Das Sühnopfer


    „Ich ermahne euch nun, Brüder durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohl gefälliges Schlachtopfer welches euer vernünftiger Dienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, daß ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.“ - Röm.. 12:1,2

IAULUS HAT DURCH elf Kapitel hindurch von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes gesprochen - von der Gnade, die den Angeredeten in Rom, Juden und Nationen, widerfahren ist: von der Gnade der Errettung aus Glauben. Und nun spricht er darüber, welche Folgerungen mit dieser Gnade für die Begnadigten verbunden sind. So manche Bibelleser sind von den beiden oben angeführten Versen verunsichert worden und wissen nicht, welche wirkliche Bedeutung sie für ihren eigenen Lebensweg beinhalten.

Und doch gehören diese Verse auch zu dem Evangelium Jesu, zur „Frohen Botschaft“. Sie sollten uns auch froh machen - und sie w ü r d e n uns froh machen, wenn wir nur verstehen und richtig einschätzen könnten, was uns dort angeboten wird. Und sie zu verstehen, das wollen wir versuchen.

Was haben wir empfangen? Gnade. Seit Adam ist der Mensch ein Sünder; mit Gott verfeindet, zum Tode verurteilt, rettungslos vom Leben abgeschnitten, unter Gottes Zorn stehend.

Aber durch das Mosaische Gesetz gab Gott seinem Bundesvolk Israel eine Chance, ewiges Leben zu erwerben. „Meine Satzungen und meine Rechte sollt ihr beobachten, durch welche der Mensch, wenn er sie tut, leben wird.“
3. Mos. 18:5

Aber war dieser Weg gangbar? Israel wollte ihn gehen, wollte ihn g e r n e gehen - und doch hat niemand, auch nicht ein einziger; diese unübersteigbare Hürde nehmen können. Aller guter Wille, alle Bemühungen führten nicht zum Ziel. Jeder mußte lernen und einsehen, daß es für einen mit der Erbsünde belasteten Menschen nicht möglich ist, sich das angebotene ewige Lebensrecht auf Erden zu verdienen, weil das dem Mose gegebene Gesetz ein göttliches, ein vollkommenes Gesetz war. Und durch das Gesetz kam die Erkenntnis der Sünde.

War nun doch alles verloren? Ja, alle Hoffnung trog, B I S ... zu der „Frohen Botschaft“, die den Hirten auf dem Felde von dem Engel verkündigt wurde. (s. Luk. 2:10,11) Jesus, der Sohn Gottes, hat für uns bezahlt. Er, der Gerechte, für den ungerechten ersten Menschen, Adam. Aber in Adam sind alle losgekauft; denn unsere Sünde ist eine Erbsünde. Jetzt ist eine Wandlung eingetreten: „Umsonst wirst du gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christo Jesu ist.“ - s. Röm. 3:24

Wir haben die Versöhnung mit Gott; der Weg zum Leben ist nicht mehr durch das Gesetz blockiert; er ist frei! Wenn wir nur Kenntnis davon haben, was Jesu Kreuzestod bewirkt, dann leben wir; sind versöhnt mit Gott, haben Frieden mit dem Allmächtigen, dem höchsten Richter; aufgrund des Glaubens an das Lösegeld, das unser Erlöser durch seinen Kreuzestod für uns bezahlt hat. Wer die Botschaft nicht hört, hat nichts davon: keine Erkenntnis seiner Sünde, keine Vergebung, kein Leben. Wer andererseits die Botschaft hört und nicht glaubt - sie sich nicht glaubensvoll aneignet, ist nicht besser daran.

Den Segen von der Erlösung Jesu Christi hat nur der Glaubende. Und doch ist das Lösegeld für a 11 e:

„Jesus, der durch Gottes Gnade für alle den Tod schmeckte.“ - Hebr. 2:9

„Denn gleichwie in Adam alle sterben, also werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden.“ - 1. Kor. 15:22

„Der Mensch Jesus Christus, der sich selbst gab als Lösegeld für alle, wovon das Zeugnis zu seiner Zeit verkündigt werden sollte.“ (1. Tim. 2:6)

„Zu seiner Zeit“? Verkündigt, Zeugnis gegeben wird ja schon längst, und sogar in diesem selben Satz!

