Der Sabbattag


"Denn in sechs Tagen hat Jhwh den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles was in ihnen ist, und er ruhte am siebten Tag; darum segnete Jhwh den Sabbattag und heiligte ihn."
1. Mose 20:11

Oerkwürdigerweise wird in den christlichen Traditionen, besonders den Kirchen des Westens, die Schöpfung meistens nur als das "Sechstagewerk" dargestellt. Die "Vollendung" der Schöpfung durch den "siebten Tag" wird vernachlässigt oder gar übersehen (1. Mo 2:2), so als sei für christliche Theologie mit Jesu Übertretung des Sabbatgebotes durch Heilung von Kranken an diesem Tag sowohl das Sabbatgebot Israels wie auch der Sabbat der Schöpfung außer kraft gesetzt und abgetan. Darum wird Gott als der in seinem Wesen nur "schöpferische Gott" aufgefasst, und daraus folgt, dass auch die Menschen nur darin sich als dieses Gottes Ebenbild verstehen können, wenn sie zu "schöpferischen Menschen" werden.

Der im Sabbat "ruhende Gott", der segnende und feiernde Gott, der sich seiner Schöpfung erfreuende und dadurch heiligende Gott tritt dahinter zurück. Deshalb wird auch für die Menschen der Sinn ihres Lebens mit Arbeiten und Schaffen identifiziert und die Ruhe, das Fest und ihre Freude am Dasein als nutzlos in die Sinnlosigkeit verbannt.

Der Sabbat ist der einzige Tag, der von Jhwh Gott selbst "heilig" (= abgesondert) genannt wurde (1. Mo. 2:3). Dieser Tag beginnt immer mit Sonnenuntergang am Freitagabend, denn es heißt: "Es wurde Abend und es wurde Morgen, ein Tag (1.Mose 1:5). Jeder Tag wird in der Bibel nur mit einer Zahl bezeichnet: erster Tag, zweiter Tag, dritter Tag usw. Nur der siebte Tag wird als "Sabbattag" (Ruhetag) bezeichnet.

Wurde der Sabbat durch den ersten Tag der Woche ersetzt?
Die Antwort ist einfach. Nein! Denn die Bibel erwähnt den Sabbat auch nach der Auferstehung Christi und unterscheidet ihn vom ersten Tag der Woche. Auch bei der Auferstehung des Herrn wird sowohl vom Sabbat als auch von dem ersten Tag der Woche gesondert geredet: "Aber spät am Sabbat, in der Dämmerung des ersten Wochentages, kam Maria Magdalene und die andere Maria, um das Grab zu besehen" (Matt. 28:1). Und der Apostel Paulus ging am Sabbat in die Synagogen (Apg. 13:42-44; 15:21; 18:4), um zu predigen. Die Christen in Troas kamen am Samstagabend (hebr. mozah-eh shabbat) zusammen und das Brotbrechen fand am frühen Morgen (des ersten Tages = Sonntag) statt, weil Paulus abreisen wollte. Somit hat Paulus den Sonntag nicht als Ruhetag angesehen (Apg 20:7).

Warum sollte man am Sabbat ruhen?
Obwohl Gott seit dem Sündenfall nicht mehr ruhen konnte, so gibt er doch das Gebot, dass das Volk Gottes am Sabbat ruhen sollte von jeder Arbeit (2. Mo. 20). Warum? Weil Gott es gut mit dem Menschen meint. Denn alles, was Gott gibt, ist gut, so heißt es ja auch, dass das Gesetz heilig, gerecht und gut ist (Röm. 7:12). Und in 5. Mose 10:13 heißt es: "... indem du die Gebote Jhwh's und seine Satzungen, die ich dir heute gebiete, beobachtest, dir zum Guten". Wenn auch Gott nicht ruhen konnte, so gab er doch in seiner Gnade und Barmherzigkeit dem Menschen diesen Sabbat. Gott wusste, dass ein Mensch nach sechs Tagen Arbeit einen Ruhetag brauchte, um sich zu regenerieren, um an Geist, Seele und Leib gestärkt zu werden.

Im NT haben wir den Schlüssel zu dem Sabbatgebot; dort sagt der Herr Jesus, dass der Sabbat "um des Menschen willen gemacht wurde" (Mar. 2:27) - er sollte dem Menschen nutzen und ihm nicht Schaden zufügen. Aber es war auch ein Gebot, an dem Gott ganz besonders den Gehorsam seines Volkes messen konnte. Alle anderen Gebote sind nämlich auch dem Menschen moralisch einleuchtend. Das Sabbatgebot ist aber kein direkt moralisches Gebot. Gott möchte, dass Menschen ihn um Seinetwillen gehorchen. So liegt hierin eine ernste Seite des Sabbatgebotes, denn auch Kinder Gottes sollten in der heutigen Zeit dem Worte Gottes gehorsam sein, nicht weil wir alles schon verstanden haben, sondern weil wir Gott und den Herrn Jesus lieben "und seine Gebote halten" (Joh. 14:21).

