Trost für die in

Lauterkeit Wandelnden


    „In meiner Lauterkeit hast du mich aufrecht gehalten und mich vor dich gestellt auf ewig.“ - Ps. 41:12

DIESE WORTE schrieb König David vor über dreitausend Jahren. Wie aber kann ein Mann, der immerhin schwere Sünden auf sich geladen hatte, zu seinem Gott von „Lauterkeit“ reden? Es war die Demut seines Herzens, mit der er seine Sünden bekannte und in der er Jhwh um Vergebung bat. Er nahm Zurechtweisungen an, änderte seine Handlungsweise und bewies dadurch, daß sein Herz mit Liebe zu Gott erfüllt war (s. Ps. 26:1-12) Darum wird von ihm gesagt, daß er „in Lauterkeit des Herzens und in Geradheit“ wandelte. (1. Kön. 9:4) Auch wir können eine solche Liebe offenbaren, wenn wir in Lauterkeit unseres Herzens wandeln.

Wenn unser natürliches Herz einer Untersuchung bedarf wieviel mehr das sinnbildliche, das geistige „Herz“. Gott untersucht es; und wir sollten das auch tun.

Wir alle sind unvollkommen und können daher den gerechten Maßstäben Gottes nicht völlig entsprechen. Denn wir alle straucheln in vieler Hinsicht, ob im Reden oder im Handeln. (Jak. 3:2) Daher verstehen wir unter dem Begriff der „Lauterkeit des Herzens“ vielmehr die Ganzherzigkeit oder die völlige Herzensweihung Gott und seinem Willen gegenüber. Diese Lauterkeit zu bewahren ist uns möglich, wenn wir fest an unseren Himmlischen Vater glauben, ihm unerschütterlich vertrauen und uns auf seine Macht, uns zu retten, verlassen.

„Nur auf Gott vertraut still meine Seele,
von ihm kommt meine Rettung.
Nur auf Gott vertraue still meine Seele! denn von ihm kommt meine Erwartung. Nur er ist mein Fels und meine Rettung, meine hohe Feste; ich werde nicht wanken.
Auf Gott ruht mein Heil und meine Herrlichkeit'
der Fels meiner Stärke, meine Zuflucht, ist Gott.
Vertrauet auf ihn allezeit, oVolk!
schüttet vor ihm aus euer Herz!
Gott ist unsere Zuflucht! - Ps. 62; 1,5-8

Wie klar und schön ist doch in diesen Psalmworten gesagt, daß wir in jeder schwierigen Situation und in jeder schmerzlichen Erfahrung, die an uns herantritt, sofort im Herzen still werden und all unser Vertrauen nur auf unseren gütigen Himmlischen Vater richten sollen.

Eine große Wolke um uns

Wir bilden sozusagen das Ende einer langen Kette von treuen Zeugen Gottes. Sie geht bis auf Abel zurück, und zu ihr gehören außer Abel Männer und Frauen wie Henoch, Noah, Abraham, Sara, Isaak, Jakob, Joseph, Moses, Rahab, Gideon usw. (s. Hebr 11:1-12:1) Trotz schwerster Versuchungen wich auch Hiob nicht vom Wege Gottes ab. Vorbehaltlos vertraute er auf den Höchsten. Fest bewahrte er die Lauterkeit seines Herzens (Hiob 27:5,5), und auch durch seine Treue machte er Gottes Widersacher zum Lügner

Mit Ausdauer und in der Kraft Gottes erduldete der Apostel Paulus vieles: Gefängnis, Schläge Schiffbruch, Gefahren, Durst, Kälte und Blöße. Auch war er „oft in Todesgefahren“. (2. Kor 11:23-27) Paulus hat sich nie geschont; er ertrug diese Härten um seines göttlichen Auftrages willen, und als ein mutiger Wahrheitskämpfer erfreute er das Herz des Himmlischen Vaters. „Sei weise, mein Sohn, und erfreue mein Herz, damit ich Antwort geben könne meinem Schmäher“ - Spr 27:11

Ein alle überragendes Vorbild unter der langen Reihe treuer Zeugen ist der „Anfänger und Vollender des Glaubens“, unser Herr und Meister Jesus Christus. Alle Angriffe von seiten des Widersachers prallten ergebnislos an seiner unerschütterlichen Treue zu seinem Himmlischen Vater ab. Wir kennen Jesu Versuchungen in der Wüste, als er vierzig Tage lang dort fastete und betete. Wir kennen aber auch seine wunderbaren Antworten, von denen die dritte lautet: „Geh hinweg, Satan! denn es steht geschrieben: ,Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.' “ - 5. Mt. 4:1-11