Doch sollte dieser Vers etwas verständlicher ausgedrückt werden man sollte lesen: „. . . wovon der Beweiß zu seiner Zeit gegeben werden soll.“ Jetzt aber sind wir noch nicht in den Zeiten des Beweises, der Verwirklichung aller Verheißung, sondern jetzt ist in Christo Jesu erst „die Gnade und die Wahrheit erschienen“. (s. Joh. l:17) Die Wahrheit ist nicht die Wirklichkeit, sondern die K u n d e von der Wirklichkeit, die man glauben kann oder nicht glauben kann.

Der Glaube ist eine Gnadengabe Gottes. Der Mensch wird durch seine Lebenserfahrungen oder durch solche seiner Vorfahren dazu angeleitet, vom Glauben ergriffen zu werden. Timotheus hat diesen „ungeheuchelten Glauben“ von seiner Mutter Eunike und von seiner Großmutter Lois geerbt. Diese Erlebnisse müssen den Stolz des Menschen geknickt - und ihm die Tatsache seiner Verlorenheit, ohne Gottes Gnade, zur Erkenntnis und Erfahrung gebracht haben.

Kurz: Dieses Zeitalter ist ein Zeitalter des Glaubens, und der Glaube ist nicht jedermanns Sache. Er ist von Gott gegeben, er ist Gnade. Und damit wird dieses Zeitalter zum Zeitalter der Herauswahl, der Gnadenwahl, aus Juden zuerst. Von ihnen wurde nur ein Überrest „nach Wahl der Gnade“, d. h. nach Wahl des gnädigen Gottes, mit Glauben begabt. Ebenso aus den Nationen, aus denen eine große Anzahl berufen wurde. Und von diesen Berufenen wird nur eine kleine Zahl auserwählt. Welche? Alle die, welche wirklich glauben, d. h. ihren Glauben auch in die Tat umsetzen, weil sie wissen, daß es ein höheres Gut gar nicht geben kann.

Nun wird der Glaube erprobt; dadurch erprobt, daß wir beweisen müssen, daß kein anderes Gut dieses Lebens ihn auszustechen vermag. Fragen wir uns nun: Was ist uns mit dem Glauben geschenkt worden?

1. Vergebung der Sünden. Was an Falschem, Unvollkommenem, Verkehrtem, Irrigem, Bösem aus unserer unvollkommenen Natur hervorgeht, wird uns nicht mehr als Sünde zugerechnet; die Erbsünde ist bei uns nur als Unvermögen angesehen, das wir, wenn wir Kenntnis davon haben, selbst beklagen und bedauern. Aber sie wird wenn wir Gott darum bitten vergeben und zieht uns nicht Gericht zu.

2. Weil uns die Sünde vergeben ist, so haben wir das ursprüngliche Lebensrecht zurückerhalten - das in Adam verlorengegangene Lebensrecht. „Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist, auf daß man davon esse und nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist; wenn jemand von diesem Brot ißt, so wird er leben in Ewigkeit.“ - Joh. 6:50,51

3. Wir sind Kinder Gottes. „So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“
- Joh. 1:12

4. Wir sind eingeladen zur Miterbschaft mit unserem Herrn Jesus Christus. Wir haben das Vorrecht, das neu empfangene Lebensrecht auf den Opferaltar zu legen, indem wir in den Fußstapfen Christi gehen, die damit verbundenen Leiden und den Tod auf uns nehmen, um - von ihm auferweckt -auch seine Herrlichkeit zu empfangen und an seinem hohen Amt alsdann teilzuhaben. Auf himmlischer Stufe, zusammen mit Ihm, bilden wir dann als sein , „Leib“ den König und Priester und Richter der ganzen Menschheit. Uns sind „die größten und kostbaren Verheißungen geschenkt“. - 2. Pet. 1:4

5. Da ist die Gabe des Heiligen Geistes. Uns wird nicht die ganze Fülle dieses „Parakletos“ zugewiesen, sondern so viel, als wir in uns hereinlassen.

