CHON EINIGE MALE vor seiner Kreuzigung hatte der Herr zu seinen Jüngern auch von seiner Auferstehung gesprochen; doch es scheint so, dass sie ihn nie richtig verstanden hatten. Ihr späteres Verhalten zeigt, daß sie offenbar nie wirklich erwartet hatten, er könne von den Toten auferstanden sein. Aber Jesus kannte ihre Reaktion schon im voraus. Daher wählte er auch die natürlichste Art und Weise, sich ihnen zu zeigen, um sie mit der wunderbaren Wirklichkeit seiner Auferstehung vertraut zu machen.
Hätte er sich offenbart wie dem Mose im brennenden Dornbusch - was wäre geschehen? Die Jünger hätten ein übernatürliches Wunder gesehen, eine Stimme vernommen, und durch die Aufforderung, ihre Schuhe auszuziehen, wohl erkannt, daß Gott ihnen eine Botschaft zukommen lassen wollte. Dies alles hätte in ihnen einen tiefen Eindruck hinterlassen, sie aber nicht davon überzeugt, daß der, dessen Kreuzigung und Tod vor drei Tagen Wirklichkeit gewesen war, nun auferstanden und lebendig vor ihnen erschien.
Unser Herr hätte sich auch als leuchtende Lichtgestalt zeigen können, in der Gestalt des Engels etwa, der dem Daniel erschienen war; oder in der Art und Weise, wie Saulus von Tarsus einen Blick auf Christi Herrlichkeit tun durfte, oder wie der Apostel Johannes auf der Insel Patmos ihn sah - - -was wäre geschehen? Daniel fiel vor der Herrlichkeit des Engels nieder, wie tot"; Saulus wurde blind, und Johannes? Johannes wußte ja damals bereits von der herrlichen Verwandlung, die bei Jesu Auferstehung stattgefunden hatte. Der Herr war getötet worden nach dem Fleische, aber - wie der Apostel uns versichert - lebendig gemacht worden nach dem Geiste. - s. l. Pet. 3:18
Hätte sich der Herr seinen Jüngern in einer dieser Erscheinungsformen geoffenbart, wären sie dann wirklich imstande gewesen, diese herrliche Lichtgestalt mit dem Menschen Jesus Christus in Verbindung zu bringen, dem sie dreieinhalb Jahre nachgefolgt waren? Wohl kaum.
Die Art, die der Herr wählte, seinen Jüngern den Beweis seiner Auferstehung zu geben, war viel klarer und einleuchtender. Er wollte sich ihnen darstellen als ihren Meister, mit dem sie so vertraut gewesen waren, und alles vermeiden, was sie unnötig erregen könnte. Ging es doch darum, sie davon zu überzeugen, daß er nicht im Tod verblieben war, sondern vom Vater zum Leben erweckt wurde. Darum erschien er ihnen bei verschiedenen Gelegenheiten wie ein Mensch: einmal der Maria als Gärtner, den beiden Emmaus-Jüngern als ein Fremder; zum anderen Male am Ufer des Sees von Tiberias, als die Jünger beim Fischen waren und er sie um etwas zu essen bat (s. Joh. 21:4 ff); in jedem Falle aber so, daß sie ihn zweifelsfrei erkennen mußten.
Maria erkannte ihn am Ton seiner Stimme, die Emmaus-Jünger am Brechen des Brotes, die fischenden Jünger aber an dem Wunder ihrer plötzlich gefüllten Netze. - Joh. 21:6,7
Einige Male stand er sogar ganz plötzlich in ihrer Mitte in einem Leib, der dem seines verwundeten, gekreuzigten Leibes glich. Dennoch waren alle jene Gestalten, in denen der Herr sein Leben, sein Lebendig-Sein denen, die ihn liebten, unter Beweis stellte, keineswegs sein Auferstehungsleib. Der Mensch Jesus hatte sich ja in den Tod geopfert, wo er auch für immer verbleiben muß. Die Neue Schöpfung Christus Jesus, die am Jordan g e z e u g t e , sie war zum Leben erwacht, auf himmlischer Stufe geboren und vom Vater der Lichter mit einem Leib göttlicher Herrlichkeit bekleidet worden. Kein Mensch aber kann Gott oder ein göttlich-mächtiges Wesen sehen und leben, ist schon in 2. Mos. 33:20 zu lesen.