Dies war nicht der letzte Angriff seitens Satans auf den Herrn, aber der Teufel war machtlos, wenn es darum ging, Gottes Sohn von der Lauterkeit seines Herzens abzubringen, der „für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete“. - 5. Heb. 12:2,3

In Mt. 10:22 sagt der Herr zu seinen Jüngern: „Und ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens willen.“ Wie sehr hat sich doch dieses Wort im Leben wahrer Christen bewahrheitet! Und in Mt. 5:11: „Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und jedes böse Wort lügnerisch wider euch reden werden um meinetwillen.“ Welch ein Vorbild sind alle diese für uns, die solche Prüfungen in Treue und in „Lauterkeit“ ertragen! Wir sorgen uns um Geschwister, die den Widerstand ihrer Verwandten erdulden müssen oder in einem religiös geteilten Haus leben. (Mt. 10:34-36) Wir fühlen uns von Herzen mit allen Geschwistern verbunden, die ein Gebrechen haben oder an einer langwierigen Krankheit leiden. Doch - warum all dieses Leid?

Welchen Sinn das Leiden hat,
und welche Zuflucht wir nehmen können!

Ohne Zweifel sucht der Widersacher Christen zu „verschlingen“, ob mit menschlichen oder mit dämonischen Mitteln. (1. Pet. 5:8) Satan benutzt Drangsale oder andere Schwierigkeiten, um unser Verhältnis zu unserem Himmlischen Vater zu zerstören, so daß wir wankelmütig werden und unsere Ungebeugtheit aufgeben. Er ist ein gerissener Gegner Unterschätzen wir ihn nicht. Er kennt die Neigung des Herzens zur Sünde, und er kann sich einen Weg hineinbohren, wenn unsere Wachsamkeit nachläßt. Gab er nicht Judas Iskariot ins Herz, den Herrn zu verraten? (Joh. 13:2) Doch keineswegs sind wir all dem schutzlos preisgegeben. „Unterwerfet euch nun Gott. Widerstehet dem Teufel, und er wird von euch fliehen.“ - Jak. 4:7
Wenn wir von Widerwärtigkeiten heimgesucht werden, können wir so zu Gott flehen, wie David es tat: „Sei mir gnädig, o Gott, sei mir gnädig! Denn zu dir nimmt Zuflucht meine Seele, und ich will Zuflucht nehmen zu dem Schatten deiner Flügel, bis vorübergezogen das Verderben.“ (Ps. 57:1) Als geweihte Kinder Gottes können wir sicher sein, daß der Himmlische Vater uns im Laufe der Zeit Erleichterung verschaffen wird.

Da Prüfungen aber eine gewisse Zeit anhalten können, müssen wir uns im Ausharren üben. Der Apostel Paulus ermahnte die hebräischen Christen, der vorigen Tage zu gedenken, in denen sie viel Kampf der Leiden erduldeten. Er fügte hinzu: „Denn ihr bedürft des Ausharrens, auf daß ihr; nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung davontraget.“ (Hebr. 10:32-36) Was heißt: „die Verheißung davontragen“? Bedeutet es nicht, den Herrn zu sehen, „wie er ist“ (1. Joh.3:2), ihm gleichgemacht zu werden und MitSegner zu werden für alle Geschlechter der Erde?

Diese beglückende Zusicherung unseres großen Gottes ist eine feste Grundlage für die Gewißheit, daß wir in jeder Lebenslage, auch in der größten Bedrängnis, ganz still und vertrauensvoll sein können. ER allein ist unsere Zuflucht, und wird nach seiner Verheißung sicherlich alle unsere Angelegenheiten zu unserem Besten, das heißt: zu unserem höchsten Wohlergehen überwalten.

Unerschöpflicher Trost

Manche Situationen müssen wir vielleicht bis zum Ende unseres Pilgerlaufes ertragen, aber bedenken wir: anhaltende Prüfungen geben uns die Gelegenheit, unsere Ergebenheit Gott gegenüber zu beweisen und sein Herz zu erfreuen. (s. Spr. 27:11) Gleichzeitig erhalten wir von Ihm die Kraft, die nötig ist, um in Treue auszuharren. Der Apostel Paulus schrieb: „Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt.“ (Phil. 4:13) Dieser Zusicherung können wir Glauben schenken, denn sie bewahrheitet sich immer wieder „an eurer Brüderschaft, die in der Welt ist“. - s.l. Pet. 5:9,10

Gott bewahrt uns mit Hilfe seines heiligen Geistes. „Wenn ihr im Namen Christi geschmäht werdet, glückselig seid ihr! Denn der Geist der Herrlichkeit und der Geist Gottes ruht auf euch.“ - 1. Pet. 4:14

Gott tröstet uns auch durch die Erhörung unserer Gebete. „Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasset durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christo Jesu.“ - Phil. 4:6,7; siehe auch Ps. 65:2

Ja, es ist tröstlich zu wissen, daß ER uns in all unseren Drangsalen bewahren wird. Er ist der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes, der uns tröstet in all unserer Drangsal. (2. Kon 1:3,4) „Gott ist uns Zuflucht und Stärke, eine Hilfe, reichlich gefunden in Drangsalen.“ (Ps. 46:1 ff) Was gibt uns dies doch einen gewaltigen Ansporn und frohen Mut, unserem Himmlischen Vater in völliger Hingabe und Treue zu dienen und allezeit ergeben zu bleiben!