6. Unser Sterben gilt als ein freiwilliges, weil ja der Ruf in die Nachfolge Christi auch durchaus als eine Einladung, ein Anerbieten, und in keiner Weise als ein Zwang aufzufassen ist. Niemand m u ß dem Herrn in den Tod nachfolgen.

Allerdings hätte ein Ausschlagen des göttlichen Angebotes zur Folge, daß uns dies als Unglaube ausgelegt würde, was es ohne allen Zweifel ist, und daß wir dann damit auch alle genannten Glaubensgaben gleichzeitig verlieren würden: Rechtfertigung, Lebensrecht auf irdischer Stufe, Gotteskindschaft, den Heiligen Geist. Denn das Glaubenszeitalter hat kein anderes Ziel - und die Vorrechte werden zu keinem anderen Zweck gespendet - damit die (wahre) Kirche, der „Leib des Herrn“, gebildet werden kann.

Ein solches Verhalten wäre ohne alle Vernunft und einem wahren Glauben widersprechend. Darum erinnert uns der Apostel in unserem Eingangstext: „Ich ermahne euch nun, Brüder; durch die Ermahnungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer; welches euer vernünftiger Dienst ist.“ - Röm. 12:1

Unsere Leiber als ein Opfer darzustellen, wie auch Jesus es getan hat und wie es allein Jhwh Gott wohlgefällig sein kann. Dieses Opfer ist auch h e i l i g. Es ist ein Bestandteil der großen Liebesabsichten des Allerhöchsten, und diesen müssen wir entsprechen, müssen darauf eingehen; es ist Gott wohlgefällig: er nimmt es an.

Die Gnade der Berufung zu einer Mitwirkung im heilsgeschichtlichen Handeln des Schöpfers können wir gar nicht hoch genug einschätzen; es ist unser „vernünftiger Dienst“. Dieses Opfer ist ein lebendiges. Die unblutigen Opfergaben Kains haben Ihm nicht gefallen. Nur Lebendiges entspricht der Forderung Gottes: Unser Leben sollen wir als Opfer darstellen, unser Alles soll Ihm gehören, ohne etwas davon zurückzuhalten. Kein Mensch kann dies tun, der nicht Leben h a t . Nur der gerechtfertigte Gläubige hat Leben, zugerechnetes Leben.


Diese Gedanken können nur im Glauben erfaßt werden. Jeder Ungläubige wird den Kopf schütteln, wenn wir solches zu erklären versuchen, und wir müssen das begreifen. Unsere Einstellung, unser Blickwinkel hat sich geändert; durch die Einwirkung des heiligen Geistes ist für uns alles „neu“ geworden.

Das Leiden und Sterben der Berufenen, der Geistgezeugten ist ein Opfer; und es ist von Gott geboten und ihm wohlgefällig. „Kostbar ist in den Augen Jhwh's der Tod seiner Frommen.“ (Ps. 116:15) Allein durch dieses Sterben und den Tod können wir in die Nähe Jesu kommen und ihm gleich gemacht werden. Luther sagt, daß die größte von allen Gaben, die der Vater uns schenkt, das Leiden sei. Und Paulus hebt hervor: „Das Wort ist gewiß; denn wenn wir mitgestorben sind, so werden wir auch mitleben; wenn wir ausharren, so werden wir auch mitherrschen.“ - 2. Tim. 2:11,12

Anderenfalls nicht! Hier kommen wir nun zu der Frage: Was ist darunter zu verstehen, „mit dem Herrn zu sterben“? Wie sollen wir das Opfer des Lebens bringen? Könnte das bedeuten, daß nur ein Märtyrertum und ein Märtyrertod das wären, was Gott von uns erwartet?