Natürlich leben wir jeden Tag in Gnade und Frieden, also in Ruhe mit Gott, doch hebt es nicht die Tatsache auf, dass wir an einem bestimmten Tag unsere weltliche Tätigkeiten ruhen lassen sollten, um eine gesegnete Zeit mit unserem Schöpfer zu haben. Darum wurde der Sabbattag eingeführt. "Denke an den Sabbattag und heilige ihn!" (2. Mo. 20:8-11).

Die christliche Urgemeinde hat den Sabbat mit seinen ursprünglichen Inhalten als den siebten Tag der Schöpfung weiter begangen. In der neutestamentlichen Diskussion um das Einhalten des Sabbats werden bestimmte Aspekte seiner Heiligung, die auch im Judentum vorhanden waren, unterstrichen. Etwa wenn Jesus in der Diskussion mit den Pharisäern betont: "Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen" (Mar. 2:27), wird die Erhaltung und Förderung menschlichen Lebens als überragendes Ziel gesehen.

So blieb auch der Sabbat in den Kirchen des Ostens lange Zeit bis ins 4. Jahrhundert erhalten. Erst auf dem Konzil von Laodicea im Jahre 365 n. Chr. wurde der Sabbat von der westlichen Kirche offiziell verworfen und denen, die am Sabbat festhielten, wurde der Kirchenausschluss angedroht. Auszug aus dem Kanon: "Die Christen dürfen nicht nach Judenart am Sabbat müßig sein, sondern sollen an diesem Tage arbeiten. Sie mögen dem Herrentag den Vorzug geben und als Christen ruhen, falls sie es können. Werden sie aber als Judaisierende erfunden, so seien sie von Christus ausgeschlossen."

Warum der "erste Tag der Woche" uns Christen auch wichtig ist
Zuerst einmal finden wir den "ersten Tag der Woche" in folgenden Bibelstellen: Matthäus 28:1; Johannes 20:19; Johannes 20:25; Apostelgeschichte 20:7; 1. Korinther 16:2.

Diese Bibelstellen zeigen, dass der erste Tag der Woche nicht hoch genug von gläubigen Christen geschätzt werden kann. An diesem Tag ist der Herr Jesus auferstanden, sodass dieser Tag zum Anfang einer ganz neuen Schöpfung wurde, einer ganz neuen Beziehung von Menschen zu ihrem Gott. Erst nach der Auferstehung wird uns durch den Herrn mitgeteilt, dass Gott nun auch "unser Gott" ist und dass sein Vater nun auch "unser Vater" ist (Joh. 20). Auch war die Auferstehung die Botschaft, für welche die ersten Jünger und Apostel vieles leiden sollten und wofür sie sogar bereit waren, als Märtyrer zu sterben.

Dann finden wir die Jünger am ersten Tag der Woche, dem Auferstehungstag, hinter verschlossenen Türen versammelt und der Herr kommt in ihre Mitte (Joh. 20:19). Acht Tage später, wiederum am ersten Tag der Woche, sind die Jünger erneut versammelt und wieder kommt der Herr Jesus in ihre Mitte (Joh. 20:25). Die Korinther sollten am ersten Tag der Woche eine Gabe für den Herrn und die Seinen zurücklegen, für die Bedürfnisse der Gläubigen.

So sieht man, dass die Gedenkversammlungen an die Auferstehung Jesu nie mit dem Sabbat in Konkurrenz standen. Dies gibt man auch von römisch katholischer Seite zu: "Der erste Wochentag sollte zunächst dem Sabbat nicht Konkurrenz machen. Es ist nicht richtig, wenn man meint, dass gleichsam der Sabbat nun abgeschafft war und an dessen Stelle sogleich der neue Tag trat. Denn der Sabbat, der siebente Tag, war der Tag der Ruhe, das ist aber der erste Tag der Woche nicht gewesen; er war der Tag des Gedächtnisses des Herrn und seiner Auferstehung. Von einer Arbeitsruhe war zunächst gar keine Rede." (Prof. P. Tschinkel, Kath. Monatschrift "Bibel und Liturgie")

Erst Kaiser Konstantin der Große (306 - 337) verordnete im Jahre 321 n. Chr. gesetzlich die Sonntagsfeier, zum "dies solis", dem Gedenken der unbesiegbaren Sonne". Aber für den ersten Tag in der Woche, den Sonntag, um ihn zu "heiligen" gibt es keine biblische Stütze.

Gott schenkte uns, den Sabbat, an dem wir von unserer weltlichen Tätigkeit ruhen und uns auch in ungestörter Gemeinschaft mit der Familie und/oder Versammlung auf unseren Schöpfer freuen können. Auch brauchen die meisten von uns am Wochenende in der Regel nicht zu arbeiten, so dass wir eigentlich die besten Voraussetzungen haben, um ausgeruht und frisch dorthin zu gehen, wovon der Herr sagt: 'Hier möchte ich gerne persönlich in der Mitte der Meinigen sein' (Matt. 18:20).

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