleichen Gedanken drückt der Apostel in 1. Kor. 15:21,22 aus, wenn er sagt: „Weil durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie durch Adam alle dem Tod verfallen sind, so sollen umgekehrt durch Christus alle wieder zum Leben kommen.“ Dazu die Worte des Apostels an Timotheus: „Denn dieses ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, welcher will, daß alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn Gott ist einer, und einer Mittler zwischen Gott und den Menschen, ein Mensch Christus Jesus, der sich selbst gab zum Lösegeld für (griech: uper= zum besten von, zugunsten) ALLE.“ -1. Tim. 2:3-6

Verwandlung der Naturen


„Und das Wort wurde Fleisch.“ -Joh. 1:14

Der Logos, die einzige Zeugung Gottes, der Anfang vor aller Schöpfung, das oberste und herrlichste Wesen nach Gott - wurde ein Mensch. Er erniedrigte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an (Phil. 2:7,8), um in menschlicher Natur aufzuwachsen. „Und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen (Einziggezeugten) vom Vater.“ (Joh. 1:14) Diese Stelle könnte zu dem vorher Dargelegten etwas verwirrend erscheinen. Der Schreiber des Hebräerbriefes aber gibt eine unmißverständliche Erklärung. Dort heißt es in Kap. 2:14: „Weil nun die Kinder (deren Erlösung aus dem Gefängnis des Todes Gott beabsichtigte) Fleisches und Blutes teilhaftig sind, so hat auch er gleicherweise (genauer: ganz in nächster Nähe) an denselben („Fleisch und Blut“= menschliche Natur) teilgenommen.“ „Wir sehen aber Jesus, der etwas geringer gemacht ist als die Engel, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, so daß er durch Gottes Gnade für (uper= zugunsten) alle den Tod schmeckte.“ (Hebr. 2:9) Diese „Herrlichkeit“ war dieselbe Herrlichkeit, mit der der vollkommene Mensch in Psalm 8 angesprochen ist: die Herrlichkeit eines Menschen ohne Fehl, und mit dem Anrecht auf ewiges Leben gekrönt.

Das Wunder, das der Allmächtige hier zur Errettung und Erlösung des gesamten Menschengeschlechtes vollbrachte, wird unser irdisch-begrenztes Denkvermögen wohl niemals erfassen können. Der Logos gab seine geistiggöttliche Natur auf, und wurde von Gott als menschlicher Keim in eine Jungfrau vom Geschlecht Adams hineingelegt, wuchs dort in ihrem Leib zu einem Menschlein von Fleisch und Blut heran, bis er als eine „menschliche Seele“ geboren wurde. (s. 1. Mos. 2:7b)

Wenn wir nun eine Antwort auf die Frage Hiobs suchen, der darüber nachsinnt: „Wie könnte ein Reiner aus einem Unreinen kommen? Nicht ein Einziger!“ (Hiob 14:4) - so dürfen wir nicht, weil wir es nicht verstehen, aus der Mutter Jesu, Maria, einen sündenlosen Menschen machen. Das steht nirgendwo in der Heiligen Schrift verzeichnet und ist eine biblisch unannehmbare Lehre. Marias Stammbaum geht zwar über Adam zurück bis zu Gott selbst, doch, wenn wir ernsthaft über alles nachdenken, wissen wir, daß auch Maria nur ein Sproß des gefallenen Adams sein konnte. Adam und Eva hatten vor dem Sündenfall noch keine Kinder gezeugt (1. Mos. 4:1); woher sollte Maria ihre Sündlosigkeit ererbt haben?

Gott war der Vater, der Lebengeber des „Heiligen“, das in Maria gezeugt wurde. (Luk. 1:35) Von Gott war der Keim, aus dem der Mensch Jesus heranwuchs. Heute ist allgemein bekannt, daß im Lebenskeim eines jeden Menschen bereits alle seine Anlagen vorhanden sind. Der von Gott in Maria eingepflanzte Teil war vollkommen und stark genug, sich gegen die Schwachheiten der menschlichen unvollkomenen Natur seiner Mutter zu behaupten.