Daß das Opfer des Lebens um der Wahrheit willen, das Martyrium, e i n e Art der Erfüllung unseres christlichen Lebens und der Nachfolge des Herrn sein kann, steht außer Frage. Aber das ist nicht die einzige oder auch nur die bevorzugte Form christlicher Existenz. Paulus sagt: Stellt euch dar als Schlachtopfer! Wir haben uns nicht zu opfern; wir haben uns dem Herrn einfach zur Verfügung zu stellen. Seine Sache ist es, zu bestimmen, in welcher Weise wir unser Leben aufzubrauchen oder niederzulegen haben: ob in einer auffälligen und zeugnishaften Weise - oder ganz unauffällig.


Kein einziges Kind Gottes kommt um das Leiden herum, und um das Sterben erst recht nicht. „Gekreuzigt“ werden wir alle. Nun wird man einwenden: Aber alle anderen Menschen leiden und sterben auch! Warum sollten wir uns wichtig machen mit unserem Leiden? Das wollen wir auch nicht. Je weniger wichtig wir uns machen, um so edler ist dieses Leiden, um so mehr gleichen wir unserem Herrn und Haupt. Je ruhiger, je selbstverständlicher und williger wir leiden, desto mehr gefällt es unserem Himmlischen Vater

Aber man sage nicht, es sei kein Unterschied zwischen dem Leben und Sterben eines Nachfolgers des Herrn und dem Leben und Sterben anderer Menschen. Zum ersten ist hier schon der Unterschied zwischen Freiheit und Zwang. Außerdem: wir sind gerechtfertigt, wir gehorchen Gott. Wir haben alle Bereitschaft zur Gerechtigkeit, Liebe und Güte; wir haben das Bestreben, alles so gut zu machen, als wir können. Zum Beispiel: Wir rächen uns nicht; wir lieben unsere Feinde. Gewinnen wir sie dadurch? Davon kann keine Rede sein. Sie mißachten uns noch mehr. Was haben wir von dem allem? Ein genau so hartes Leben, Leiden und Sterben wie alle anderen.

Die Sünde ist eine viel kompliziertere Krankheit, als wir es uns vorstellen können. Das Bemerkenswerteste daran ist, daß man todkrank sein kann, ohne es zu ahnen. Und alsdann nimmt diese Krankheit tausend Formen an. Im eigentlichen Sinne ist sie die einzige tödliche Krankheit. Es braucht wirklich keinen geringeren Arzt als Jesus Christus, um sie erfolgreich zu behandeln, und auch ER hatte ein Spezialstudium nötig. Er hatte einen besonderen Grad von Gehorsam zu lernen. „Ein solcher Hoherpriester geziemte uns: Heilig, unschuldig, unbefleckt, abgesondert von den Sündern.“ (Hebr. 7:26) „Denn wir haben nicht einen Hohenpriester (Arzt), der nicht Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten, sondern in allem versucht (geprüft) worden ist in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde.“ (Hebr. 4:15) Es ist also die menschliche Sünde, die das Herabsteigen des Menschensohnes in die Tiefe des Leidens erforderte.

Es ist nun klar; wenn die wahre Kirche die Gehilfin des Herrn bei der Aufrichtung der gefallenen Menschheit sein soll, daß dann auch s i e solcher Schulung bedarf, nämlich eines freiwilligen, zu Studienzwecken zugelassenen Leidens. Die Erhöhung der Natur der Christusglieder geschieht durch Leiden und ist notwendig. Daß nun die Kirche solche Fähigkeiten braucht, kann gar nicht bezweifelt werden. Nun hat jedes Glied der Kirche eine gewisse Erfahrung mit der Krankheit der Sünde schon mitgebracht auf den Weg der Berufung; aber eine Krankheit h a b e n und eine Krankheit v e r s t e h e n, das sind zwei verschiedene Dinge. Verstehen kann der Arzt die Krankheit nur dadurch, daß er sich freiwillig damit befaßt.

