UNTER
EINER Vielzahl von Bezeichnungen gibt es viele Kirchen
im christlichen Raum, die sich auf vielerlei Glaubensschattierungen
der Lehre Jesu und seiner Apostel stützen. Angesichts dieser Verschiedenheit
von Ansichten und Auffassungen sollte man doch zunächst einmal zu ergründen
suchen, was Kirche wirklich ist, und welche Stellung Kirche
im Vorhaben Gottes einnimmt.
Die Frage ist die: bilden alle sich christlich nennenden Glaubensgruppen
zusammen d i e Kirche, oder existiert irgendwo eine Institution, die
allein berechtigt ist, den Namen Kirche Christi zu tragen?
Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, müssen wir in jedem Falle die
Heilige Schrift zu Rate ziehen. Keine weltliche Quelle kann uns darüber
Auskunft geben.
Die
Ekklesia
Im alten Testament ist
das Wort Kirche nicht zu finden. Wir hören es erstmals
aus dem Munde Jesu Christi, als er zu Petrus sagt: Aber auch
ich sage dir, daß du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine
Kirche bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.
Im griechischen Urtext steht hier für Kirche das Wort
ekklesia. Ekklesia bedeutet eine aus der allgemeinen Masse
herausgerufene Gruppe von Menschen. Luther übersetzte: Gemeinde,
die Elberfelder Übersetzung: Versammlung.. Der Herr aber
sagte zu seinen Jüngern: Ich habe euch aus der Welt auserwählt
(ausgesondert). (Joh. 15:19) Wenn den Wiedergaben Gemeinde
oder Versammlung die Bezeichnung herausgerufene
beigefügt worden wäre, hätten in bezug auf die Kirche Christi nicht
so viele Mißverständnisse Platz greifen können. Wir möchten gerne
auch die Formulierung herausgerufene Gemeinde gebrauchen,
weil in dem Ausdruck Gemeinde der tiefere Sinn jener einmaligen
Gemeinschaft verborgen zu liegen scheint, wie sie der Apostel Paulus
in 1. Kor. 12:12-20 und Eph. 4:4-7 beschreibt.
Ganz eindeutig also ist unter dem Begriff Kirche eine
Gruppe von Menschen zu verstehen, die durch die Annahme der Einladung
Jesu: Wer mir nachkommen will, nehme sein Kreuz auf sich und
folge mir nach, von der Welt und ihrem widergöttlichen Denken
abgesondert ist.
Die Kirche ist auch kein von Menschenhand errichtetes
Gebäude. Dieser Begriff ist erst im Laufe der Zeit entstanden. Zuerst
wurde Kirche auf die einzelnen Versammlungen an verschiedenen
Orten, später dann auf die unterschiedlichen christlichen
Glaubensrichtungen angewandt, bis er dann auf die Versammlungsgebäude
überging, in denen man die Gottesdienste abhielt.
Als nach den ersten Pfingsten die Zahl der Gläubigen zunahm, wurden
die sich auch außerhalb Israels immer weiter verbreitenden Zusammenkünfte
der Anhänger Jesu Christi nach dem Ort benannt, in dem sie beheimatet
waren. In Apg. 11:22 ist von der ekklesia die Rede, die
in Jerusalem war. In Röm. 16:5 übermittelt Paulus Grüße an die
ekklesia in ihrem Hause, d.h. im Hause von Priscilla und
Aquila; Briefe des Apostels sind gerichtet an die ekklesia,
die in Korinth ist, an die herausgerufenen Gemeinden von Galatien
und von Thessalonich. Wir lesen von den ekllesien in Antiochien, Cäsarea,
von Asien, von Mazedonien usw. Immer und in jedem Falle bleibt dem
griechischen Ausdruck ekklesia der Sinn des Herausrufens
und des Absonderns aus und von allem, was Gott, unserem Schöpfer,
entgegensteht und mißfällt.
In Offenbarung Kap. 2 und 3 werden sieben Versammlungen erwähnt und
nach den Städten benannt, in denen sie sich befanden. Ihnen wurden
besondere Botschaften gesandt, und alles spricht dafür, daß diese
sieben die Gesamtheit aller Gläubigen während des ganzen Zeitalters
repräsentieren. Hier haben wir eine weitere, eine umfassende Anwendung
des Wortes ekklesia oder Kirche, die alle Gläubigen an jeglichem Ort
der Erde bezeichnet, die der Herr als aus der Welt herausgerufen betrachtet,
um ihm und seiner Sache zu dienen.
Jesus hatte diese breitere Bedeutung des Wortes im Sinn, als er zu
Petrus sprach: Und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen.
Diesen Schluß zieht auch Paulus, wenn er in Eph. 1:22, 23 über unseren
Herrn schreibt: ...und (Gott) hat alles seinen Füßen unterworfen,
und ihn als Haupt über alles der herausgerufenen Gemeinde gegeben,
welche sein Leib ist. In demselben Sinne schreibt Paulus wiederum
von der Versammlung des lebendigen Gottes, die der
Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit ist. - 1. Tim. 3:15
In 1. Kor. 12:12,13 hebt Paulus den Gedanken hervor, daß die Kirche
der Leib Christi ist. Er schreibt: Denn gleichwie
der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes
aber, obgleich viele, ein Leib sind: also auch der Christus. Denn
auch in einem Geiste sind wir alle zu einem Leibe getauft worden,
es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind
alle mit einem Geiste getränkt worden.
Welchen
Zugang gibt es zur Kirche?
Wo findet der Suchende
die herausgerufene Gemeinde, die von Jesus und den Aposteln gegründet
wurde? Der Wegweiser zeigt klar und unmißverständlich in eine Richtung,
und diese lautet: Der Herr aber tat täglich zu der Versammlung
hinzu, die gerettet werden sollten. (Apg. 2:47) Das zeigt, daß
es vom Herrn abhängt, ob jemand ein Glied seiner Kirche wird.
Auf welche Weise aber fügt der Herr zu seiner Kirche hinzu? Niemand
kann zu mir kommen, es sei denn, daß der Vater, der mich gesandt hat,
ihn ziehe. (Joh. 6:44) Das ist die Antwort Jesu auf diese Frage.