Wohl ist des Menschen Geist so geschaffen, daß er die Freiheit hat, alles zu wollen und für alles eine Erklärung zu suchen. Er soll aber auch die Demut haben, seinem Schöpfer zu glauben, was Er sagt - auch, wenn es mit dem menschlichen Verstand nicht zu erfassen ist. Das Herz sollte bekennen: Ja, so ist es (hebr: amen).

Geboren unter Gesetz


Warum wurde der Sohn Gottes als Jude geboren? Die Frage ist eigentlich unnötig, aber sie wird gestellt.

Da Jhwh bis zur ersten Ankunft unseres Herrn mit keinem anderen Volk der Welt direkt gehandelt hatte als nur mit Israel, konnte Jesus nur aus diesem Volke hervorgehen. Nur den Kindern Jakobs war die große, die umfassende, die eidbekräftigte Verheißung durch Abraham gegeben worden. „In dir und deinem Samen sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“ (1. Mos. 12:3; 18:18; 22:18) Nur Israel gehörten die vielen, vielen Voraussagen ihrer Propheten auf einen Erretter und Erlöser. Dem Volk Israel aber gehörte auch das Gesetz vom Sinai. Dieses Gesetz sicherte dem ewiges Leben zu, der es in allen seinen Forderungen hielt; Fluch und Verderben aber dem, der es nicht hielt. Wir lesen dies ausführlich in 5. Mose Kapitel 28.

Die Israeliten standen durch dieses Gesetz für den Fall, daß sie es nicht hielten, unter einer doppelten Strafe, einem doppelten Fluch: einmal um Urvater Adams willen, zum anderen unter der Forderung eben dieses Gesetzes, das sie übrigens einstimmig und mit großer Freude angenommen hatten:

„Und Mose kam und rief die Ältesten des Volkes, und legte ihnen alle diese Worte vor, die Gott ihm geboten hatte. Da antwortete das ganze Volk insgesamt und sprach: Alles, was Jhwh geredet hat, wollen wir tun! Und Mose brachte die Worte des Volkes zu Jhwh zurück.“ (2. Mos. 19:7,8) Kein einziger Jude hat dieses Gesetz jemals halten könne. es war ein göttliches, ein vollkommenes Gesetz; kein Gesetz für die gefallene menschliche Natur.

Und nun war da der vollkommene Mensch Jesu, hineingeboren in eine verkehrte und gottesfeindliche Welt, dem ganzen bösen System satanischer Angriffe ausgesetzt: „Geboren unter Gesetz!“ Vergessen wir nicht: wenn auch das Auftreten des Gottessohnes damals kaum die Welt bewegte: die himmlischen Heerscharen - voraus Satan und seine Dämonenwelt - werden mit äußerster Aufmerksamkeit beobachtet haben, was jetzt geschah! An Jesu Verhalten hing nicht allein das Schicksal der gesamten Menschheit; die Erfüllung seiner Gehorsamsprobe dem göttlichen Ratschluß gegenüber entschied zwischen der Herrschaft des Lichts und der Herrschaft der Finsternis, zwischen Triumph der Liebe und dem Triumph des Bösen.

Jesus hielt das Gesetz in Gedanken, Worten und Taten unter den widrigsten Umständen einer von Satan beherrschten Welt. Nach den göttlichen Satzungen stand ihm ewiges Leben auf menschlicher Stufe zu. Dieses gerechte, ihm gehörende Leben legte er freiwillig für Adam nieder, und bedeckte so den Ungerechten mit seiner eignen Gerechtigkeit. Mit diesem Opfer war die Menschheit vom Fluch gelöst, nicht aber die Kinder Israel. Auf ihnen lastete ja noch die Bestimmung des Gesetzes: „Verflucht sei, wer nicht aufrecht hält die Worte dieses Gesetzes!“ -5. Mos. 27:26