So sahen Saulus und Johannes wohl nur so viel von Jesu verklärter Herrlichkeit, wie ein Mensch gerade noch ertragen kann. Allen übrigen Jüngern aber zeigte sich der Herr nach seiner Auferstehung in einem Körper aus Fleisch und Blut, der für diese Gelegenheiten besonders bereitet war - und in gewohnter Bekleidung.
Verwandlung der Natur
Schon im Alten Testament wird ja verschiedene Male von Erscheinungen himmlischer Wesen berichtet, die sich ihrer Macht bedienen durften, materielle Leiber anzunehmen und wieder aufzulösen. Auch unser Herr erschien in seiner vormenschlichen Existenz dem Vater Abraham als menschliches Wesen, etwa 2000 Jahre, bevor er als vollkommenes Menschenkind auf Erden geboren wurde. Damals sprach er mit Abraham und aß mit ihm wie ein Mensch, und doch war er der Logos und nicht Mensch. Gleicherweise erschien er den Seinen nach seiner Auferstehung, obwohl er in Wirklichkeit aufgehört hatte, Mensch zu sein.
Verwandelt von der Menschennatur zur geistigen Natur, hoch erhoben über alle Engelwesen (s. Phil. 2:9), zeigte er sich dennoch als Mensch, weil dies die wirkungsvollste Art war, die erhabene Wahrheit zu vermitteln, die er ihnen vermitteln wollte. Diese Art, sich den Jüngern zu offenbaren, half ihrem Glauben und Wissen, die wichtige Lehre zu erfassen, dass er nicht mehr tot, sondern für immer lebendig war.
Dann erinnerte er sie an seine eigenen, früheren Hinweise auf seine damals noch zukünftige Auferstehung. Er nannte und erklärte ihnen die Weissagungen, die von diesem alles verändernden Ereignis zeugten. Vor allem zeigte er ihnen den Sinn und die Notwendigkeit des großen Werkes, das er durch seinen Kreuzestod vollbracht hatte, indem er sagte: Also steht geschrieben und also mußte der Christus leiden und am dritten Tage auferstehen aus den Toten." (Luk. 24:46) Wahrscheinlich ist in der Schrift nicht die ganze Rede wiedergegeben, aber wir können vernünftigerweise annehmen, daß der Auferstandene den Jüngern ganz besonders die Notwendigkeit des Erlösungsopfers erklärte und ihnen auch die Sicht für die wunderbaren Folgen eröffnete, die aus diesem Loskauf für alle Geschlechter der Erde noch hervorgehen mußten.
Vierzig Tage war der Herr vor seiner Himmelfahrt noch bei seinen Jüngern, und dennoch den Brüdern" unsichtbar außer den wenigen Malen, bei denen er sich ihnen sichtbar machte. Diese Offenbarmachungen waren nur kurz, und während der ganzen Zeit von vierzig Tagen sah ihn kein Mensch außer seinen Jüngern; einmal waren es mehr als fünfhundert, (1. Kor. 15:6) Und sie sahen ihn nur aufgrund des Wunders der Verwandlung, das er vollbrachte. Dadurch erfüllte unser Herr die vor seinem Tode gemachte Aussage: Noch ein Kleines, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber sehet mich."- Joh. 14:19
Manche Menschen sind der Ansicht, daß der für uns geopferte Leib unseres Erlösers nach seiner Auferstehung wieder von ihm angenommen wurde und seinen Auferstehungsleib bildet. Sie übersehen aber dabei, was den Jüngern während jener vierzig Tage gelehrt wurde. Und was wurde ihnen gelehrt? Zunächst, daß der Herr nicht mehr tot, sondern lebendig war; darüber hinaus aber, dass ein Wesen, das nicht an Materie gebunden ist. d.h. das die Fähigkeit besitzt, Materie anzunehmen und wieder aufzulösen, kein Mensch, sondern ein übernatürliches Wesen sein muß, dessen Lebensbedingungen gänzlich verschieden sind von denen des vollkommenen Menschen Jesus von Nazareth.