Und - wie und wen zieht Gott? Der 51. Psalm mag am treffendsten ausdrücken,
was der Schöpfer an uns Menschen sucht: es ist das Erkennen unserer
Unvollkommenheit, unserer Sündhaftigkeit und das Wissen, daß wir in
unserer eigenen Gerechtigkeit vor Ihm nicht bestehen können. Dazu
erwartet er das aufrichtige Begehren eines zur Umkehr bereiten Herzens
nach der Gemeinschaft mit ihm, dem Vater, der in den Himmeln thront.
Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, O Gott, nicht
verachten! - Ps. 51:17
Jesus zeigt den Weg. Ich bin der Weg, sagt er in Joh.
14:6. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich, während
der Apostel Petrus nach Jesu Tod und Auferstehung vor den Obersten
seines Volkes das Zeugnis über Zweck und Sinn der Sendung des Gottessohnes
ablegt: und es ist in keinem anderen das Heil; denn auch kein
anderer Name ist unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben
worden ist, in welchem wir errettet werden müssen. - Apg. 4:12
So fügt der Herr zu seiner Kirche hinzu, wer in der rechten Herzensverfassung
den Weg geht und ihn, Jesus Christus, als seinen persönlichen Erlöser
und Erretter annimmt. Von grundlegender Wichtigkeit bei diesem Schritt
ist die Erkenntnis, daß dem in der Sünde Adams geborenen Menschen
nur durch das Verdienst des vergossenen Blutes des Sohn Gottes der
Weg zu einer Verbindung mit dem himmlischen Vater ermöglicht werden
kann.
Und nun kommt die Einladung, nicht der Befehl, uns aufgrund unseres
Vertrauens in das Verdienst des vergossenen Blutes des Erlösers in
vorbehaltloser Hingabe dem Willen Gottes unterzuordnen und ihm zu
folgen. Wir können diesen Willensentschluß als eine Weihung unserer
selbst für Gott betrachten. Und es sei betont, daß durch diese Weihung
der Gläubige sich Gott darstellt - nicht aber einem Menschen oder
einer von Menschen eingesetzten Obrigkeit. - Röm. 12:1, 2
Die Richtlinien der Schrift sind sehr bestimmt in ihrer Aussage, was
die Weihung für unser Leben bedeutet. Jesus sagt: Wenn jemand
mir nachkommen (d.h. mein Jünger sein) will, der verleugne sich selbst
und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. - Mat. 16:24
Sich selbst verleugnen heißt nicht nur, daß man einige
geringfügige Annehmlichkeiten oder Freuden aufgibt. Es ist mehr; es
ist genau das, was das Schriftwort sagt: vollständige Selbstverleugnung.
Dasselbe Wort wird in der Verleugnung Christi durch Petrus gebraucht,
als er erklärte: Ich kenne diesen Menschen nicht. Selbstverleugnung
heißt, sich selbst das Recht zu verweigern, den eigenen Willen anzuerkennen.
Wir entsagen unserem Willen und nehmen dafür den Willen Gottes an,
wie er durch Christum und das Wort ausgedrückt ist.
Was aber ist der göttliche Wille in diesem Fall? Er kommt in den Worten
zum Ausdruck: .... und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach.
Jesus gebrauchte die sinnbildliche Darstellung des Kreuztragens, um
damit den Gang in den Opfertod zu bezeichnen. Als der Herr diese Aufforderung
aussprach, war er dabei, sein Leben im Opfer niederzulegen. Dieses
Opfer wurde auf Golgatha vollendet, als er ausrief: Es ist vollbracht!
- Joh. 19:30
Wer nun Christi Einladung annimmt, sein Kreuz aufzunehmen und ihm
nachzufolgen, legt in gleicher Weise sein Leben im Opferdienst nieder.
Er wird nicht buchstäblich gekreuzigt, wenngleich dies zu Beginn des
Zeitalters einigen widerfuhr. Viele erlitten und erleiden auf andere
Weise Mit-Leiden und Mit-Opfern mit Christo. Bei jedem Nachfolger
des Meisters muß der Wille vorhanden sein, ohne Rücksicht auf die
Folgen zu dienen und auch zu leiden.
Dieses Nachfolgen in den Fußstapfen beschreibt Paulus als mit
ihm verwachsen zu sein in der Gleichheit seines Todes.
(Röm. 6:5) Ehe wir zu Christus kamen, waren wir tot (Kol.
2:13) in unseren Vergehungen und Sünden. Aber durch Glauben an das
Verdienst seines vergossenen Blutes und die Weihung, ihm nachzufolgen,
wohin immer er uns führt, sind wir von der adamischen Verurteilung
befreit. Dennoch sterben wir; jedoch nicht als Sünder, sondern als
Mit-Opferer mit unserem Herrn und Haupt. Paulus drückt diesen Gedanken
so aus: Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen
Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott
wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Dienst ist.
- Röm. 12:1
In
Christum getauft
In Röm. 6:3 schrieb Paulus:
Wisset ihr nicht, daß wir, so viele in Christum getauft worden
sind, in seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben
worden durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus aus
den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters,
also auch wir in Neuheit des Lebens wandeln sollten. (Diaglott)
Diese Taufe ist nicht eine Taufe in Wasser, sondern in Christum und
in seinen Tod.
Das Wort Taufe im neuen Testament ist die Übersetzung
eines griechischen Wortes, das die Bedeutung von Begraben
oder Untertauchen hat. Somit ist die Taufe in Christum
das Begraben unseres Willen in seinen Willen. Sie ist eine Taufe in
den Tod, weil es Gottes Wille ist, daß wir mit Chirsto sterben, und
nicht um der Sünde willen.
In Off. 20:4 ist dieser Gedanke durch den Ausdruck enthauptet
symbolisiert. Wir lesen von denen, die um des Zeugnisses Jesu
und um des Wortes Gottes willen enthauptet sind. Das ist kein
buchstäbliches Enthaupten, sondern die Darangabe unseres Willens,
(dargestellt durch das Haupt) und die Annahme Jesu Christi als unser
Haupt.
Paulus hebt den Sinn dieses Gedankengangs noch mehr hervor, wenn er
schreibt: In einem Geiste sind wir alle in einen Leib getauft
worden. (1. Kor. 12:13) Es ist der Einfluß des heiligen Geistes
durch das Wort der Wahrheit, daß wir zum Herrn gezogen und durch seine
Liebe angeleitet werden, ihm uns in völliger Weihung darzustellen.