Auch ein Gehängter, einer, der am Holze hängt, ist ein Fluch Gottes, denn er hatte eine todeswürdige Sünde begannen. (s. 5. Mos. 21:22,23) Jesus nahm auch diesen Fluch auf sich, indem er schon zu Anfang seines Opferweges gesprochen hatte: „Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust; und dein Gesetz ist im Inneren meines Herzens.“ (Ps. 40:7,8) Mit seinem Tode am Kreuz, wo er tatsächlich am Holz hing, nahm er freiwillig die Stelle des todeswürdigen Sünders ein: nicht eines einzigen, sondern des ganzen Volkes Israel. Mit diesem schrecklichen Kreuztod des Gerechten für den Ungerechten ging die Weissagung des Propheten Jesaja in Erfüllung, die da spricht: „Fürwahr, . . . um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Missetaten willen zerschlagen.“ -Jes. 53:5

Es hatte Gott wohlgefallen, die ganze Sündenlast der Menschheit auf unseren Erretter zu lasten: so wurde er, der Sündenlose, in Gottes Augen zum Sünder. Es muß die schrecklichste Erfahrung unseres Herrn gewesen sein, auch noch die Verlassenheit des gottentfremdeten Sünders tragen zu müssen - und das in den Augenblicken höchster körperlicher und geistiger Not. Sein Ausruf: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mar. 15:34), drückt den Höhepunkt seiner Leiden aus, die er anstelle des Sünders (Adam) auf sich genommen hatte. Für uns unvollkommene Menschen ist dieses Ausmaß an Leiden nicht nachempfindbar, aber wir sollten keinen Moment unseres Lebens vergessen, was der Herr für uns getan hat!

Und Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war, weissagte: „Ihr wisset nichts und überleget auch nichts, daß es euch nützlich ist, daß ein Mensch für das Volk sterbe und nicht die ganze Nation umkomme.“ (Joh. 11:49-51) Den tiefen Sinn dieser Worte hat zum damaligen Zeitpunkt kein Israelit erkannt.

Ebenfalls hintergründig, und doch so dieses über alle Worte erhabene Liebesopfer Jesu beleuchtend, ist der letzte Versuch des Pilatus, Jesus freizugeben. „Ich finde keine Schuld an ihm“, sprach er zu den aufgebrachten Juden, die vor dem Prätorium versammelt waren. „Ihr habt aber eine Gewohnheit, daß ich euch an dem Passah einen losgebe. Wollt ihr nun, daß ich euch den König der Juden losgebe? Da schrien wiederum alle und sagten: Nicht diesen, sondern den Barrabas! Barrabas aber war ein Räuber.“ -Joh. 18:38-40

Jesus trat an die Stelle des Räubers: der Sündenlose an die Stelle des Sünders. Als Antwort auf die Frage: Warum wurde Jesus als Jude geboren?, gibt zusammenfassend zu dem Gesagten der Apostel Paulus die klare Antwort: „Christus hat uns losgekauft von dem Fluche des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist; denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder der am Holz hängt.“ -Gal. 4:13

Das Zeitalter des Gesetzes war beendet. Jesus Christus hatte das Gesetz erfüllt und damit vor der gesamten Engels- und Teufelswelt den Beweis erbracht, daß es einem vollkommenen Menschen möglich ist, Gottes Gesetz der Liebe und Gerechtigkeit zu halten, wenn er in Liebe und Vertrauen zu seinem Schöpfer verwurzelt bleibt. Satan, der Widersacher Gottes und der Ankläger des Menschen (s. Hiob 1:10,11; 2:4,5), ist vor der ganzen geistigen Welt ins Unrecht gesetzt. Liebe und Gerechtigkeit Gottes haben triumphiert!

Wer ist der Auferstandene?


Die Menschheit war freigekauft von der Sünde und ihrem Resultat: dem Tod. Das Werk, das Gott seinem Einziggezeugten aufgetragen hatte, war vollbracht. Aber - der Erretter und Erlöser war tot. Ein Makelloser war als Verbrecher zu Tode gebracht worden. Wo - könnte man an dieser Stelle fragen - ist da Gottes Gerechtigkeit zu erkennen?

Aber da lesen wir schon das inspirierte Wort Gottes in Apg. 2:24: „Gott aber hat ihn auferweckt, indem er die Stricke des Todes löste, weil er ja unmöglich vom Tode festgehalten werden konnte.“ Die Elberf. Übers. sagt: „ . . . wie es denn nicht möglich war, daß er von demselben (dem Tod) behalten wurde.“

Ja, er war unmöglich, daß Jesus Christus im Todeszustand blieb; es wäre gegen alle Gerechtigkeit, gegen alle Vernunft gewesen, diesen sündlosen, reinen Opferer für die Liebe auch noch die Strafe des ewigen Ausgelöschtseins erleiden zu lassen. Daß Gott ihn auferweckte aus den Toten, bestätigt ja gerade die Vollkommenheit seines Opfers und dessen Annahme von Gott.