Die Glieder des Christus müssen nicht weniger als ihr Herr und Haupt an dem, was sie leiden, den Gehorsam lernen und „durch Leiden vollkommen gemacht werden“ - durch Leiden und Sterben. Sie müssen ebenfalls eine Leidensschule bis zum bitteren Tod durchkosten, und das tun sie auch. Da sie durch Glauben die Vergebung ihrer Sünden und die Annullierung des adamitischen Todesurteils haben, so gilt ihnen alles Erleiden als ein freiwilliges, ein Auf-sich-Nehmen eines Opfers, das beim Herrn u m d e r S ü n d e w i l l e n geschah. Es ist also ein „Sündopfer“ (ein Opfer um der Sünde willen). Sie sind T e i l h a b e r des Christus geworden in diesem Opfer; das Gott angenehm und heilig ist, daß aber niemanden erlöst.

Das Opfer Christi, seine Erniedrigung zur Menschennatur; sein Leben und Leiden in dieser Welt, sein Tod hat einen zweifachen Sinn. Es ist das Lösegeld für die Entlastung Adams und seines Geschlechtes; u n d es ist ein Opfer für die Sünde, besser: w e g e n der Sünde.

Am ersteren, dem Lösegeld, haben die Leibesglieder keinen Anteil - und können keinen haben. Am zweiten haben sie Anteil und müssen es vernünftigerweise haben. „Das ist euer vernünftiger Dienst.“

Da das Sündopfer der Weg ist, auf dem sich der Erlöser Jesus die Eignung beschafft - auf eigene Kosten! -, um der Menschheit aus der Sünde heraushelfen zu können, so wäre es undenkbar; daß seine Gehilfen bei diesem Werk einer solchen Eignung nicht bedürfen sollten. Aber sie bedürfen dieser Fähigkeiten nicht allein um ihretwillen, sondern um der Erziehung der Sünder willen. Es ist ein nützliches, ein heilsames Opfer; und es kommt dereinst auch denen zustatten, die heute selbst großenteils die Verursacher dieser Leiden sind.

Unter diesem Gesichtspunkt ist nun auch das prophetische Bild des Sündopfers von 3. Mos. 16 zu deuten: Der Stier oder der Farren stellt Jesus Christus dar - sein Opfer für Aaron und sein Haus; dieses Opfer hat die doppelte Bedeutung eines Sündopfers u n d des Lösegeldes, das zunächst der Kirche (dem Haus Aarons) zugute kommt. Diesem Opfer wird das des „Bockes für Jhwh“ hinzugefügt, das nichts erlöst, sondern nur der Eignung der Kirche zu ihrem Herstellungswerk dient und damit indirekt der Welt zustatten kommt. Es ist die Vollendung des in Christo (in seinem Leiden) begonnenen Sündopfers, und kein neues Opfer; weil „Der Christus“ einer ist. - Kol. 1:24

Es wird nicht zweier Personen Blut auf den Deckel des Gnadenstuhles gesprengt, sondern e i n e r Person, des Christus, in zwei Akten, die aber als e i n e Handlung gesehen werden kann; denn der Same Abrahams ist einer; wie wir lesen: „Denn dem Abraham waren die Verheißungen zugesagt u n d seinem Samen. Er sagt nicht: ,und den Samen´, als von vielen, sondern als von einem: ,und deinem Samen´, welcher Christus ist.“ (Gal. 3:16) „Wenn ihr aber Christi seid, so seid ihr denn Abrahams Same und nach Verheißung Erben“. - Gal. 3:29

Man kann also nicht sagen, das heiße: Christus erlöse die Kirche, und die Kirche erlöse die Welt. An so etwas ist auch nie gedacht worden bei der Auslegung des Sündopfer-Bildes, sondern daran: Wie Christus durch Leiden vollkommen gemacht wurde, wozu auch sein freiwilliger Tod gehört, der aber eine ganz andere Bedeutung hat, so wird auch die Christusklasse durch freiwilliges Leiden und Sterben vollkommen gemacht und erlernt den Gehorsam. Aber eine weitere Bedeutung kommt ihrem Opfer nicht zu.

Es ist lauter G n a d e Gottes, daß das allmenschliche Leiden und Sterben bei einem Jünger Jesu aufgrund der Sündenvergebung in Christo zu einem unschuldigen, unverdienten Leiden geworden ist - und damit den Wert eines Opfers gewonnen hat. Von einem Ve r d i e n s t des Christusleibes kann nicht gesprochen werden.