Da diese Weihung, wie schon gesagt, das Aufgeben unseres eigenen Willens
und das Annehmen des Willens Gottes in Christo ist, wird unser Erlöser
auf diese Weise unser Haupt, und wir werden Glieder der
Kirche, die sein Leib ist.
Auf diese Weise fügt Gott durch die Macht seines Geistes zu der Kirche
Christi hinzu. Unser persönlicher Anteil besteht nur darin, uns dem
Geiste Gottes zu öffnen und dem Weg zu folgen, den das göttliche Wort
uns zeigt. Wie nun können wir wissen, ob der Herr uns tatsächlich
als Glieder (auf Probe) der Kirche, des Leibes Christi, anerkennt?
Wir lasen zuvor schon einmal in Röm. 6:4, daß wir nach unserer Taufe
in Christum In Neuheit des Lebens wandeln sollten. Ist
unser Leben neu geworden? Noch deutlicher drückt es 2.
Kor. 5:17 aus: Wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue
Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden.
Prüfen wir uns selbst! Ist das, was uns in früheren Jahren interessiert
hat, wirklich in dem Sinne vergangen, daß es keine Anziehungskraft
mehr auf uns ausübt? Liegt unsere größte Freude in dem Neuen,
das der Herr uns geschenkt hat: unsere Berufung in den göttlichen
Dienst, unsere neuen Hoffnungen, unsere neuen Ziele, unsere neuen
Bestrebungen?
Nachdem wir unserem Leben diese neue Richtung gegeben haben, kann
es sein, daß unsere nächste Umgebung, unsere Verwandten und Freunde,
uns nicht mehr verstehen. Je nach ihrer innerlichen Einstellung mögen
sie ganz einfach mit kühler Ablehnung oder mit Spott, vielleicht mit
häßlichen Bemerkungen, und hie und da auch mit fanatischem Übeltun
reagieren. Auf jeden Fall wird es eine Gemeinschaft, wie auf vorheriger
Basis, nicht mehr geben. Nicht, daß wir ihnen nun weniger zugetan
wären als zuvor; aber die Interessen dieser Welt stehen eben doch
in völligem Gegensatz zu den Angelegenheiten Gottes.
Machen wir derlei Erfahrungen?
Zum anderen schreibt der Apostel Paulus: Was kein Auge gesehen
und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist,
was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben, und fährt dann
fort: uns (aber) hat es Gott geoffenbart durch seinen Geist,
denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes. - 1.
Kor. 2:9, 10
Ist es möglich, daß es einem Sterblichen vergönnt sein soll, einen
Blick in die tiefen Gedanken Gottes zu werfen? Die Schrift sagt es.
Es liegt allein an uns, ob wir uns demütig und gläubig dem Worte Gottes
öffnen wir müssen selbst für uns feststellen, ob der Herr uns täglich
in ein tieferes Verständnis für seine wunderbaren Wahrheiten hineinführt.
Stellen wir uns vor allem die Frage: Werden uns die Tiefen
des göttlichen Wortes in bezug auf unsere Berufung in Christo Jesu
immer klarer und lichter, wenn wir Seinen Willen zu erkennen suchen
und es unser innigster Wunsch ist, ihn auch zu tun? Wenn ja, haben
wir einen weiteren Beweis dafür, daß wir angenommen sind und auf dem
Pfade der Gerechtigkeit geführt werden.
Wenn Jesus selbst sagt, daß niemand zu ihm kommen kann es sei denn,
daß der Vater ihn ziehe - wenn er sagt: Alles, was mir der Vater
gibt, wird zu mir kommen und wer zu mir kommt, den werde ich nicht
hinausstoßen, - welche weitere Gewißheit suchen wir noch? -
Joh. 6:37
Unsere Freude an den geistigen Dingen des neuen Lebensweges, unsere
Interessenlosigkeit vormaligen Wünschen und Idealen gegenüber, Mißverständnis
oder auch Mißfallen von Seiten unserer ehemaligen Interessengemeinschaft,
insbesondere aber das immer tiefere Eindringen in den Sinn und die
Herrlichkeit unserer Berufung dies alles sind doch Beweise dafür,
daß unsere Weihung vom Herrn angenommen wurde, und daß wir tatsächlich
in den Leib Christi, die Kirche, hineingetauft worden sind.
Die
Taufe in Wasser
Die Frage: Welchen
Sinn hat nun die Wassertaufe?, erhebt sich mit Recht. Wurde
doch Jesus selbst im Wasser des Jordan getauft. Johannes der Täufer
taufte in Wasser, und er taufte Israel zur Buße, zur Umkehr
von seinen widergöttlichen Wegen; denn das Reich der Himmel
ist nahe herbeigekommen! Die Vorbereitung auf den Messias Israels
- das war sein Auftrag und sein Werk, zu dem er ausersehen war.
Daß Jesus nach der Taufe verlangte, war für Johannes nicht zu verstehen,
denn Johannes wußte, das Jesus kein Sünder war, vielmehr der Heilige,
der Gerechte, den Gott durch den Mund seiner Propheten vorausgesagt
hatte.
Nun - die Taufe des Johannes galt nur für die Menschen Israels, für
die Juden. Sie sollte das Herz der Kinder zu ihren Vätern wenden,
wie geschrieben steht. (Mal. 4:6) D.h.: Israel sollte sich der Grundsätze
des Bundes erinnern, den Jhwh Gott einst mit ihren Vorfahren am Berge
Sinai geschlossen hatte; sie sollten Umkehr halten von ihren bösen
Wegen. Jesus faßte später den Inhalt jenes Bundes in den einfachen
Worten zusammen:
Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen
und mit deiner ganzen Seele
und mit deinem ganzen Verstande.
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
-Mat. 22:37-40
Jesus, der Reine, der Gerechte, bedurfte keiner Umkehr. Als er Johannes
bat, ihn zu taufen, sagte er nur: Laß es jetzt so sein, denn
also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. (Mat. 3:15)
Es ist Jesu BeispieI, dem wir folgen, wenn auch wir uns im Wasser
untertauchen lassen. Für Jesus war die Wassertaufe Sinnbild seines
Gelöbnisses, sich zu opfern und sein Leben zu geben für das Leben
der Welt; sie war die Kundgebung seiner unverbrüchlichen Hoffnung,
aus dem Tode wieder auferweckt zu werden.