Nach dem, was bisher über die Umwandlung der Natur des Sohnes Gottes gesagt wurde, muß sich nun verständlicherweise die Frage stellen: Der Logos gab seine himmlische Existenz auf, um Mensch zu werden; der Mensch Jesus aber opferte sein Lebensrecht auf und starb. Wer ist nun der Auferstandene? Was tat Gott, um seinen geliebten Sohn, dem er die schwerste Aufgabe überantwortet hatte, aus dem Totenreich zurückzuholen, ohne die absolut gerade Richtschnur seiner Gerechtigkeit zu verletzen?

Der Gesalbte


„Du bist Christus (der Gesalbte), der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Matt. 16:16) Dieses Bekenntnis des Petrus war an den Herrn gerichtet, nachdem er von Johannes im Jordan getauft worden war. Nicht das Kind zu Bethlehem, noch der zwölfjährige Jesus, der die Ältesten und Schriftgelehrten des Volkes durch seine Klugheit in Erstaunen setzte, war der Gesalbte Gottes.

„Ein ausgegossenes Salböl ist dein Name“, steht in Hohelied 1:3 geschrieben. Diese Worte leiten zurück zu Mose, zu dem Gesetz, das er von Gott für den priesterlichen Dienst im Heiligtum (in der vorbildlichen Wohnung Gottes) empfing. Die Salbung war jene feierliche Handlung, durch die die Priester in ihren Dienst eingesetzt wurden. Das „heilige Salböl“, das dazu verwendet wurde, ist ein Vorbild für den heiligen Geist - die Kraft, die von Gott ausgeht und verschiedene Wirksamkeiten hat.

Hier, in dem Vorbild der Salbung, gibt Gott dem menschlichen Begriffsvermögen eine Hilfestellung zu Verständnis höherer geistiger Dinge durch materielle Darstellung. (s. 2. Mos. 30:25-32) Dem Hohenpriester, als Haupt der ganzen Priesterschaft, goß Mose von dem heiligen Salböl wiederum nur auf das Haupt, „und salbte ihn, um ihn zu heiligen.“ -3. Mos. 8:12

In Ps. 133:2 lesen wir, daß das Öl vom Haupte des Hohenpriesters herabfloß bis „auf den Saum seiner Kleider“. Die Bedeutung dieses Sinnbildes ist nicht schwer zu verstehen. Wenn das Salböl den Geist Gottes vorschattet, der - in dem Gesalbten wirkend - ihn zu einem besonderem Amt im Dienste des Allmächtigen von allen irdischen Interessen absondert (heiligt) und ihn befähigt, den göttlichen Willen auszuführen, so muß das Öl herabfließen über den ganzen Leib, damit tatsächlich der ganze Leib mit allen seinen Gliedern an dem Geiste und der Kraft Gottes teilhat.

Als Jesus dreißig Jahre alt wurde (nach dem Gesetz ein erwachsener und zu freier Entscheidung befähigter Mann), kam er zu Johannes, der in Jesus D e n erkennt, der keiner Waschung von Sünden bedarf, zögert, diese Taufe an ihm zu vollziehen. Jesus aber antwortet ihm: „Laß es jetzt so sein; denn also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“ -Matt. 3:13-15

Welch tiefer Sinn liegt in diesen wenigen Worten! Als Jesus sich im Jordan untertauchen ließ, bezeugte er damit, daß er gekommen war, um den Willen seines Himmlischen Vaters auszuführen. Er tauchte sich, seinen ganzen Menschen, sein gesamtes Sinnen, Denken und Empfinden völlig unter in den Wunsch und Willen des Vaters. Das bedeutete, daß er alles dahingab, was in etwa seine menschlichen Interessen auf Erden berühren konnte. Das bedeutete, daß er auf das irdische Lebensrecht, das ihm als Erfüller des Gesetzes vom Sinai rechtmäßig zustand und auch von Gott nicht mehr genommen werden konnte, freiwillig verzichtete. Er legte somit alles: Leben, menschliche Bindungen und eventuelle Interessen in die Hand des Himmlischen Vaters zu seiner, des Allmächtigen, voller Verwendung. 3. Mos. 18:5