Die Vorstellung, dass die kummervollen, von Dornen durchgrabenen Züge und die verwundeten Hände von Fleisch und Bein den Auferstehungsleib Jesu Christi bilden könnten, ist in jeder Weise unhaltbar. Warum erklärt der Apostel denn so sorgfältig, dass es einen natürlichen" und einen geistigen Leib" gibt? Und es gibt himmlische Leiber und irdische Leiber", schreibt Paulus an die Korinther. Wenn es einen natürlichen Leib gibt, so gibt es auch einen geistigen.! (1. Kor. 15:40, 44) Und warum wußte der Apostel Johannes nicht, wie der Herr aussieht? Hat er ihn nicht gesehen? War er nicht ebenfalls Zeuge der Auferstehung Jesu Christi? Aber er schreibt:
Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass, wenn es offenbar werden wird, wir ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist." - 1. Joh.3:2
Wenn wir mit all unseren gegenwärtigen Mängeln und Gebrechen in die Auferstehung kämen, wie würde das mit dem inspirierten Wort des Apostels übereinstimmen, daß Fleisch und Blut" - die menschliche Natur also - das Reich Gottes nicht ererben können? (1. Kor. 15:50) Ist nicht den Nachfolgern des Herrn, denen, die treu sind bis in den Tod, verheißen, dem Bilde des Sohnes Gottes gleichförmig" oder gleichgestaltet" zu werden, damit Er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern? (s. Röm. 8:29) Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln", schreibt Paulus an Philippus, von woher wir auch den Herrn Jesum Christum als Heiland erwarten, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leibe der Herrlichkeit ...." Phil. 3:21
Wir wissen, daß unser Herr und Erlöser vor urdenklichen Zeiten als sophia" (= die Weisheit; s. Spr. 8; 1. Kor. 1:30) oder- in anderer Bezeichnung als logos" (= das Wort, oder der Wortführer Gottes) geboren wurde (Spr. 8:25) als das herrlichste Geistwesen nächst dem allmächtigen, ewigen Schöpfer aller Dinge. Aus Liebe zum Vater und zu den Menschen erniedrigte er sich freiwillig und wurde in unsere Menschennatur verwandelt.
Wir können uns zwar nicht vorstellen, wie das ist. Viele glauben, Jesus sei ein Teil des ewigen Gottes und nur mit einem menschlichen Leib überkleidet gewesen. Das aber ist undenkbar: es würde dem ganzen göttlichen Erlösungsplan widersprechen. Gott selbst konnte den Sünder nicht von der Verurteilung lösen; er hätte gegen sein eigenes Wort gehandelt.
Wer glaubt, daß Jesus Christus der Erretter aller Menschen ist, sollte schon annehmen, was geschrieben steht: daß der Gottessohn eine zweimalige Verwandlung seiner Natur erfuhr, nun aber Leben in sich selbst besitzt, das ihm der Vater gab, als er ihn für seine restlose Treue hoch erhob - über alle Namen. (Phil. 2:9) Er ist der göttlichen Natur gleich geworden, und alle menschlichen Vorstellungen, ihn noch einmal mit eigenen Augen zu sehen (in Jerusalem etwa, auf dem Ölberg stehend), sind in Widerspruch mit Gottes geschriebenem Wort.
Noch ein Kleines, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber sehet mich."
Die treuen Jünger sahen ihn mit Menschenaugen, und sie werden ihn sehen in seiner Herrlichkeit, wenn auch sie verwandelt sind in der ersten Auferstehung. Wie wir das Bild dessen von Staub (Adam) getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen (Jesu Christi) tragen." (1. Kor. 15:49) Dieses Apostelwort betrifft nur die Geheiligten in Christo Jesu", die berufenen Heiligen". - s. 1. Kor. 1:2
Aber auch alle übrigen der Menschen werden ein wunderbares Erbteil auf Erden bekommen, wenn sie wollen. Denn: Wie in dem Adam alle sterben, werden in dem Christus alle lebendig gemacht werden." - 1. Kor. 15:22
Denn
Christus ist wahrhaftig auferstanden!
Halleluja!