Wie überzeugend veranschaulicht das Untertauchen in Wasser diese beiden
Gedanken! Wenn der Täufling durch den Taufenden in das Wasser versenkt
wird, ist er dessen Händen überlassen und müßte unter Wasser bleiben
wie im Tode, wenn er nicht wieder emporgehoben würde. So geben wir
in unserer Weihung uns selbst auf, um mit Christo zu sterben, gleichzeitig
aber erfüllt uns die Hoffnung, (angespornt durch die Verheißungen
Gottes) - ebenso wie unser Vorläufer und Haupt aus dem Todeszustand
auferweckt zu werden, um in dem herrlichen Zukunftswerk tätig sein
zu dürfen, das der ewige Gott seinem Sohne, ja, dem ganzen Christus-Leib
zugesichert hat.
Die Wassertaufe ist also ein Sinnbi1d unserer Herzenstaufe in Christum.
Ist sie erforderlich? Nicht in dem Sinne einer Vorschrift, um errettet
zu werden. Da der Gläubige aber durch das Untertauchen in Wasser seinem
eigenen Willen entsagt und an dessen Stelle Gottes Willen annimmt,
wird er freudig anerkennen, daß das Symbol der Wassertaufe ein Teil
des göttlichen Willens für jeden Nachfolger des Herrn ist. Und er
wird mit den Worten des Psalmisten sprechen: Ich will Jhwh mein
Gelübde bezahlen, ja, in der Gegenwart seines ganzen Volkes.
- Ps. 116:14
Der
Aufbau der Kirche
Die Heilige Schrift zeigt
nicht, daß die verschiedenen örtlichen Gruppen der Herausgerufenen
in jenen Anfangsiahren des Christentums komplizierte organisatorische
Einrichtungen hatten. Auch lehrt die Bibel nicht, daß Gott für die
Kirche als Gesamtheit einen gewaltigen Ordnungsapparat geplant hätte.
Dennoch fanden auch die ersten Zusammenkünfte der damaligen Zeit nicht
ohne Ordnung statt. Es gab verschiedene Dienstvorrechte, die einzelnen
Gliedern der Kirche ihren besonderen Fähigkeiten entsprechend übertragen
wurden.
Im Aufbau der Urkirche wurde Jesus nach seinen eigenen Anweisungen
allgemein als das Haupt anerkannt; lehrte er doch, daß sich die Gläubigen
mit ihren Gaben und Ämtern vor den Menschen nicht großtun sollten;
sie sollten sich stets bewußt sein, daß sie zu Dienern des neuen Bundes
erzogen werden und heranwachsen sollen. (2. Kor. 3:6) Darum: Laßt
euch nicht Rabbi nennen, denn einer ist euer Lehrer; ihr alle aber
seid Brüder. Laßt euch auch nicht Meister (Lehrmeister oder Führer)
nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus. - Mat. 23:8-12
Paulus schreibt in seinem Brief an die Epheser Kap. 5:23: Denn
der Mann ist das Haupt des Weibes, wie auch der Christus das Haupt
der Versammlung ist; er ist des Leibes Heiland. Denselben Gedanken
legt der Apostel in 1. Kor. 11:3 dar: Ich will aber, daß ihr
wisset, daß der Christus das Haupt eines jeden Mannes ist, .. .des
Christus Haupt aber Gott.
Jesus ist nicht nur das Haupt seiner Kirche - er ist auch ihr Fundament.
Denn einen anderen Grund kann niemand legen, schreibt
Paulus an die Korinther, außer dem, der gelegt ist, welcher
ist Jesus Christus. (1. Kor. 3:11) In Eph. 2:19-22 erfahren
wir, wie auf diesem Fundament ein Haus Gottes im Geiste aufgebaut
wird, in dem Jesus Christus selbst Eckstein ist.
So ist Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, sowohl Grundlage
als auch Eckstein jener Behausung Gottes im Geiste, die
auf stille und wunderbare Weise seit den ersten Pfingsten heranwächst
bis zu ihrer baldigen Vollendung. Ein jedes einzelne Glied dieses
geistigen Leibes, oder: ein jeder einzelne Stein dieses
heiligen Tempels im Herrn, den wir Kirche nennen, wird
inmitten dieser Welt des Bösen zubereitet und zugeschliffen. Aufgebaut
auf die Grundlage der Apostel und Propheten, wächst es (oder
er) heran als Hausgenosse Gottes, um - wenn treu erfunden
bis zum Tode - von Gottes Hand eingefügt zu werden in dieses göttliche
Bauwerk, dessen Herrlichkeit unsere menschlichen Vorstellungen niemals
erreichen können.
Auf
diesen Felsen will ich meine Kirche bauen
Denn einen anderen
Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus
Christus. Dieses inspirierte Wort des großen Apostels Paulus
ist so unmißverständlich klar ausgedrückt, daß es wirklich erstaunlich
ist, wie es zu dem Mißverständnis des Matthäustextes kommen konnte.
Die Auslegung, daß mit dem Felsen, auf dem der Herr seine
Kirche baut, der Apostel Petrus gemeint sei, wird von Petrus selbst
in seinem ersten Brief Kap. 2:4-10 gleicherweise widerlegt.
Wir haben heute so gute Hilfsmittel zur Erforschung der Bibel, daß
der griechische Text jenes bedeutungsvollen Ausspruchs Jesu auch von
einem Laien geprüft werden kann. Wir wollen hier nicht weit ausholen,
da den meisten unserer Leser die Klippe jenes Textes bekannt
ist.
Auf die Frage unseres Herrn: Ihr aber, wer saget ihr, daß ich
sei?, hatte Petrus durch die Kraft des Geistes Gottes jenes
Bekenntnis abgelegt, das von der Zeit ab bis in alle Ewigkeiten Ausgangspunkt
und Fundament einer jeglichen Beziehung zwischen Gott und Mensch ist
und bleiben wird:
Du
bist der Christus
der Sohn des lebendigen Gottes!