„Da sprach ich: ich komme; in der Rolle des Buches steht von mir geschrieben. Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust; und dein Gesetz ist im Inneren meines Herzens.“ -Ps. 40:7,8

Die ganze „Rolle des Buches“, die Schriften des Alten Testamentes, reden von dem Messias, dem Gesalbten Gottes. Nun war er gekommen, um den Weg zu gehen, den Gott für ihn vorausbestimmt und vorausverkündigt hatte. Er war gekommen, die Gerechtigkeit, d. h. die gerechten Grundsätze des Schöpfers, zu erfüllen aus Liebe zum Vater,aus Liebe zu seiner irdischen Schöpfung. Und indem er seinen Willen völlig dem Willen des Vaters unterstellte, starb - bildlich gesehen - in den Augen Gottes Jesus von Nazareth, als er im Jordan untertauchte. Der aus dem Jordan Aufgetauchte war - wiederum bildlich gesehen - völlig entleert von jedwedem menschlich-irdischen Denken und Wollen; er war ein leeres Gefäß, das bereit war, alles in sich aufzunehmen, was Gott an Gedanken, Worten und Taten in ihn hineinzulegen beabsichtigte. (Joh. 12:49,50) In diesem Augenblick wurden ihm die Himmel aufgetan, „und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herniederfahren und auf ihn kommen. Und siehe, eine Stimme kommt aus den Himmeln, welche spricht: Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchen ich Wohlgefallen gefunden habe.“ -Matt. 3:16,17

„Heute habe ich die gezeugt“

Dieses erfülltwerden mit dem Geist Gottes war eine Zeugung zu einer N e u e n N a t u r. Damals legte der Himmlische Vater den Keim zu einem Lebensrecht göttlicher Natur in den Menschen Jesus, der von da an den Weg des Christus antrat, des Messias, des vom Geiste Gottes für das Erlösungs- und Versöhnungswerk Gesalbten. -Ps. 2:7; Hebr. 1:5; Apg. 2:36

Diese Neue Natur, die nach Jesu Taufe in ihm zuerst gezeugt wurde, brauchte zu ihrer Entwicklung den Leidensweg, die völlige Aufopferung der menschlichen Natur, die Überwindung all´ der tiefen, schmerzlichen Prüfungen und Widerstände, aus der er als Sieger hervorgehen sollte.

So starb nach dreieinhalbjähriger völliger Aufopferung der Mensch Jesus von Nazareth am Kreuz zu Golgatha, während am dritten Tage nach seinem gänzlichen Ausgelöschtsein die Geburt der am Jordan in ihm gezeugten Neuen Natur stattfand. So wurde Christus zum Erstgeborenen aus den Toten. -s. Kol. 1:18

„. . . über die Maßen erhöht“


Wie einst der vollkommene Mensch Adam auf Probe zu ewigen Leben auf Erden stand und durch Ungehorsam die Welt in den Tod führte, so stand der vollkommene Mensch Jesus seit seiner Taufe auf Probe zur Unsterblichkeit in göttlicher Natur; und er hat durch seinen Gehorsam bewirkt, daß die Menschheit zum Leben zurückkehren kann.

Jesus kannte die Schriften und wußte, was die Propheten über ihn geweissagt hatten. Darum konnte er auch schon vor seinem Tode zu den Jüngern von seiner Auferstehung sprechen. Und dennoch - die Verantwortung, die er auf sich genommen hatte, war so groß und seine Leiden um ihrer willen so schwer, daß er „in den Tagen seines Fleisches, da er sowohl Bitten als Flehen dem, der ihn aus dem Tode zu erwecken vermochte, mit starkem Geschrei und Tränen dargebracht hat.“ (Hebr. 5:7) Ein kleiner Fehler, ja nur der Hauch eines sündigen Gedankens wider Gottes Liebe und Gerechtigkeit hätte nicht nur den endgültigen, immerwährenden Tod für das ganze Menschengeschlecht bedeutet, sondern auch Jesus selbst unter die tatsächliche Sünde gestellt und ihn zu ewigem Abgetrenntsein vom Leben verurteilt. (Jak. 2:10) Aber, so fährt der Schreiber des Hebräerbriefes fort, er wurde „um seiner Frömmigkeit willen“ erhört.