Geschwister; die trotz verschiedener Mühsale ausharren, machen uns Mut. Dies geschah auch, als andere die Treue des Apostels Paulus beobachteten. Er schrieb an die Philipper: „Ich will aber; daß ihr wisset, Brüder; daß meine Umstände mehr zur Förderung des Evangeliums geraten sind, so daß meine Bande in Christo offenbar geworden sind ..., und daß die meisten der Brüder; indem sie im Herrn Vertrauen gewonnen haben durch meine Bande, viel mehr sich erkühnen, das Wort Gottes zu reden ohne Furcht.“ (Phil. 1:12-14) Daß andere - trotz Trübsal ihre Redlichkeit bewahren, bestärkt uns, treu zu bleiben. Andererseits sind wir; wenn auch wir unsere Lauterkeit unter Prüfungen bewahren, für andere ein Ansporn. Wunderbar ist es und überaus glaubensstärkend, wenn wir derartige segensreiche Erfahrungen auf unserem Lebensweg an der treuen Vaterhand bereits gemacht haben.

Aus Gottes Wort Trost schöpfen

Gottes Wort ist eine unerschöpfliche Quelle der Ermunterung. (s. Röm. 15:4) Wird nicht unser Vertrauen zu Jhwh als zu einem unvergleichlichen Befreier gestärkt, wenn wir beispielsweise den Bericht über das Wunder der Befreiung Israels aus Ägypten oder über die Bewahrung der Juden in den Tagen der Königin Esther lesen? Und welche Unbilden und Demütigungen hat Joseph geduldig ertragen, ehe er vom Pharao erhöht wurde? Sicher können wir daraus lernen, daß Gottes Kinder dank der Kraft, die er verleiht, Leiden ertragen können.

Die „Ermunterung der Schriften“ kann uns wirklich mit Hoffnung und Ausharren erfüllen. Die tröstlichen Zusicherungen der Bibel bewirken, daß wir uns in der fürsorglichen Hand des Himmlischen Vaters sicher fühlen und gänzlich still werden. „So demütiget euch nun unter die mächtige Hand Gottes, auf daß er euch erhöhe zur rechten Zeit, indem ihr alle eure Sorge auf ihn werfet; denn er ist besorgt für euch.“ (1. Pet. 5:6,7) Welch tröstlicher Gedanke! Es kann nichts passieren, was er nicht sieht oder nicht überwaltet hat.

Darüber hinaus gab uns Paulus die Zusicherung: „Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, daß ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, so daß ihr sie ertragen könnt.“ (1. Kor 10:13) Welch unbeschreiblicher Trost und welch wundervolle Stärkung und Ermutigung!

Vertrauen bewahren in den Gott des Trostes

Es ist eine beglückende Glaubensgewißheit, daß Gott niemals seine sich ihm geweihten Kinder verlassen wird. (Ps. 23:4; 37:28) Auch ist es eine Hilfe, daran zu denken, daß durch unser Ausharren unser Vater in den Himmeln geehrt und verherrlicht wird. Das Herz Gottes auf diese Weise zu erfreuen, ist ganz sicherlich ein Vorrecht. - Spr. 23:15,16
Gerne wollen wir mit einem Herzen voll Liebe unser Bestes tun, auch unseren Geschwistern eine Ursache zur Freude zu sein. In inniger Gemeinschaft untereinander wollen wir uns gegenseitig anspornen in der Treue zu IHM und seiner herrlichen Wahrheit, da wir wissen, daß wir den göttlichen Grundsätzen zufolge für alle unsere schwachen Bemühungen einen reichen Segen empfangen werden. Diesen Segen, der über Bitten und Verstehen hinausgeht, und der eine beglückende Belohnung ist durch unseren Herrn werden wir erhalten, wenn wir treu bleiben und unsere Lauterkeit bis ans Ende unseres Pilgerlaufes bewahren.

„Denn Jhwh, Gott, ist Sonne und Schild;
Gnade und Herrlichkeit wird Jhwh geben,
kein Gutes vorenthalten denen,
die in Lauterkeit wandeln.“
Ps. 84:11