- Mat. 16:15,16
Diese grundlegende Erkenntnis
ist auch der Fels, auf dem der Herr seine herausgerufene
Gemeinde aufbaut. Im griechischen Text sind hier zwei Worte gleichen
Stammes, aber von verschiedener Bedeutung angewandt. Wo Jesus sagt
(Mat. 16:18): Aber auch ich sage dir, daß du bist Petrus...,
steht im Griechischen das Wort petros, was Felsstück
oder Felsbrocken bedeutet. Hingegen, wo der Herr erklärt:
.... und auf diesen Fe1sen will ich meine Kirche bauen,
steht das griechische Wort petra geschrieben. Petra aber
hat die Bedeutung von Felsmasse oder Urgestein.
Im ganzen neuen Testament finden wir petra, (wenn es sich
nicht gerade auf eine natürliche Felsmasse bezieht, wie z.B. in Mat.
27:60), stets dem Sinne nach auf Jesus Christus angewandt. Es ist
demnach ganz eindeutig der Fels Jesus Christus, auf dem
die Behausung Gottes im Geiste, die ekklesia, die Kirche
Christi, gegründet ist. Wer ist es, der die Welt überwindet,
wenn nicht der, welcher glaubt, daß Jesus der Sohn Gottes ist?,
schreibt Johannes in 1. Joh. 5:5.
Der Name Petros aber, den der Herr seinem Jünger Simon,
Bar Jona, zueignete, zeigt, wie feinsinnig und durch und durch weise
die Heilige Schrift zu uns spricht. Petros (lat. Petrus), ein Stück
vom Urfelsen, führt unsere Gedanken sowohl zu der Darstellung des
Leibes Christi, in dem die vielen Glieder oder Teilstücke
zu einem Ganzen zusammenwachsen, als auch zu dem Bild des Tempelbaues
in der schon erwähnten Schriftstelle Eph. 2:20-22, in dem auch
ihr selbst als lebendige Steine aufgebaut werdet, wie Petrus
bezeugt. - 1. Pet. 2:5
Petrus, ein lebendiger Stein in dem gewachsenen Urgestein Jesus Christus,
war der erste, der das Bekenntnis ablegte, das zum unerschütterlichen
Glaubensgrund eines jeden der lebendigen Steine gehört, die sich auf
den Weg der Nachfolge Christi begeben haben.
Zwölf
Apostel
Nach göttlicher Anordnung
sollte die ganze Kirche, von Pfingsten bis zum Ende des Zeitalters,
durch zwölf besonders von Gott bestimmte Apostel bedient werden. In
Ubereinstimmung mit dem Willen des Vaters wählte Jesus genau zwölf
Männer, die während der Zeit seines Auftrages auf Erden mit ihm wandeln
und durch ihn die Erkenntnis des göttlichen Willens und Handelns erlangen
sollten. Ihre Namen finden wir aufgezeichnet in Mat. 10:2-4. Diese
waren Augenzeugen des dreieinhalbjährigen wunderbaren Opferweges unseres
Herrn, und wie niemand sonst geeignet, die Wahrheit über Sendung und
Leben Jesu an alle Generationen gläubiger Menschen weiterzugeben.
Judas erwies sich, wie wir wissen, als untreu, und die Schrift zeigt,
daß Matthias (Apg. 1:23-26) vom Herrn an dessen Stelle gesetzt wurde.
Ihr habt nicht mich auserwählt, sondern ich habe euch auserwählt,
ist ein Ausspruch des Herrn. (Joh. 15:16)
Der griechische Ausdruck apostolos bedeutet ganz einfach
Gesandter, Botschafter oder Bote.
Von diesem umfassenden Standpunkt aus ist jeder Nachfolger Christi
ein Apostel, wie Paulus in 2. Kor. 5:20 bezeugt: So
sind wir nun Gesandte für Christum... Apostolos
wird allerdings auch auf andere als nur auf die zwölf Apostel des
Herrn angewandt, doch bedeutet dies nicht, daß sie dieselbe hohe Autoritätsstellung
in der Kirche einnahmen, die jenen vom Herrn durch göttliche Voll-macht
besonders Erwähnten verliehen worden war.
Die zwölf Apostel waren mehr als nur Prediger des Evangeliums. Sie
waren auf wunderbare Weise durch den heiligen Geist inspiriert, der
sie befähigt hatte, nicht allein sich an alles zu erinnern (Joh. 14:26),
was der Herr geredet und getan hatte, sondern auch die Wahrheiten
des Evangeliums mit Autorität und Genauigkeit auszusprechen und niederzuschreiben.
Ihr Wort war und ist für jeden Christen Gesetz.
Wegen dieser besonderen Stellung, die die zwölf Apostel des Herrn
im Aufbau der Kirche einnehmen, wird in 0ff. 21:10, 11 und 14 die
vollendete ekklesia als eine Stadt dargestellt, herniederkommend
aus dem Himmel von Gott; und sie hatte die Herrlichkeit Gottes...
Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundlagen, und auf denselben
zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes.
Andere
Diener
Paulus berichtet in Eph.
4:11, daß der Herr in seiner Kirche außer den Aposteln noch andere
Diener vorgesehen habe. Und er hat die einen gegeben als Apostel,
und andere als Propheten, und andere als Evangelisten, und andere
als Hirten und Lehrer ... für die Auferbauung des Leibes Christi.
Durch das Zeugnis des Apostels Petrus wissen wir, daß die heiligen
Propheten des alten Testamentes Männer Gottes waren, welche
redeten, getrieben vom heiligen Geiste. (2. Pet. 1:21)
Darum ist ihr Wort für uns ebenso authentisch wie das der Apostel.
Jene Propheten aber, von denen Paulus in Eph. 4:11 spricht,
waren nicht identisch mit den alten Glaubenshelden; sie waren nicht
inspiriert, wohl aber als öffentliche Erklärer des Evangeliums eingesetzt.
Alle diese Diener nun sind für die Kirche Christi von großer Wichtigkeit.
Nicht einer von ihnen jedoch stand und steht unter Inspiration des
heiligen Geistes, wie es bei den zwölf Aposteln des Herrn der Fall
war, noch wurden oder werden sie auf gleich wunderbare Weise berufen.