Jesus wußte auch um „die gewissen Gnaden Davids“ (Jes. 55:3; 2. Sam. 7:16), die auf die „Herrlichkeit danach“ hindeuteten. (s. 1. Pet. 1:11; Offb. 4:11; 5:12) Dieses „Danach“ war darum sein Halt, seine Kraft, und sein großer Trost. Jhwh salbte ihn bei seiner Taufe „mit Freudenöl“, mit jenem Geist der Freude und des inneren Friedens, der die Gewißheit aus der absoluten Treue seines himmlischen Vaters schöpfte. (s. Hebr. 1:9) Die Aussage in Hebr. 12:2 untermauert diesen Gedanken: „ . . . welcher, der Schande nicht achtend, für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur rechten des Thrones Gottes.“

In seinem letzten großen Gebet zu Gott bat Jesus um nicht mehr als um die Herrlichkeit, die er bei dem Vater hatte, ehe die Welt war. (Joh. 17:5) Von dieser Herrlichkeit haben wir schon gesprochen. Jesus selbst wollte nie mehr sein als der Repräsentant des Vaters. Sein Wunsch ging nicht dahin, sich Gott gleich zu machen, sondern allein die Stellung wieder zu empfangen, die er von jeher als erster Repräsentant des Allerhöchsten eingenommen hatte - von Anfang der Schöpfung an.

Nun aber bekundet der inspirierte Apostel, daß Gott ihn „über die Maßen erhöht und ihm den Namen verliehen hat, der jedem anderen Namen überlegen ist, damit im Namen Jesu sich jedes Knie aller derer beuge, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und jede Zunge bekenne, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters“. (Phil. 2:9-11 nach Menge) Und der Auferstandene spricht: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden.“ - Matt. 28:18

Diese Zeugnisse zusammengefaßt ergeben ein klares Bild. Daß Jesus vom Vater hoch erhöht wurde, höher als zu seiner einstigen Herrlichkeit, kann nicht übersehen werden. Weder von der „sophia“, der Weisheit, noch vom „logos“, dem Wortführer Gottes, sind jemals solche Aussagen gemacht worden.

Es kann nicht geleugnet werden, daß Gott, der Allmächtige, derjenige war, der seinen Sohn aus dem Tode zu erretten vermochte. Gott war es, der ihn aus den Toten auferweckte und ihn über die Maßen hoch erhöht hat, was niemals hätte möglich sein können, wenn Jesus bereits Teil einer göttlichen Deieinigkeit gewesen wäre.

Gottes Gerechtigkeit ist unantastbar. Seine Weisheit und seine Liebe sind ohne Grenzen. Wer anders als der allmächtige Schöpfer Himmels und der Erde hätte einen solch weisen, gerechten und liebenden Weg zur Errettung und Erlösung erdenken können?

Daß wir alle diese Dinge nur am Rande ahnend erfassen können, ist uns klar. Aber Gott verlangt ja von uns nicht in erster Linie Verstand, sondern ein gläubiges Herz. Das will nicht heißen, daß wir alles, was ER verstanden haben will, nicht auch verstehen können.

Es gibt eben Dinge, die einfach nur durch Glauben zu erfassen sind, da wir wissen, daß Gott - so hoch er auch über uns steht - treu ist in einem jeden Wort, das er uns gegeben hat. Die zweimalige Wandlung der Natur des Einziggezeugten ist eine Kundgebung göttlicher Macht, die dem menschlichen Verstand, seinem Wissensdrang und seinem Forschergeist unzugänglich ist. Doch entspricht sie völlig dem Zeugnis des Wortes Gottes, und das sollte uns genügen.

„Dem, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme die Segnung und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen“ -Offb. 5:13,14