Während also von Pfingsten bis jetzt das ganze Zeitalter hindurch
Jesus Christus das Haupt seiner ganzen herausgerufenen Gemeinde ist,
die Apostel aber ihre inspirierten Diener sind, sollten alle anderen
Mitarbeiter durch die Glieder der einzelnen Versammlungen selbst gewählt
werden.
Titus z.B. wurde von Paulus beauftragt, in jeder Stadt Älteste anzustellen.
(Titus 1:5) Die Bezeichnung Ältester gilt gewöhnlich für
alle, die der Versammlung in geistiger Hinsicht dienen. Das griechische
Wort presbyteros bezeichnet einen schon Herangereiften.
So sollte ein Ältester in der Kirche gesund im Glauben und geistig
reif an Erfahrung sein.
Auch die Bezeichnung Bischof (nach Luther) wird im neuen
Testament gebraucht und auf dienende Brüder angewandt, die von den
einzelnen Versammlungen gewählt werden. Das entsprechende griechische
Wort episkopos heißt so viel wie Aufseher.
Alle Ältesten sind mit Recht - je nach Gelegenheit und Fähigkeit -
Aufseher in der Kirche, denn es ist ihre Pflicht, über die Herde Gottes
zu wachen und für ihre Bedürfnisse, insbesondere in geistiger Hinsicht,
zu sorgen.
In Verbindung mit den Einrichtungen der Urkirche treffen wir einige
Male auch auf das Amt eines Diakon. Das griechische diakonos
steht für eine Person, die Aufträge ausführt oder Beistand leistet.
Die ersten Diakone wurden in der Versammlung zu Jerusalem bestellt.
- 5. Apg. 6:2-4
Die Anforderungen an alle, die von der Versammlung mit Recht gewählt
werden können, um als Älteste oder Aufseher und als Diakone den Geschwistern
zu dienen, werden von Paulus in seinem ersten Brief an Timotheus (Kap.
3:1-13) dargelegt. Unter ihnen finden wir den Ausdruck lehrfähig
oder lehrtüchtig, der nichts anderes aussagen kann, als
daß der Älteste oder Aufseher fähig und tüchtig sein muß, die Wahrheit
des in der Heiligen Schrift geoffenbarten göttlichen Ratschlusses
darzulegen und das geistige Wachstum der Lernenden zu fördern. Jede
Gruppe von Gläubigen und dem Herrn Geweihten - mag sie zahlreich oder
weniger zahlreich sein - die Brüder hat, die diesen Anforderungen
entsprechen, ist durch die Schrift ermächtigt, sie für diese Dienste
zu wählen.
Diese absolute Freiheit des Gewissens aller, als auch die Freiheit
jedes einzelnen, seine Gaben und Fähigkeiten in den Dienst des Herrn
zu stellen, zudem das Fehlen jeder Behörde, die berufen gewesen wäre,
anzuordnen oder zu verbieten, ist eines der hervorragenden Merkmale
der Urkirche. Wir sollten sie in unserem Denken und Handeln nachahmen.
Die Kirche Christi hat allein ihr Haupt, Jesus Christus, von dem sie
ihre Richtlinien empfängt. Unter diesen Richtlinien ist eine der vornehmsten:
Dienet einander durch die Liebe, nichts aus Parteisucht
oder eitlem Ruhm tuend, sondern in der Demut einer den anderen höher
achtend als sich selbst; ein jeder nicht auf das Seinige sehend, sondern
ein jeder auf das der anderen. Denn diese Gesinnung sei in euch, die
auch in Christo Jesu war. - Gal. 5:13; Phil. 2:3-5
Nach dem biblischen Bericht hielten z. Zt. der Apostel viele der einzelnen
Versammlungen ihre regelmäßigen Zusammenkünfte in den Heimen und Häusern
ihrer Brüder und Schwestern ab. So auch heute. Und heute - wie in
der Vergangenheit - schenkt der Herr seinen Segen allen, die ihn lieben,
allen, die in schriftgemäßem Sinne als herausgerufene Gemeinde zusammenwirken.
Dazu bedarf es keiner Mitgliederliste und keines hochorganisierten
Beamtenapparates Wo das Gesetz des Christus herrscht, entsteht niemals
Durcheinander oder gegenseitige Betrübnis; wohl aber ist da eine innige
Gemeinschaft, in der einer den anderen höher achtet als sich selbst;
eine große weltweite Familie, die in der Liebe Gottes zusammensteht.
Sinn
und Auftrag der herausgerufenen Gemeinde
Wir haben zu erklären versucht,
was Kirche ist - wer sie baut, auf welchem
Fundament sie errichtet wird und wer ihr Herr und Haupt ist. Ganz
bestimmt ruft Gott dieses Wunderwerk des Geistes nicht ohne Absicht
ins Leben.
Wir haben gehört, daß Gott Menschen zieht, daß er sie
zu Jesus zieht. Das ist ein Herausrufen aus der großen Menge. Wir
haben auch den Weg vernommen, den der Herausgerufene nach Gottes Willen
gehen darf und soll: es ist ein schmaler, ein beschwerlicher Weg.
Er führt zwar weg von der Sünde, aber er führt auch durch Leiden für
Christum in den Tod; und - er führt in ein Leben des Geistes und der
charakterlichen Umgestaltung. Dieser Weg endet in der Gottesebenbildlichkeit
auf geistiger Lebensstufe.
Adam war auch in Gottes Ebenbild erschaffen, aber er war von der Erde
genommen; er war ein materielles Abbild der Eigenschaften Gottes.
Gott hat aber eine Neuschöpfung beschlossen - eine Braut für seinen
Sohn, eine geistige Familie auf seiner eigenen Lebensstufe; und sie
ist das Geheimnis, welches von den Zeitaltern und den Geschlechtern
her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen geoffenbart worden ist.
Kol.1:26) Das so schwer Begreifliche an diesem Gotteswerk ist, daß
außer seinem eingeborenen Sohn, den Gott sowohl als Fundament als
auch Haupt-Eckstein in diesem seinem Wunderwerk gesetzt hat, alle
übrigen Glieder dieser heranwachsenden Gottesfamilie aus dem gefallenen,
sündigen, unvollkommenen Menschengeschlecht herausgewählt werden.
Und jedes einzelne Glied dieser wunderbaren Einheit in Christo erfährt,
wenn es gehorsam im göttlichen Willen bleibt, inmitten dieser Welt
des Bösen eine Umformung der Gesinnung in das Abbild Jesu Christi.
Nur im Glauben ist dieser göttliche Gedanke zu fassen.
Das Bauen der ekklesia ist an einer anderen
Stelle der Schrift auch mit einer Geburt verglichen. Was hier auf
Erden in dem unvollkommenen Menschen vor sich geht, ist gleichsam
wie die Zeugung und die Entwicklung eines Embryos. Die Geburt erfolgt
auf der Lebensstufe, die von Gott vorgesehen ist.
Wer in den Tod Christi getauft ist, um sein durch den Erlöser zurückgekauftes
irdisches Lebensrecht freiwillig zu opfern, um in sich das geistige
Embryo zu empfangen, der bedarf auch einer Auferweckung aus dem Tode;
und um dieser Hoffnung willen ist der Herausgerufene enthauptet,
hat er allem entsagt und folgt dem, der für ihn gestorben ist und
ihn freigekauft hat von der Sünde.
Ist Christus nur für seine herausgerufene Gemeinde gestorben? Was
geschieht mit der übrigen Menschheit? Hören wir, was der Apostel Jakobus
aussagt: Nach seinem (des Vaters der Lichter) eigenen Willen
hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt, auf daß wir eine gewisse
Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien. (Jak. 1:18) Und diese
sind aus den Menschen erkauft, als Erstlinge Gott und dem Lamme.
-0ff. 14:4
Wir müßten zu weit ausholen, um die Stellung dieser Erstlinge
im Vorhaben Gottes durch die ganze Schrift hindurch zu verfolgen.
Aber auch diese beiden angeführten Schriftzeugnisse zeigen bereits,
daß die Errichtung der Kirche Christi nicht Gottes vollständiger Ratschluß
mit den Menschenkindern ist, sondern sozusagen den ersten Teil seines
gewaltigen Erlösungsplanes darstellt.
Jeder Leser der Heiligen Schrift kennt Jesu Worte: Wundert euch
darüber nicht, denn es kommt eine Stunde, in welcher alle, die in
den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden.
(Joh. 5:28) Und so legt auch Paulus in 1. Kor. 15 sehr deutlich dar,
daß die Lebenshoffnung sowohl der Erstlingsfrucht als auch der ganzen
übrigen Menschheit von der Auferstehung aus den Toten abhängt. Gleichzeitig
gibt er aber auch die Gewißheit der Auferstehung und sagt: Gleichwie
in dem Adam alle sterben, also werden auch in dem Christus alle lebendig
gemacht werden. (Vs. 22) Und in 1. Tim. 2:6 deutet er auf den
Erlöser hin und sagt: .... .der Mensch Christus Jesus, der
sich selbst gab zum Lösegeld für alle.
Himmlische
und irdische Leiber
In seiner ausführlichen Belehrung über die Auferstehung aus den Toten
zeigt Paulus nun, daß einige einen himmlischen, andere einen menschlich-irdischen
Leib erhalten werden. Der entscheidende Faktor ist in jedem Falle
die Art des Samens oder des nackten Korns,
das gesät wird. (Vse. 37, 38) Das nackte Korn bedeutet
die Gesamtsumme der Lebenszeitgedanken eines menschlichen Individuums.
Wir sprachen über die Herausgerufenen, die durch ihre
Weihung in den Willen Gottes mit Christo im Opfertod begraben
sind. In den ihnen verbleibenden Jahren ihres Erdendaseins wandeln
sie dennoch in Neuheit des Lebens. (Röm. 6:4) Während
ihres irdischen Pilgerlaufes sinnen sie auf das, was droben
ist, und durch Glauben sitzen sie mit Christo ,in himmlischen
Örtern. Somit säen sie mit ihrem Tode geistige,
dem Christus ähnliche Charaktere. Ihnen wird ein himmlischer Leib
gegeben werden; sie wurden dafür zubereitet. Dies ist die erste
Auferstehung, auf die in 0ff. 20:5 hingewiesen ist.
Die meisten Menschen jedoch sind an Gottes Gedanken nicht interessiert.
Das heißt notwendigerweise nicht, daß sie böse sind. Die
meisten sind es nicht. Und doch rechnet Gott sie zu den Ungerechten,
die sie auch sind und bleiben, solange sie das Lösegeld Jesu Christi
nicht im Glauben für sich in Anspruch genommen haben. Adams Ungerechtigkeit
ist unser aller Erbteil; allein das Opfer unseres Herrn kann diese
Ungerechügkeit vor Gott bedecken.
Gott verurteilt denjenigen nicht, der nicht nach dem Himmlischen strebt.
Aber - was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten.
(Gal. 6:7, 8) Es ist nur natürlich, daß der irdisch Gesinnte auch
als irdisch-menschIiches Wesen aus dem Tode auferweckt wird. Und
es gibt himmlische Leiber und irdische Leiber, heißt es in 1.
Kor.15:40.
Von der ersten, der himmlischen Auferstehung sprechend, schreibt Paulus:
Es wird gesät in Verwesung, es wird auferweckt in Unverweslichkeit.
Es wird gesät in Unehre, es wird auferweckt in Herrlichkeit; es wird
gesät in Schwachheit, es wird auferweckt in Kraft; es wird gesät ein
natürlicher Leib, es wird auferweckt ein geistiger Leib. Und
er fügt hinzu: ,,Wenn es einen natürlichen Leib gibt, so gibt es auch
einen geistigen. -Vse. 42-44
Mit anderen Worten - der Apostel will begreiflich machen, daß es zwei
Arten und zwei Phasen der Auferstehung gibt: eine himmlische und eine
irdische; eine Auferstehung der Gerechten und der Ungerechten; eine
Auferstehung zum Leben (in Herrlichkeit mit Christo Jesu), und eine
Auferstehung zum Gericht (zur Wiederaufrichtung in das irdische Ebenbild
Gottes). - Apg. 24:15; Joh. 5:29
In der ersten Auferstehung erfolgt ein Wechsel der Natur, wie es auch
bei unserem Herrn geschehen ist. Es ist die Auferstehung zum Leben,
wie Johannes bezeugt: Über diese hat der zweite Tod keine Gewalt.
(0ff. 20:6) Die Auferstehung der Ungerechten zum Gericht
indessen ist in der biblischen Sprache ganz deutlich abgegrenzt; es
ist seltsam und fast unbegreiflich, welche Blüten der meist schrecklichen
Phantasie um diese zweite Auferstehung entstanden sind.
Gott
will...
Gott will, daß alle
Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
(1. Tim. 2:4) Auch dieses von Gott inspirierte Wort wird in vielen
Fällen übersehen oder mißdeutet, weil die Überlieferung von Hölle
und einem furchterregenden Gott des Gerichts die Jahrhunderte überdauert
und sich von Generation zu Generation in dem christlichen
Glauben verwachsen hat. Das Studium über das so gefürchtete Gericht
steht auf einem anderen Blatt, auf dem sich die Wahrheit des Wortes
Gottes gegen die Hartnäckigkeit menschlicher Überlieferung stellt.
Gott will, daß alle Menschen errettet werden. Von was
errettet? Vom Todesurteil, von der ewigen Vernichtung!
Und da Gottes Wille in jedem Fall zur Ausführung kommt, hat diese
Errettung bereits stattgefunden, und zwar durch den Menschen Jesus
Christus, der durch Gottes Gnade für alle den Tod schmeckte.
- Hebr. 2:9
Was nun? Wenn ich im Gefängnis sitze und weiß nichts davon, daß einer
meine Schuld bereits bezahlt hat - was nutzt mir diese Bürgschaft?
Oder - es reicht sich mir eine Hand, und eine Stimme sagt: Komm
heraus aus deinem Verlies, du bist frei; ich aber nehme diese
Hand nicht - ich glaube nicht, was die Stimme sagt...?
Die meisten Menschen befinden sich in dieser Lage. Solange der Einfluß
des Bösen unser Geschlecht in Blindheit gefangenhält, so lange werden
die meisten Gefangenen des Todes nicht errettet werden
können.
Gottes Weisheit ist so unendlich groß. Wie hat er doch diese ganze
Entwicklung des menschlichen Verhaltens vorausgesehen und den großartigsten
Ausweg geschaffen: die Errettung durch seinen eingeborenen Sohn und
die Aufgabe der Kirche Christi!
Wenn die herausgerufene Gemeinde als Leib Christi vollendet
ist - wenn sie als die heilige Stadt, das neue Jerusalem
auf der Lebensstufe unverweslicher Natur geboren worden ist, dann
wird dieses Bollwerk göttlicher Liebe, Gerechtigkeit, Weisheit und
Macht die Gewalt des Bösen besiegen und die Menschheit von ihrer Gefangenschaft
befreien: einen jeden , der sich im Gefängnis des Todes befindet.
Für Gott erkauft aus jedem Stamm und Sprache und Volk und Nation,
hast du sie unserem Gott zu Königen und Priestern gemacht, und
sie werden über die Erde herrschen, heißt es in 0ff. 5:9,10
Gott will...! Jesus sagte einst zu seinen Jüngern: Wahrlich,
wahrlich: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich
tue, und wird größere als diese tun... (Joh. 14:12) Ja, die
Stunde kommt mit derselben Gewißheit, wie ein allmächtiger Gott im
Himmel wohnt, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme
hören und hervorkommen werden... Denn errettet sind sie. Dann
aber werden sie die Stimme hören und die Hand ergreifen, und Gottes
Wille wird in Erfüllung gehen, wie der Prophet aussagt: Denn
wenn deine (Gottes) Gerichte die Erde treffen, so lernen Gerechtigkeit
die Bewohner des Erdkreises. (Jes. 26:9) Denn Sie werden
alle von Gott (durch Christus Haupt und Leib) gelehrt sein.
(Joh. 6:45) Alle Menschen, die je gelebt haben, werden vom Tode auferweckt
und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Das ist die Aufgabe der Herausgerufenen nach ihrer Vollendung:
Freiheit auszurufen den Gefangenen und Öffnung des Kerkers den
Gebundenen; um zu verbinden, die gebrochenen Herzens sind. (Jes.
61:1, 2) Lehren werden sie die Übertreter Gottes Wege, und die Sünder
werden zu ihm umkehren. (s. Ps. 51:13) Als Mittler zwischen Schöpfer
und Geschöpf wird von dem Christus jedwede Hilfe ausgehen, die zur
Wiederherstellung des Gottesbildes in einem jeden willigen Menschen
benötigt wird.
Wenn dann Gottes Wille mit seinen geliebten Menschenkindern ganz erfüllt
ist, wenn jedes Knie sich beugt im Namen Jesu Christi
zur Verherrlichung des himmlischen Vaters (Phil. 2:10,11), wird auch
das Prophetenwort erfüllt sein: Verschlungen ist der Tod in
Sieg. Wo ist, o Tod, dein Stachel? Wo ist, o Tod, dein Sieg?
- 1. Kor. 15:54, 55; Jes. 25:8; Hos. 13:14
Niemand kann größeren Frieden und größere Freude erfahren als der
Mensch, der mit Gott ausgesöhnt ist und ein Leben in vollkommener
Harmonie mit ihm führt. Es ist ohne Zweifel ein kaum faßbar gesegnetes
Vorrecht, heute zu den Herausgerufenen gehören zu dürfen.
Denn der Herr segnet dieses sein Volk (Apg. 15:14), insbesondere
durch die Offenbarung all der Schönheiten seines Erlösungsratschlusses
für die ganze Erde. Ihr Leben, ihre Liebe, ihre Hoffnung liegt mit
in den Worten des Apostels Petrus: Wir erwarten aber, nach seiner
Verheißung, neue Himmel und eine neue Erde, in welchen Gerechtigkeit
wohnt. - 2. Petr. 3:13
Hinblickend auf die wunderbare Weisheit dieses Planes und auf die
allumfassende Liebe unseres Schöpfers können wir nur in tiefer Demut
und Dankbarkeit mit den Worten des Apostels Paulus sprechen:
O
Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes!
Wie unausforschlich sind seine Gerichte, und unausspürbar seine Wege!
Denn wer hat der Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mitarbeiter
gewesen? Oder wer hat ihm zuvorgegeben, und es wird ihm vergolten
werden? Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm
sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen. - Röm. 11:33-36
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